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Chirurgie 21. März 2012

Mikroinvasive Therapie: Chirurgie ohne Messer

Für Patienten eine deutliche Erleichterung.

Unter mikroinvasiver Therapie versteht man die punktgenaue Behandlung direkt an krankheitsverursachenden Orten durch das Einbringen von dünnen Nadeln oder Sonden. Diese „Chirurgie ohne Messer“ wird durch Methoden der 3D-Bildgebung gesteuert und erlaubt mikroinvasive direkte Zugriffe auf die betroffenen Stellen im Körper. Durch die schonende Behandlung erholen sich die Patienten schneller vom Eingriff als üblich und das Infektionsrisiko wird durch das Fehlen großer Hautschnitte minimiert.

Durch das bilddatengesteuerte Vorschieben von Nadeln in den Patienten mittels 3D-Navigation und Robotik können die meisten Strukturen im menschlichen Körper, wie z.B. Tumore, millimetergenau angesteuert werden. Das Instrument wird mit Hilfe eines Führungssystems durch einen winzigen Nadelstich unter Steuerung durch radiologische Methoden exakt positioniert. Anschließend erfolgt direkt am Zielort die eigentliche Therapie, z. B. eine Verkochung eines Tumors bzw. eines schmerzverursachenden Nervengeflechts oder die Einbringung von Schmerzmedikamenten.

Für den Patienten stellt vor allem die mikroinvasive Vorgehensweise eine deutliche Erleichterung dar: „Durch die mikroinvasive punktgenaue Therapie mit feinen Nadeln können Hautschnitte komplett vermieden werden. Durch eine zielgerichtete und schonende, komplikationsarme Behandlung verringert sich die Spitalsaufenthaltszeit deutlich im Vergleich zu herkömmlichen chirurgischen Verfahren. Nach der Behandlung eines Lebertumors mittels Radiofrequenzablation (RFA) können manche Patienten bereits am Folgetag entlassen werden und nach wenigen Tagen wieder in das normale Berufleben einsteigen bzw. ihren sportlichen Freizeitaktivitäten nachgehen“, so Prof. Dr. Reto Bale, Leiter der Sektion Mikroinvasive Therapie (SIP) an der MedUni Innsbruck.

Tumorzerstörung durch Hitze

Ein Hauptanwendungsgebiet der minimal-invasiven Therapie ist die Tumorbehandlung mittels Radiofrequenzablation, unter deren Anwendung Tumore mit einem Durchmesser von 1 mm bis über 10 cm (!) Zentimetern komplett zerstört werden.

Bei der Radiofrequenztherapie handelt es sich um eine etablierte und durch randomisierte Studien gesicherte Therapieform zur Behandlung von Lebertumoren, deren Prinzip auf der Hitzeschädigung von Tumorgewebe beruht. Die Hitzeapplikation erfolgt über eine Sonde, die in den Tumor eingebracht wird und um deren Spitze die Hitzeentwicklung stattfindet. Typischerweise wird dabei ein ellipsoidförmiges Gewebsareal um die Nadelspitze irreversibel geschädigt, sodass der Tumor zerstört wird und eine weitere Ausbreitung verhindert werden kann.

Die Nadel kann unter Sicht, nach Eröffnung des Bauchraumes durch den Chirurgen, oder wesentlich schonender mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie der Sonographie, CT, oder MR im Tumor positioniert werden. Um gute Langzeitergebnisse zu erzielen, muss nicht nur der Tumor, sondern auch ein Sicherheitssaum von ca. einem Zentimeter gesundem Lebergewebe zerstört werden.

„Das Prinzip der Radiofrequenzablation wird seit mehr als zehn Jahren in der Behandlung von Lebertumoren eingesetzt. Die ersten Berichte zeigten jedoch, dass bei inadäquater Technik mit einer unakzeptabel hohen Rate von Tumorrezidiven zu rechnen ist. Die Therapieergebnisse hängen wesentlich von der Verteilung und korrekten Positionierung der Nadeln im Zielvolumen ab. Um eine exakte Verteilung der Nadeln in Zielvolumen zu erreichen, ist eine Eingriffsplanung an einem 3D-Modell notwendig. Dadurch wird garantiert, dass das Ablationsvolumen mit dem Tumorvolumen korreliert. Für die korrekte Positionierung der Nadeln muss ein bildgebendes Verfahren eingesetzt werden, das die Positionierung mit einer Genauigkeit von wenigen Millimetern ermöglicht“, streicht Doz. Dr. Gerlig Widmann die wichtigen Funktionen der Bildgebung bei der Radiofrequenzablation hervor. Widmann ist Spezialist für interventionelle Radiologie und Stereotaxie am Innsbrucker SIP Labor.

Erste retrospektive Auswertungen von Patienten mit Lebermetastasen, die mit der mikroinvasiven RFA behandelt wurden, zeigen mit der Chirurgie vergleichbare 5-Jahresüberlebensraten bei jedoch zwei- bis dreifach geringerer Morbidität und Mortalität.

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