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Korrekte Händehygiene spielt in der postoperativen Behandlung eine ebenso wichtige Rolle wie der lege artis Verbandwechsel.
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Prof. Dr. Stefan Kriwanek
Vorstand der Abteilung für Chirurgie im Donauspital Wien

 
Chirurgie 9. November 2011

Infektionsvermeidung in der Chirurgie

„Clipping“ anstelle von Haarentfernung – und was sonst hilft, das Infektionsrisiko im Spital zu reduzieren.

In Deutschland erkranken nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums jährlich bis zu 600.000 Patienten an Krankenhausinfektionen und schätzungsweise bis zu 15.000 sterben daran. Seit jeher sind Infektionen eine der größten Bedrohungen in der Chirurgie. Man spricht in diesen Fällen auch von „surgical site infections“.

 

Betroffen sind bis zu fünf Prozent aller operierten Patienten bei einer Mortalität von drei Prozent. Das entspricht einem 2-11 Mal höheren Risiko im Vergleich zum Normalverlauf. Für den Spitalsaufenthalt bedeutet das, dass er sich um 7-10 Tage verlängert.

Im Rahmen der österreichischen Initiative zur Infektionserfassung im HELICS-Netzwerk (ein internationales Netzwerk zur Erfassung nosokomialer Infektionen) wurde die Inzidenzdichte an Infektionen pro 1.000 Aufenthaltstage analysiert. Erfasst wurden dabei Operationen am Dickdarm, Gallenblasenentfernungen, Hüftprothetik, Eingriffe an der Wirbelsäule (Laminektomie), Herzkranzgefäßoperationen und Kaiserschnitte. Mit Abstand am häufigsten traten in diesem Monitoring Infektionen bei Eingriffen am Dickdarm auf.

Risken, die zu Infektionen führen können

Wir kennen verschiedene Risikofaktoren für Infektionen. Auf Patientseite sind dies zusätzliche Erkrankungen, bereits vorhandene Infektionen und Adipositas. Seitens des Eingriffs spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • lange Dauer der Operation,
  • Art der Operation,
  • nicht sachgerechte Haarentfernung und Hautdesinfektion vor dem Eingriff,
  • nicht sachgerechte perioperative Antibiotikagabe,
  • Abweichen von der normalen Körpertemperatur (Abkühlung)
  • sowie unzureichende Oxygenierung (Sauerstoffversorgung).

Auch die postoperative Therapie übt einen Einfluss aus: Anlage einer Drainage, mangelhafte Händehygiene, nicht korrekt erfolgter Verbandwechsel sowie die Art der postoperativen Ernährung.

Das Sicherheitsziel der „American Joint Comission“ – Goal 7 ist es, eine Reduktion der Infektionen, die mit medizinischer Betreuung einhergehen, zu erreichen. Dabei wurden evidenz-basierte Maßnahmen definiert, um die „surgical site infections“ – also „chirurgische“ Infektionen – zu reduzieren.

Infektionsvermeidung in der Chirurgie

Analog zur Risikobeurteilung unterteilt man wieder in die Bereiche Patienten, Eingriff und postoperative Therapie. Vor allem der Blutzucker sollte vor einem Eingriff gut eingestellt werden (HbA1C>7). Im Rahmen der Operation vermeidet man heute die Haarentfernung zugunsten eines „Clippings“, die korrekte Händedesinfektion ist essentiell, geeignete Antibiotika müssen zeitgerecht (nicht zu spät, aber auch nicht zu früh) verabreicht werden, man vermeidet die Abkühlung der Patienten und wählt eine möglichst atraumatische Operationstechnik.

In der postoperativen Therapie spielt die korrekte Händehygiene eine bedeutende Rolle, ebenso wie der lege artis Verbandwechsel und eine möglichst frühzeitige enterale Ernährung.

Mit diesem Konzept gelingt es, die chirurgischen Infektionen auf einem möglichst niedrigen Niveau zu halten.

 

Quelle: Pressekonferenz „Antibiotikatag 2011“, 20. Oktober 2011

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