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Fotos (2): Turkof
 
 
Chirurgie 21. Juni 2011

Wohin mit zu viel Haut?

Die postbariatrische Chirurgie erlebt derzeit einen Aufschwung.

Nach einem raschen und starken Gewichtsverlust schafft es die gedehnte Haut zumeist nicht mehr, sich den neuen Volumenverhältnissen anzupassen.

 

Hautüberschüsse an Bauch, Gesäß und Brust, Oberarmen und -schenkeln können zu Entzündung neigen oder Bewegung und Optik beeinträchtigen. Die starke Zunahme an Adipositas-Operationen, welche relativ rasche Gewichtsreduktionen von 40 bis 60 kg ermöglichen, hat vermehrte Nachfrage nach postbariatrischen Operationen ausgelöst. Brust-, Oberarm- und Oberschenkelstraffungen, auch bei altersbedingtem Elastizitätsverlust eingesetzt, haben sich daher in den letzten acht Jahren mehr als verdoppelt. Dazu kommt eine Reihe neuer Techniken: „Herabhängende Haut an Oberschenkeln, Bauch und Gesäß kann heute bereits im Rahmen einer Operation, dem so genannten Bodylift, korrigiert werden“, weiß Dr. Thomas Hintringer, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. Voraussetzungen für einen Straffungseingriff sind ein stabiles Gewicht über sechs Monate, ein maximaler BMI von 35 sowie ein adäquat eingestellter Stoffwechsel. Über die Kostenübernahme entscheidet die Krankenkasse individuell. „Vor einem derartigen Eingriff muss mit dem Patienten offen über Erwartungshaltung und individuelle Machbarkeit gesprochen werden“, gibt Hintringer zu bedenken. Großräumige Straffungsoperationen bedeuten einen mehrstündigen Eingriff unter Vollnarkose und einen mindestens acht- bis zehntägigen Klinikaufenthalt. Bei etwaigen Zusatzerkrankungen gilt es, Für und Wider eines Eingriffs individuell abzuwiegen. „Im Vergleich zu anderen operativen Eingriffen bergen Operationen zur Körperstraffung ein durchaus erhöhtes Risiko für Nachblutungen und Wundheilungsstörungen“, erklärt Prof. Dr. Maria Deutinger, ästhetisch-plastische Chirurgin an der Wiener Rudolfstiftung. Aufgrund der vorangegangenen bariatrischen Operation kann es beim Straffungseingriff zu Resorptionsstörungen und zu Mangelernährung kommen. „Dies, aber auch Rauchen können das Risiko einer Wundheilungsstörung heben.“ Postbariatrische Operationen wie Brust-, Oberarm- , Oberschenkelstraffungen oder Bodylift sind anspruchsvolle, plastisch-chirurgische Eingriffe, die einen qualifizierten Facharzt mit viel Erfahrung und ästhetischem Einfühlungsvermögen benötigen. „Um ein optisch wirklich gutes Ergebnis zu erzielen, muss bei Oberarmen in den meisten Fällen auch das abgesunkene Gewebe angehoben werden“, führt Prof. Dr. Edvin Turkof, Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, als Beispiel an. Auch bei Oberschenkelstraffungen sei vieles zu beachten, um etwa die Schamregion nicht in Mitleidenschaft zu ziehen, gibt Turkof zu bedenken. Auch wenn nach der bariatrischen noch eine plastisch-ästhetische Operation vonnöten sein sollte – „das Gesamtergebnis, nicht nur schlanker, sondern auch ästhetischer auszusehen, hilft vielen ehemals fettleibigen Patienten aus dem Wellental der Depressionen und macht wieder Lust aufs Leben“, weiß Hintringer.

 

52. Österreichischer Chirurgenkongress
23. bis 25. Juni 2011, Wien
http://www.chirurgenkongress.at

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