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Chirurgie 27. Juni 2011

Trendverschiebung bei Schädel-Hirn-Traumen

Radfahren ist gesund, umweltfreundlich – und mitunter lebensgefährlich.

Fahrradunfälle mit schweren Folgen wie dem Schädelhirntrauma stellen für Unfallchirurgen eine vor allem saisonal zunehmende Herausforderung dar. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Fahrradunfälle mit schweren Verletzungen mehr als verdoppelt.

 

„Dank einer funktionierenden Rettungskette überleben heute nach einem schweren Unfall Menschen, die vor 15 bis 20 Jahren sofort oder nach kurzer Zeit an den Folgen der Verletzungen gestorben wären“, erklärt Dr. Karin Gstaltner vom Rehabilitationszentrum Weißer Hof in Klosterneuburg. Wegen Folgeschäden brauchen diese Patienten allerdings den langwierigen Prozess einer Rehabilitation und oftmals auch eine lebenslange Betreuung. Die Reintegration in das familiäre und berufliche Leben stellt sowohl für die Patienten als auch deren soziales Umfeld eine große Herausforderung dar.

Vom Vierrad zum Zweirad

Dank vieler Errungenschaften innerhalb der Autoindustrie bei den Sicherheitspaketen wie Airbag, Knautschzone etc. hat sich die Häufigkeit von Polytraumen mit Schädelhirntrauma weg von der Straße in Richtung Freizeitverletzungen verschoben. Zugenommen haben hier vor allem die Unfälle beim Sport bei Zwanzig- bis Fünzigjährigen. Steigende Lebenserwartung und das Bedürfnis nach höherer Lebensqualität, verbunden mit einem starken Bewegungsdrang, führen bei Unfällen von Straßenradfahrern und Mountainbikern vor allem zu Verletzungen im Kopfbereich. Die Palette der Verletzungen des Gehirns reicht von leichten Gehirnprellungen bis zu schwersten Läsionen wie Substanzverlust des Gehirns, begleitet von Lähmungen.

Radhelmpflicht für Kinder

Seit dem 1. Juni 2011 müssen Radfahrer bis zum 12. Lebensjahr einen Helm tragen. „In den 70-er Jahren wurde die Helmpflicht für Motorradfahrer unter einigem Widerstand eingeführt“, erinnert sich Prof. Dr. Richard Kdolsky. „Die Frisur werde ruininiert, der Helm sei viel zu teuer, so wurde argumentiert.“ Der Unfallchirurg begrüßt die Gesetzesnovelle und freut sich über jedes Kind, das bei einem Radunfall mit glimpflichen Verletzungen davonkommt.

Trotz Tragens von Helmen ist der unfreiwillige „Abgang“ über die Lenkstange mit einem Schädel-Hirn-Trauma die häufigste Unfallart beim Mountainbiken. Ein unübersichtliches Gelände, Selbstüberschätzung und abrupte Bremsmanöver zählen zu den häufigsten Unfallursachen. Zahlenmäßig liegt zwar die Unfallzahl beim Mountainbiken gegenüber den Straßenradfahren niedriger, doch die Unfallfolgen fallen bei den „Downhills“ meist schwerwiegender aus.

„Wir versorgen pro Jahr zwischen 120 und 130 Schädelhirntraumen, das bedeutet, dass wir jeden dritten Tag mit Verletzungen des Gehirns konfrontiert sind“, erzählt Prof. Dr. Karl Ungersböck vom Landeskrankenhaus St. Pölten.

Gefahren in Haus und Garten

Der Neurochirurg beschreibt zwei Hauptrisikogruppen: Die jüngeren Patienten, welche zumeist beim Freizeitsport verunglücken, und die älteren, die über Treppen stürzen oder – jetzt ganz aktuell – beim Kirschenpflücken abstürzen. Kommen hier noch andere Grunderkrankungen mit Medikamenteneinnahme wie z. B. Gerinnungshemmern dazu, sind Gehirnblutungen weitere Komplikationsfaktoren.

Teleradiologie

„Mit dem neu installierten Teleradiologienetz können rund um die Uhr radiologische Daten zur Befundung an Experten in den anderen Krankenhäusern in ganz Niederösterreich geschickt werden“, so Ungersböck. Komplett vernetzt sind die Krankenanstalten der AUVA – hier sind die Befunde österreichweit jederzeit abrufbar. Der elektronische Austausch von Bilddateien ist ein wichtiger und großer Schritt bei der Vernetzung von Patientendaten. 

52. Österreichischer Chirurgenkongress
23. bis 25. Juni 2011, Wien
http://www.chirurgenkongress.at

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