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Chirurgie 27. Jänner 2012

Britischer Soldat erhält Hi-Tech-Prothesen aus Wien

Mit Jahresbeginn wurde an der MedUni Wien das Christian Doppler-Labor zur Wiederherstellung von Extremitätenfunktionen in Betrieb genommen. Diese Woche wurde ein britischer Soldat, der im Afghanistan-Einsatz seinen rechten Arm verloren hatte, in einer sechsstündigen Operation für eine bionische Armprothese vorbereitet.

 

Bionische Rekonstruktion


Die Kontaktaufnahme des britischen Verteidigungsministeriums mit den Wiener Wissenschaftern unterstreicht die weltweite Beachtung, die die MedUni Wien und das AKH Wien als Zentrum für die Wiederherstellung von Extremitätenfunktionen genießen. Chirurgen können heute durch bionische Rekonstruktion die Anatomie von Patienten so verändern, dass mechatronische Vorrichtungen die verlorene Funktion der Gliedmaßen optimal ersetzen können.


Am 24. Jänner 2012 wurde der britische Corporal Andy Garthwaite in einer mehrstündigen Operation am AKH Wien für eine bionische Armprothese vorbereitet. Der 24-Jährige war vor 18 Monaten im Afghanistan-Einsatz von einer Bodenrakete schwer verletzt worden und hatte seinen rechten Arm verloren.

Den verlorenen Arm "wiederfinden"


"Die Herausforderung war, dass wir alle Nerven am Stumpf herauslösen und an funktionstüchtige, neuromuskuläre Einheiten des Rumpfes anschließen mussten. Damit schufen wir die Möglichkeit, dass der Patient seinen Arm neurobiologisch am Rumpf wiederfindet", erklärt Laborleiter Oskar Aszmann. Auch Hautnerven aus dem Halsnervengeflecht wurden so verlagert, dass der Patient seine Hand bald im Bereich der Schulter spürt.

Historische Grenzverschiebung


Der bisher Aufsehen erregendste Fall war jener von Patrick Mayrhofer, der im Juli 2010 an der Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie am AKH Wien seine eigene funktionslose Hand durch eine bionische Hand ersetzt bekommen hat. Aszmann: "Das markiert eine historische Grenzverschiebung, welche erstmals die Möglichkeiten der bionischen Extremitätenfunktion klar vor Augen geführt hat."


Patricks Geschichte wurde zum Medienereignis, von Interviewterminen mit dem britischen Nachrichtensender BBC bis hin zu Auftritten im österreichischen und deutschen Fernsehen - und wurde auch am Weltkongress der Gesellschaft für Rekonstruktive Mikrochirurgie in Helsinki im Juli 2011 sehr positiv aufgenommen.

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