zur Navigation zum Inhalt
Foto: beigestellt
Minichirurgie über kleinste Schnittchen in lokaler Betäubung.

Varady Häkchen mit Dissektor.

 

Foto: Privat

V.l.n.r.: Dr. Ted King (Chicago), Dr. Franz Xaver Breu (Tegernsee), Prof. Dr. Zoltan Varady (Frankfurt) und Dr. Alexander Flor (Wien).

 

Foto: Privat

Dr. Alexander Flor Facharzt für Chirurgie und Venenleiden, SMZ Floridsdorf

 
Chirurgie 12. September 2011

Zeitgemäße Varizenchirurgie

Endovaskuläre Methoden erweisen sich laut einer Metaanalyse langfristig als mindestens ebenso effektiv wie das klassische Strippingverfahren.

Der 25. Internationale Frankfurter Workshop für Phlebologie 2011 zeigte, welche Fortschritte in der Diagnostik und Therapie von Venenleiden – insbesondere bei der Durchführung einer individuell angepassten Kombinationstherapie – erreicht wurden.

 

Zum 25. Internationalen Frankfurter Workshop für Phlebologie 2011 trafen sich heuer im März wieder Phlebologen aus vielen Ländern, um über Fortschritte auf dem Gebiet der Phlebologie und Lymphologie zu diskutieren. Im familiären Rahmen wurden phlebologische und lymphologische Themen diskutiert, die Industrie war zahlreich vertreten. Der Jubiläumskongress zeigte, wie sehr man heute aufgrund der Fortschritte in der Diagnostik und Therapie von Venenleiden, insbesondere bei der Durchführung einer individuell angepassten Kombinationstherapie, gute funktionelle und kosmetische Ergebnisse erreichen kann.

Hochkarätiges Jubiläum

Prof. Dr. Zoltan Varady, Gefäßchirurg aus Frankfurt, lehrt seit über 30 Jahren weltweit seine Technik der minimalinvasiven Varizenchirurgie. Varady ist unter Phlebologen weltweit kein Unbekannter. Seine Technik der Varizenbehandlung und das nach ihm benannte Instrument (Abbildung) zur minimalinvasiven Varizenexhairese werden seit 30 Jahren weltweit propagiert und sind seit über 15 Jahren auch in Österreich in Anwendung. Seit 25 Jahren veranstaltet Prof. Varady jeweils im Frühjahr einen unter Phlebologen inzwischen legendären Kongress in Frankfurt. Berühmt ist seine große Glocke, mit der er einem Redner zu signalisieren pflegt, dass dieser die Redezeit bereits überschritten hat. Namhafte Phlebologen wie Hach, Brunner und Feuerstein waren jedes Jahr in Frankfurt anzutreffen. Heuer jährte sich der Kongress zum 25. Jubiläum, und es gelang Prof. Dr. Varady und seinem Kollegen Prof. Dr. Böhm, auch dieses Jahr wieder namhafte Phlebologen aus der ganzen Welt in Frankfurt zusammenzubringen.

Miniphlebektomie

Ziel der Miniphlebektomie ist es, durch Entfernung variköser Seitenäste über kleine Schnittinzisionen in Lokalanästhesie mittels der Häkchenmethode den die insuffiziente Stammvene speisenden venösen Pool zu verringern. Eine zuvor insuffiziente Stammvene kann sich so erholen und in der Kontrolle einen suffizienten Klappenschluss aufweisen. Das Verfahren wird seit den Siebzigerjahren von Varady weltweit propagiert. Paul Pittaluga aus Nizza liefert mit seiner identen ASVAL Methode (Selective Ablation of Varicose Veins under Local Anaesthesia) die nötige Datenlage. Die Stammvenen werden erhalten und stehen später für Gefäßrekonstruktionen zur Verfügung. Der Eingriff erfordert wenige Instrumente, ist günstig, jedoch weniger radikal. Die Patienten müssen aber regelmäßig kontrolliert werden, nötigenfalls wird der Eingriff nach geraumer Zeit wiederholt.

Die Miniphlebektomie eignet sich auch hervorragend zur Behandlung von retikulären Varizen und Besenreisern. Bei Zweiteren werden zuvor die feinen zuführenden Nährvenen mittels einem Auflicht (VEINLITE) markiert und dann mittels eines feinen Häkchens über kaum sichtbare Schnittchen entfernt.

Schaumsklerosierung

Dr. Franz Xaver Breu vom Tegernsee, Veranstalter der Tegernseer Sklerotherapie-Gespräche und Mitautor der Leitlinien zur Schaumsklerosierung (Internationale Expertenkonferenz zur Schaumsklerosierung 2003) referierte über die Schaumverödung variköser Venen, ein heute – bei richtiger Anwendung – sicheres Verfahren. Dabei wird Polidocanol (Äthoxysklerol) mit Raumluft oder CO2 in einem Verhältnis 1:4 mittels der Dreiwegehahntechnik nach Tessari aufgeschäumt. Der Schaum kann ultraschallgezielt in insuffiziente Stammvenen wie die Vena saphena magna/parva oder Seitenäste eingebracht werden. Über eine Endothelschädigung kommt es zu einem Verschluss und in weiterer Folge zu einem Abbauprozess der verödeten Venenanteile. Das Verfahren ist günstig und einfach. Vor allem in Entwicklungsländern kann dieses Verfahren helfen, die „Sourcing-Quellen“ des Ulcus cruris auszuschalten und so die Rate von Unterschenkelgeschwüren venöser Ursache zu minimieren.

Erwähnt werden müssen aber auch die Nachteile der Methode: Für einen dauerhaften Verschluss einer insuffizienten Vena saphena magna muss die Schaumverödung oft mehrere Male wiederholt werden, es können erhebliche Schmerzen auftreten, und in bis zu 45 Prozent der Fälle kann es zu wochenlangen unangenehmen Verhärtungen und Braunverfärbungen kommen, insbesondere in der Behandlung epifaszialer Seitenäste. Schwere Komplikationen sind selten, das Verfahren ist als sicher einzustufen.

Von Vorteil ist die Schaumverödung in der Behandlung der Rezidivvarikositas, bei Residualvenen nach vorhergehender Operation, bei älteren Patienten oder solchen, die eine Operation ablehnen.

Endolasertherapie zur Therapie der Stammvarikositas

2004 veröffentlichte Robert Min von der Cornell University New York erste Dreijahresergebnisse der Behandlung von 499 Vena saphena magnas mittels Endolaser mit einer initialen Okklusionsrate von 98,2 Prozent. Bei diesem Verfahren wird eine Laserfaser ultraschallgezielt in Seldingertechnik in die zu okkludierende Vene eingeführt. Danach erfolgt ultraschallgezielt das Einbringen einer Tumeszenzlösung, optimalerweise in die die Vene umgebende Faszienlücke. Danach erfolgt das langsame Zurückziehen der Laserfaser, wobei impulsartig oder kontinuierlich Laserenergie abgegeben wird.

Früher verwendete Wellenlängen von 810-980 nm brachten vor allem das Hämoglobin zum Verdampfen, die Dampfblasen erzielten Verbrennungsnekrosen am Endothel, und es kam in weiterer Folge zu einem Gefäßverschluss. Moderne Lasersysteme von 1.340-1.470 nm schrumpfen das Kollagen der Venenwand stärker.

Pain-Less-Laser

Ein weiterer Fortschritt war 2008 die Einführung der an der Technischen Universität München entwickelten Radialfaser. Laserenergie kann nun schonend 360 Grad an die Venenwand abgegeben werden und es kommt zu einer deutlichen Reduktion der Schmerzsensation nach Lasereingriffen (Pain-Less-Laser). In der Ultraschallkontrolle zeigt sich einige Monate nach dem Eingriff die Vene resorbiert, das Bild ähnelt einem Zustand wie nach Venenstripping.

Die Vorteile des Verfahrens sind nach Aussagen von Prof. Dr. Ted King aus Chicago (Vein Centers of America) der minimalinvasive Zugang über eine kleine Punktionsstelle. In den meisten Fällen gelingt es problemlos, die Lasersonde mit Hilfe des an der Sondenspitze austretenden Positionslichtes sowie mit Hilfe des Ultraschalls bis in die Crossae vorzuschieben. Sollte dies einmal nicht gelingen, so King, kann der nächste Venenabschnitt rasch neuerlich punktiert werden. Insgesamt sind die Operationszeiten gegenüber dem Strippingverfahren reduziert, es können in den meisten Fällen beide Extremitäten gleichzeitig behandelt werden.

In vielen Zentren wird der Eingriff mit einer Miniphlebektomie der Seitenäste kombiniert, in manchen – vor allem in US Zentren – wird vorerst nur der Endolasereingriff durchgeführt, und erst danach erfolgt im Intervall eine Behandlung der residualen varikösen Seitenäste, sei es mittels Miniphlebektomie oder mittels Schaumverödung.

Weitere Vorteile des Laserverfahrens sind, dass diese im ambulanten Setting in Lokal/Tumeszenzanästhesie durchgeführt werden kann und dass es durch einen einzelnen Eingriff zu einem meist dauerhaften Verschluss der behandelten Venenabschnitte kommt. Insbesondere ältere oder adipöse Patienten profitieren von dem Verfahren und eine Anwendung unter Marcoumar® ist möglich.

Individuell angepasste Therapie

Dr. Thomas Noppeney, Facharzt für Allgemeine Chirurgie, Nürnberg und Herausgeber des Buches Varikose: Diagnostik, Therapie, Begutachtung, plädierte für eine individuell angepasste Varizentherapie, die verschiedene Therapieformen kombiniert. Je nach Ausdehnung der Erkrankung, ob eher die Stammvenen oder Seitenäste oder Perforansvenen betroffen sind, können endovaskuläre Methoden wie Endolaser, Radiowellentherapie, Schaumverödung oder die in letzter Zeit propagierte Wasserdampfbehandlung sinnvoll zum Wohl des Patienten eingesetzt werden. Chirurgische Maßnahmen sollten aber als Therapieoption weiterhin angeboten werden. Die Grundlage für eine richtige Entscheidungsfindung bietet hier eine genaue Farbultraschalluntersuchung. Damit können in kurzer Zeit alle Stammvenen schmerzlos untersucht werden, besondere Verläufe und insuffiziente Perforansvenen präoperativ markiert werden (Mapping) und der interventionell tätige Phlebologe kann ultraschallgezielt auch kleinste Gefäße punktieren, um dort gezielt einen Schaum oder eine Laserfaser einzubringen.

Frankfurt 2012

Der nächste Kongress findet am 16. und 17. März 2012 in Frankfurt statt (www.venenklinik-Frankfurt.de)

Von A.Flor , Ärzte Woche 36 /2011

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben