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Chirurgie 15. Juni 2011

Ösophaguskarzinom und Genetik

Österreichische Studie zeigt: Genetische Veränderungen müssen berücksichtigt werden.

Die österreichweite Pancho-Studie ist richtungsweisend für das chirurgisch-onkologische Behandlungskonzept der Zukunft.

Das Ösophaguskarzinom zeichnet sich durch eine besonders schlechte Prognose aus: Die 2-Jahres-Überlebensraten liegen um rund 20 Prozent. Zwar konnte in den letzten Jahren die perioperative Mortalität durch chirurgisch-technische und anästhesiologisch-intensivmedizinische Fortschritte massiv reduziert werden, jedoch hat dies nur einen geringen Einfluss auf die Senkung der Gesamtsterblichkeit.

Die Gesamtmortalität wird von der Tumoraussaat bestimmt. Studien zeigen, dass weder postoperative, adjuvante Chemotherapie noch Strahlentherapie effektiv sind. Wendet man diese Verfahren präoperativ, neoadjuvant an, zeigt sich ebenfalls kein signifikanter Vorteil gegenüber den alleinigen chirurgischen Verfahren.

Nur 10–15 Prozent der Patienten zeigen ein ausgezeichnetes Ansprechen auf die derzeitige präoperative Standardchemotherapie. Zu wenige, um einen signifikanten Unterschied zu generieren. Allerdings findet sich bei dieser kleinen Gruppe von kompletten Respondern erstmals ein beträchtlicher Überlebensvorteil in der Größenordnung von mehreren Jahren bis hin zur Heilung.

Strategie der Zukunft muss es daher sein, Ösophaguskarzinom-Patienten eine hochwirksame präoperative Therapie anzubieten. Hochwirksame Substanzen sind jedoch noch nicht auf dem Markt. Ebensowenig hat es sich bewährt, die Intensität der Standardtherapie zu steigern. Das führt lediglich zu einer erhöhten Therapie-assoziierten Mortalität, nicht aber zu vermehrtem Ansprechen.

Bedeutung des p53-Gens

Wir verfolgen erstmals in einer klinischen Studie die Hypothese, dass das Ansprechen auf bestimmte Substanzgruppen von einem Gen – dem p53 Gen – wesentlich beeinflusst wird, welches bei bösartigen Tumoren häufig mutiert ist. In einer österreichweiten Studie werden operable Ösophagus-Patienten zunächst auf diese genetische Veränderung im Tumor getestet, anschließend erhalten sie, randomisiert, eine präoperative Chemotherapie. Von den zwei randomisiert angebotenen Substanzen hat sich in einer Pilotstudie eine als hochwirksam bei p53-normalen Tumoren und die andere als hochwirksam bei p53-mutierten Tumoren erwiesen.

Die PANCHO-Studie (P53 Adaptierte Neoadjuvante CHemotherapie bei Operablen Ösophaguskarzinom-Patienten) läuft seit 2007 österreichweit in 13 Zentren höchst erfolgreich und steht unmittelbar vor Beendigung der Rekrutierungsphase. Es ist gelungen, mehr als 40 Prozent aller in Österreich in Frage kommenden Patienten einzuschließen. Erstmals steht dabei die Interaktion zwischen dem genetischen Marker p53 und dem Ansprechen auf Chemotherapie im Mittelpunkt einer klinischen, prospektiv randomisierten Studie. Die bisherigen Daten lassen extreme Verbesserungen im Gesamtüberleben durch hohe Ansprechraten erwarten. Das chirurgisch-onkologische Behandlungskonzept der Zukunft basiert auf einer hocheffektiven präoperativen Chemotherapie.

Die hohe Wirksamkeit wird dabei nicht durch neue oder stärkere Substanzen, sondern durch die individuelle Auswahl der Substanzen erreicht, z. B. basierend auf dem p53 Gentyp des Tumors. Beim Ösophaguskarzinom könnte die tumoradaptierte, präoperative Therapie dazu führen, dass sich die gelungene Operation auch in einem verbesserten Gesamtüberleben manifestiert.

 

Die Autorin ist an der MedUni Wien, Universitätsklinik für Chirurgie, tätig.

 

52. Österreichischer Chirurgenkongress
23. bis 25. Juni 2011, Wien
http://www.chirurgenkongress.at

Von Prof. Dr. Daniela Kandioler, Ärzte Woche 24 /2011

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