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Die Dupuytren‘sche Erkrankung kann zu funktionellen Einschränkungen im Alltag führen.
 
Chirurgie 30. September 2011

Spritze statt Skalpell

Eine alternative, nicht chirurgische Therapie bei der Dupuytren’sche Erkrankung.

Bei der so genannten Dupuytrenschen Kontraktur handelt es sich um eine Erkrankung des Bindegewebes der Hand. Bei etwa einem Viertel der Betroffenen kommt es zu funktionellen Einschränkungen. Eine neue Therapieoption, die lokale Injektion mikrobieller Kollagenase von Clostridium histolyticum direkt in den

Dupuytren’schen Strang, wurde im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt.

 

Bei der Dupuytren’schen Kontraktur handelt es sich um eine langsam fortschreitende, systemische Erkrankung, welche das Bindegewebe an der Handinnenfläche (Palmaraponeurose) und der Finger betrifft.Die Erkrankung beginnt meist mit der Entwicklung von Knoten aus Kollagenfaserzellen an der Handinnenfläche. Diese Knoten entwickeln sich mit fortschreitender Krankheit zu einem seilartigen Strang unter der Haut, der zunehmend das Strecken des betroffenen Fingers behindert – es kommt zur Dupuytren’sche Kontraktur.

Die Prävalenz der Dupuytren’schen Erkrankung variiert geographisch, in europäischen Ländern schwankt sie zwischen zwei und fünf Prozent, abhängig vom Alter der untersuchten Bevölkerungsgruppe und der verwendeten Methodologie. So nimmt sie mit dem Alter zu und betrifft häufiger Männer. In speziellen Patientengruppen kann die Prävalenz auch höher sein. So liegt sie beispielsweise bei 20 Prozent bei Diabetikern. Die genaue Zahl der Betroffenen in Österreich ist unbekannt, Schätzungen gehen von zirka 200.000 Betroffenen aus. Bei etwa einem Viertel dieser Patienten kommt es zur Ausbildung eines tastbaren Stranges sowie zu funktionellen Einschränkungen, die in der Folge eine Behandlung erforderlich machen können.

Verkrümmungen beeinträchtigen Bewegungsfähigkeit der Hand

„Eine Dupuytren’sche Kontraktur kann die Lebensqualität eines Patienten erheblich beeinträchtigen, da der betroffene Finger häufig eine Behinderung bei Alltagsaktivitäten wie Besteck halten, Gesichtwaschen oder Händeschütteln mit sich bringt. Zur Behandlung dieser Erkrankung stehen sowohl chirurgische (Fasziotomie, Fasziektomie) als auch nicht chirurgische Verfahren (Perkutane Nadelfasziotomie, Strahlentherapie und Injektion mit Steroiden) zur Verfügung. „Eine neue alternative, nichtchirurgische Therapie ist die Injektion mit Kollagenase“, sagte Dr. Martin Leixnering, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Handchirurgie, im Rahmen der Pressekonferenz.

Ambulante Injektion als neue Therapieoption

Die Kollagenase von Clostridium histolyticum wurde als gezielte Therapie zur Behandlung von Patienten mit Dupuytren’schen Kontrakturen mit tastbaren Strängen entwickelt.

Die Behandlung besteht aus einer Injektion in den Dupuytren’schen Strang und einer passiven Streckung des Fingers am Folgetag. Die Behandlung erfolgt ohne Hautschnitt. Falls der Finger vier Wochen nach der Behandlung noch immer nicht gestreckt werden kann, ist unter Umständen eine weitere Behandlung notwendig. Es können in Abständen von vier Wochen bis zu drei Injektionen am selben Strang erfolgen.

Die Injektion mit Kollagenase wurde in Österreich bereits bei mehr als 100 Patienten angewendet. Wesentliche Vorteile im Vergleich zu einer Operation sind eine geringere Infektionsgefahr, eine geringere Gefahr von Gefäß- und Nervenverletzungen und kürzere Rehabilitationszeiten. „Die Behandlung soll jedoch durch Ärzte, welche Erfahrung in Diagnose und Behandlung der Dupyutren‘schen Krankheit sowie ein absolviertes Produkttraining haben, erfolgen“, so Leixnering.

 

Quelle: Pressekonferenz „Morbus Dupuytren – Spritze statt Skalpell“, 20. September 2011, Wien

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