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Chirurgie 25. Jänner 2012

Diskussion um einheitliche Operationsvorbereitung

Welche Untersuchungen sind bei welchen Patienten als Operationsvorbereitung notwendig? An dieser Frage schieden sich bisher viele medizinische Geister. Via ÖGARI (Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin) wurde eine einheitliche Empfehlung entworfen und als Bundesleitlinie installiert. Heftig Kritik gab es daraufhin von der Ärztekammer.

Bei einer Pressekonferenz verteidigte jetzt die ÖGARI das Papier. Es sei erstmals ein einheitlicher Standard geschaffen worden. Gerhart Fritsch, einer der Autoren der Leitlinie, die im Bundesland Salzburg bereits seit 2008 angewendet wird: "Das wurde bereits bei 50.000 Patienten verwendet. (...) 80 Prozent der Patienten, die kurz vor einer geplanten Operationen stehen, sind nicht schwer krank und zwischen 40 und 65 Jahren alt."

Beim Großteil dieser Eingriffe könne man auf das herkömmliche Routine-Lungenröntgen und die "Labor-Latte" verzichten. Bei 800.000 solcher Patienten in Österreich pro Jahr ließen sich mit einem adäquaten und restriktiveren Vorgehen laut der neuen Leitlinie zwischen zehn und 35 Millionen Euro für nicht notwendig Untersuchungen einsparen. Fritsch über eine weitere Konsequenz des Programms in Salzburg: "Wir haben die Doppeluntersuchungen von rund 40 auf 25 Prozent herunter gebracht."

In Endeffekt ist die Situation zu einem Gutteil das Ergebnis der immer stärker werden Sparbemühungen der Krankenhäuser, welche die OP-Freigaben in den vergangenen Jahren zunehmend in den niedergelassenen Bereich verlagert haben. Auf der anderen Seite aber gab es offenbar sowohl in Krankenhäusern als auch außerhalb einen gewissen Wildwuchs bei der "präoperativen Diagnostik".

"Es fehlten Transparenz und Standards", meint Sybille Kozek-Langenecker, Präsidentin der ÖGARI. In einem systematischen Literaturstudium habe man das vorhandene wissenschaftliche Wissen analysiert und als Basis für die Leitlinie genommen (Evidence Based Medicine - EBM). Vor allem Routine-Lungenröntgen und die Labortests fielen dabei als in vielen Fällen unnötig auf. Man wiege sich in falscher Sicherheit, wenn man ständig alles von den derzeit vorhandenen Untersuchungsmethoden verwende, betonte Co-Autor Andreas Sönnichsen von der privaten MedUni Salzburg. "Man kann auch schaden." Das Argument, wonach man beispielsweise mit dem Prä-OP-Lungenröntgen eventuell durch Zufallsbefund auch ein Lungenkarzinom früh erkennen könnte, lässt Sönnichsen nicht gelten. Gerade dafür gebe es keine wissenschaftlichen Beweise. Man dürfe Vorsorgemedizin nicht mit Operationsvorbereitung verwechseln.

Der Sprecher der österreichischen Patientenanwälte, Gerald Bachinger, zu Befürchtungen der Ärztekammer, dass EBM für die Krankenkassen vor allem Einsparen bedeute: "Ich sehe weder beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger noch bei den Krankenkassen diese Tendenz."

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