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Immer häufiger führen Ärzte chirurgische Labienkorrekturen durch.
 
Chirurgie 6. Februar 2013

Auf der Jagd nach dem Intimideal

Als häufigster Wunsch wird die Verkleinerung der Schamlippen gewünscht.

Die Intimrasur setzt sich immer mehr durch, und damit der unverstellte Blick auf das Genitale. Zusammen mit gesellschaftlichen Veränderungen hat sich ein Intimideal entwickelt, dem immer mehr Frauen nachkommen wollen. Häufigster Wunsch: die Verkleinerung der kleinen Schamlippen.

Einen wesentlichen Grund für den Boom der Intimchirurgie sieht PD Dr. Ada Borkenhagen, Magdeburg, in der Intimrasur, die sich bei den unter 30-jährigen Frauen in Deutschland inzwischen durchgesetzt hat. 65 Prozent der Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren, aber auch 41 Prozent der Jungen rasieren sich die Schamhaare, „weil es schöner aussieht und weil es hygienischer ist“, verwies Borkenhagen auf das Ergebnis der Dr.-Sommer-Studie der „Bravo“ im Jahr 2009. Die Intimrasur gibt den Blick frei auf die anatomischen Details des weiblichen Geschlechts, sodass das äußere Erscheinungsbild eine größere Rolle spielt. In den Medien wird das Thema immer präsenter. Ein hoher Anteil der Jugendlichen schaut inzwischen Pornos, die die Vorstellung idealer Genitalien zusätzlich prägen. Dadurch bilden sich eine Intimästhetik und eine Intimnorm heraus, die viele als erstrebenswert erachten.

In diesem Intimideal gelten lange innere Schamlippen als primitiv. Eine Verkleinerung der kleinen Labien ist deshalb der häufigste Wunsch der Frauen, so Ada Borkenhagen auf dem 59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Sie halten ihre Labien für zu groß, zu unsymmetrisch oder missgebildet. Allein in Deutschland werden nach Angaben der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft pro Jahr etwa 1.000 Schamlippenkorrekturen durchgeführt, bei einer hohen Dunkelziffer.

Eine medizinische Indikationsstellung ist laut Borkenhagen ab einer Labienlänge von 4,5–5 cm möglich. Die Patienten sind meist zufrieden mit dem Ergebnis. Allerdings gibt es nur wenige Studien zum psychologischen, ästhetischen und funktionellen Benefit.

Quelle: springermedizin.de basierend auf: 59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe 2012, München

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