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Chirurgie 1. Februar 2006

Lebertransplantation bei Lebermalignomen

GRUNDLAGEN: Die orthotope Lebertransplantation nimmt nach wie vor einen zentralen Stellenwert in der Behandlung hepataler Malignome ein. Obwohl der Organersatz bei nahezu allen Formen von Leberkarzinomen im Vergleich zu anderen Therapien akzeptable Ergebnisse erbringen kann, unterliegt diese Behandlungsform aufgrund des eklatanten Organsmangels in der klinischen Praxis deutlichen Einschränkungen. METHODIK: Diese Publikation bietet einen systematischen Überblick über die rezente relevante Literatur über die Bedeutung der Lebertransplantation bei malignen Lebererkrankungen. Um allerdings der nationalen Bedeutung des Journals gerecht zu werden, wurden zusätzlich die Ergebnisse und die Expertise des Transplantationszentrum Wien an der Medizinischen Universität Wien berücksichtigt. ERGEBNISSE: Für Patienten mit einem nicht resektablen hepatozellulärem Karzinom (HCC) mit einem singulären Herd von weniger als 5 cm im Durchmesser oder mit maximal drei Herden mit jedem von weniger als 3 cm im Durchmesser wird zur Zeit die Lebertransplantation als Routineverfahren angeboten. In Studien konnte mehrfach gezeigt werden, dass diese Patienten ein geringes Risiko für ein Rezidiv des Tumors haben und das 5-Jahres Überleben bei 75 % liegt. Das HCC sollte primär mittels CT oder MR diagnostiziert werden. Zur Bestätigung des radiologischen Befundes ist eine Biopsie zu fordern. Während der Wartezeit für eine Lebertransplantation sollte darüber hinaus eine lokale Therapie in Form einer perkutanen Alkoholinstillation, einer Radiofrequenzablation oder einer transarteriellen Chemotherapie erfolgen, um eine weitere Tumorprogression zu verhindern. Ob diese Kontrolle des lokalen Tumorwachstums in der Wartezeit allerdings einen Einfluss auf das Langzeitüberleben nach Transplantation hat, ist noch unklar. Wie die Literatur zeigt, können Patienten mit seltenen Malignomen wie Hepatoblastomen oder epitheloiden Hämangioblastomen in Einzelfällen erfolgreich transplantiert werden, jedoch bleiben diese Indikationsstellungen wegen der geringen Datenbasis einem hoch selektionierten Patientengut vorbehalten. Andere bösartige Lebererkrankungen wie das cholangiozelluläre Karzinom oder Lebermetastasen sind aufgrund der schlechten Langzeitergebnisse mit einem 5- Jahres Überleben von weniger als 25 % von der Lebertransplantation ausgeschlossen. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Nur Patienten mit kleinem hepatozellulären Karzinomen sind geeignete Kandidaten für eine Lebertransplantation. Das Ergebnis in dieser Gruppe ist vergleichbar mit dem von Patienten, die wegen gutartiger Lebererkrankungen transplantiert wurden und ist deutlich besser als andere lokale oder systemische Therapieformen. Die vorliegenden Daten rechtfertigen jedenfalls die Verwendung von Organen in dieser Indikation. Andere Lebermalignome sind aufgrund der schlechten Prognose bzw. wegen des dramatischen Organmangels keine Indikationen zur Lebertransplantation.

T. Soliman, G. A. Berlakovich, F. Mühlbacher, R. Steininger, European Surgery

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