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Foto: Privat
Doz. Dr. Andreas Shamiyeh Leiter des interdisziplinären Venenzentrums, AKH-Linz
Fotos (2): Flor

Vorher-nachher-Vergleich bei Laseranwendung zur Varizenentfernung.

 
Chirurgie 5. Juli 2011

Krampfadern (fast) narbenfrei beseitigen

Die endoluminale Varizenbehandlung ist eine seriöse Alternative zum klassischen Venenstripping.

Jede zweite Frau und jeder vierte Mann ab 50 leiden unter Krampfadern. In der Varizentherapie dürften nun minimal-invasive Verfahren den Sprung vom Modetrend zur ernstzunehmenden Alternative geschafft haben. Laut beim Österreichischen Chirurgenkongress präsentierten Studien erweisen sich das Lasergerät der neuesten Generation sowie die Radiofrequenzmethode („Closure Fast“) nicht nur als besonders sichere und patientenschonende, sondern auch als optisch erstrebenswerte Behandlung.

 

Einer im Journal of Vascular Surgery/2010 publizierten Studie mit 312 PatientInnen zufolge ist die Anwendung des 1.470 nm Dioden-Lasers nicht nur sehr sicher und hocheffizient, sondern hat – im Vergleich zu Lasern mit niedrigeren Wellenlängen – signifikant weniger Risiken und Nebenwirkungen wie versehentliche Venenperforationen und Hautblutungen/Blutergüsse. Bei dem klinisch erprobten und standardisierten Verfahren wird die Lasersonde über eine kleine Punktionsstelle direkt in die zu therapierende Vene eingeführt und die Krampfader photothermisch verschlossen, was den Blutstau beseitigt.

Die Anwendung erfolgt unter lokaler Betäubung, ist schmerzfrei und ambulant möglich. Die Lasertherapie erfordert hohes Geschick und sollte daher nur von einem darin geübten, versierten Venenspezialisten durchgeführt werden.

Die spezifische Laserwellenlänge von 1.470 nm und die weltweit erste radial (360° rundum) gleichmäßig abstrahlende Laserfaser bilden die Grundlage für exzellente klinische und kosmetische Ergebnisse.

In seiner Auswertung verschiedener Meta-Studien kommt auch der Hauptverband der Sozialversicherungsträger im letzten EBM-Bericht zum Schluss: Endoluminale Varizenbehandlung (EVLT-Anwendung) und Venen-Stripping zeigen kurz- und langfristig keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Venenverschluss und Linderung der venösen Symptomatik und sind gleichwertige Therapiemaßnahmen. In punkto rasche Erholung, Schmerzfreiheit und geringe postoperative Komplikationen ist der Laser der klassischen Varizenoperation überlegen.

Weniger Risiken, bessere Optik

Der Venenspezialist und Leiter des Venenzentrums Wien-Währing, Prof. Dr. Alexander Flor, hat den 1.470 nm-Dioden-Laser seit zweieinhalb Jahren im Einsatz. Er erklärt, warum das so ist: „Im Gegensatz zu anderen Lasern, die nur nach vorne abstrahlen, gibt dieser die Energie gleichmäßig in alle Richtungen ab. Das Gerät ist technisch so ausgeklügelt, dass wir damit jetzt auch die Seitenvenenäste wesentlich leichter erreichen. Damit eignet sich der neue Laser für eine größere Patientengruppe.“

Auch das optische Ergebnis ist ein noch besseres als bisher. Flor: „Es bedarf keiner Naht mehr, da die winzige Wundöffnung verklebt wird. Somit bleiben auch keine Narben mehr zurück und das Bein ist bald wieder gesellschaftsfähig.“

Closure Fast

Ebenfalls präsentiert wurde am Chirurgenkongress das Ergebnis einer Vergleichsstudie von Laseranwendung und Radiofrequenzmethode („Closure Fast“).

Die Methode: Nach der Punktion der betroffenen Vene wird eine Sonde eingeführt. Danach wird die Sonde unter Ultraschallkontrolle genau an der gewünschten Position eingerichtet. Dabei spürt der Behandelte nur den zarten Einstich, nicht aber das Einführen der Sonde. Anschließend erfolgt eine schonende lokale Betäubung. Innerhalb weniger Minuten kann die gesamte Stammvene sicher, schonend und schmerzfrei behandelt werden. Dabei wird das behandelte Gefäß gezielt durch kontrolliert abgegebene Energie verklebt und dauerhaft verschlossen. Das umliegende Gewebe wird nicht geschädigt.

Laser oder Closure Fast?

„Im direkten Vergleich zeigt es sich, dass beide Varizentherapien nicht nur sehr sicher sind, sondern auch eine sehr geringe Rückfallquote haben“, berichtet Doz. Dr. Andreas Shamiyeh, Leiter des interdisziplinären Venenzentrums am AKH-Linz. Hinsichtlich Schmerzempfinden in den ersten postoperativen Tagen schnitt das „Closure-Fast“-Verfahren etwas besser ab. Allerdings wurde in der Studie nicht mit dem 1.470 nm-Dioden-Laser, sondern mit einem ausschließlich nach vorne abstrahlenden 980 nm-Modell gearbeitet. Shamiyeh: „Höhere Wellenlänge und Radialsonde wie beim 1.470 nm-Dioden-Laser reduzieren allerdings die Morbidität.“

In punkto Optik liefert das „Closure-Fast“-Verfahren ebenso gute Ergebnisse wie die Lasertherapie. Beide Methoden sind in zumeist nur einer ambulanten Sitzung zu bewerkstelligen. Der Patient kann bereits am nächsten Tag seinen gewohnten Alltagsaktivitäten nachgehen. Ein Kompressionsstrumpf muss nur für wenige Tage getragen werden (beim Venenstripping: bis zu sechs Wochen).

Sicherheit und Effizienz des „Closure-Fast“-Verfahrens wurden auch in einer jüngst publizierten, europäischen Drei-Jahres-Studie an 256 Patientinnen und Patienten bestätigt. Die Verschluss-Haltbarkeitsrate beträgt nach drei Jahren knapp 93 Prozent. Bei nur 3,7 bis 4,1 Prozent aller Fälle trat nach 24 bzw. 36 Monaten wieder ein Venenreflux auf.

Therapeutische Grenzen

Bei stark fortgeschrittenen Fällen von Krampfadern und bei einem Venendurchmesser von mehr als 16 mm ist zumeist die klassische Stripping-Operation nach wie vor das Mittel der Wahl. Sowohl der Laser-Einsatz als auch die „Closure-Fast“-Methode bedürfen eines in der Venen-Duplexsonografie erfahrenen Operateurs, die Laseranwendung überdies eines besonders versierten und sich stets weiterbildenden Spezialisten.

 

www.chirurgenkongress.at

consumed/IS , Ärzte Woche 27/28/2011

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