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Doz. Dr. Andreas Shamiyeh, Chirurg am AKH Linz, mit sogenannten Ports, die für das narbenfreie Operieren durch den Nabel verwendet werden.
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Dr. Walter Brunner Klinikum Rorschach/St. Gallen, Schweiz

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Doz. Dr. Helmut Weiss Vorstand der Abteilung für Chirurgie, Krankenhaus der barmherzigen Brüder, Salzburg

 
Chirurgie 11. Oktober 2011

Auf dem Weg von der Trend-OP zum sicheren Eingriff

Studien aus Deutschland und Österreich zeigen: SIL (Single Incision Laparoscopy) kann auch für komplexe Eingriffe am Darm eingesetzt werden.

Bei Darmoperationen war lange nach der Entwicklung der Knopflochchirurgie Zurückhaltung angesagt. Neue Untersuchungen bescheinigen der Single-Port-Kolonchirurgie in diesem Bereich großes Potenzial für die Zukunft.

 

„Jede neue Technik ist genauestens zu evaluieren und darf für den Patienten kein erhöhtes Risiko darstellen“, bringt es Doz. Dr. Andreas Shamiyeh, Chirurg am AKH Linz, Vorreiter narbenfreier Operationen in Oberösterreich und Gastgeber des 3. ASIS-Symposiums in Linz, auf den Punkt. Erst in den letzten Jahren fand die laparoskopische Zugangstechnik auch bei Darmoperationen zunehmend Verbreitung – nachdem zahlreiche Studien ein vergleichbar gutes Ergebnis offener und minimalinvasiver Operationsverfahren belegten.

Nicht nur bei Sigmadivertikeln

Österreich kann sich durchaus als Pionier in Europa bezeichnen. Nirgendwo wurden bis dato – in Relation zur Gesamtbevölkerung – so viele narbenfreie Eingriffe durch den Nabel durchgeführt wie hierzulande. Vor allem dürfte sich die SIL-Zugangstechnik (Single Incision Laparoscopy) laut ersten Studien nicht nur bei Sigmadivertikeln, sondern auch bei durchaus heiklen Eingriffen wie Resektionen aufgrund von Kolon- bzw. Rektumkarzinomen bewähren.

„Abgesehen vom kosmetischen Vorteil und dem geringstmöglichen Operationstrauma bringt die narbenfreie SIL-Technik in unserer Drei-Jahres-Untersuchung auch bei Kolonresektionen1 ein gleichwertig gutes chirurgisches Ergebnis wie die klassische Schlüsselloch-Chirurgie“, berichtet der Salzburger Chirurg Dr. Walter Brunner. „Auch die ursprünglichen Bedenken hinsichtlich vermehrter Komplikationen wie etwa Nabelhernien haben sich bis dato nicht bestätigt.“ Er und Doz. Dr. Helmut Weiss, Primar am Salzburger Krankenhaus der barmherzigen Brüder, zählen mit insgesamt über 1.100 SIL-Eingriffen zu den Vorreitern dieser Technik in Europa.

„Zum sehr guten kosmetischen Effekt kommen gute funktionelle Ergebnisse. Momentan stellt die Single-Port-Kolonresektion die Operationsmethode mit der geringsten Invasivität dar“, bestätigt auch der deutsche SIL-Spezialist Dr. Boris Vestweber aus Leverkusen, der auf seine Patienten-Studie aus dem gesamten Spektrum der Kolonchirurgie2 verweist. Vestweber: „Selbst komplexe Eingriffe wie die Proktokolektomie mit Ileum-J-Pouch-Rekonstruktion, etwa bei Colitis ulcerosa, sind mit dieser Technik möglich.“

Vergleich mit der Standard-Laparoskopie

Die bisherigen, noch limitierten Ergebnisse zeigen vergleichbare chirurgische Resultate mit den zahlreichen publizierten Daten zu standardlaparoskopischen Kolonoperationen. Auch die Rate an Hernien im Umbilikalbereich ist bei adäquater Verschlusstechnik nach über einem halben Jahr Nachuntersuchungszeit mit weniger als zwei Prozent sehr akzeptabel und scheint anders lautende Befürchtungen zumindest bis jetzt nicht zu bestätigen.

SIL dürfte sich damit vom Modetrend bei Appendix- und Gallenblasenresektionen zum ergebnissicheren Zugangsweg bei großen Bauchoperationen mausern. Dennoch ist weiteres, sorgfältiges Screening angesagt, denn Langzeitstudien stehen bei der jungen Methode natürlich noch aus. ASIS/PH

1 Studie an insgesamt 130 Patienten; mittlere Operationszeit: 140 Minuten, ein Patient wurde zur offenen Operation konvertiert, bei acht Patienten wurden zusätzliche Trokare eingesetzt; leichte Wundinfektionen traten bei fünf Patienten, Nabelbrüche bei zwei Patienten auf. (Beobachtungszeitraum September 2008 bis Dezember 2010)

 

2 Studie an insgesamt 200 Patienten; mittlere Operationszeit 149 Minuten; sechs Patienten wurden zur offenen Operation konvertiert; leichte Wundheilungsstörungen traten bei sechs Patienten, Nabelbrüche bei zwei Patienten auf. (Beobachtungszeitraum Juli 2009 bis Dezember 2010)

 

Quelle: 3. Austrian Single Incision Symposium (ASIS), 29. bis 30. September 2011, AKH Linz

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