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Foto: Privat
Prof. Dr. Mag. Alexander Klaus führt das System vor (Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien).
Foto: Krankenhaus der barmherzigen Brüder Salzburg

Bereits über als 2.000 Österreicherinnen und Österreicher wurden nach der SIL-Technik (Single Incision Laparoscopy) durch den Nabel operiert.

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Doz. Dr. Andreas Shamiyeh leitender Oberarzt am AKH-Linz

 
Chirurgie 7. Juni 2011

„Spinnen-Technik“: Fortschritt bei der narbenfreien OP

Drei österreichische Chirurgen sind Europas „Spider“-Pioniere.

In keinem europäischen Land werden bereits so viele narbenfreie Eingriffe durchgeführt wie in Österreich: Rund 2.000 Patienten wurden bereits mittels SIL-Technik (Single Incision Laparoscopy) operiert. Als erste Ärzte in Europa haben nun drei österreichische Chirurgen – Doz. Dr. Andreas Shamiyeh (AKH Linz), Doz. Dr. Helmut Weiss (Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Salzburg) und Prof. Dr. Mag. Alexander Klaus (Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien) – den „Spider“ im Einsatz, ein Gerät, das den Anwendungsbereich der narbenfreien Operation erweitert.

Der hohe Standard in der traditionellen Schlüssellochchirurgie sowie das besondere Engagement einiger Chirurgen machten es zuletzt möglich, dass insgesamt bereits mehr als 2.000 Österreicherinnen und Österreicher ihre Operationen im wahrsten Sinn des Wortes mit „heiler Haut“ überstanden. Sie wurden nach der SIL-Technik (Single Incision Laparoscopy) durch den Nabel operiert. Neben dem kosmetischen Vorteil erholen sich die Operierten auch schneller. Da Fettgewebe und Muskeln kaum in Mitleidenschaft gezogen werden, verspürt der Patient selbst unmittelbar nach der Operation kaum Schmerzen und ist rasch wieder mobil und einsatzfähig.

Zielsichere Eingriffe

Dazu müssen allerdings einige Voraussetzungen stimmen: Ein Chirurgenteam, das in dieser neuen Technik bestens geschult und erfahren ist, sowie ganz bestimmte High-Tech-Operationsinstrumente. Wiederum waren es drei österreichische Chirurgen, die – als erste in Europa – die brandneue Technologie, den sogenannten „Spider“ (deutsch: Spinne) zur Verbesserung des Operationsergebnisses einsetzten.

Beim „Spider“ handelt es sich um ein ganz spezielles Instrumentarium, das Eingriffe durch den Nabel zielsicherer macht. Das Gerät lässt sich im Bauchraum langsam in alle Richtungen entfalten und kann an der Spitze bis zu 80 Grad abgewinkelt werden. Damit gleicht das Instrument einer Spinne. Eine Lichtquelle mit Mini-Kamera sorgt für exakte Computerbilder, die das Körperinnere in starker Vergrößerung auf einem Monitor zeigen.

„Durch die Beweglichkeit der Spinne und die gute Sicht am Bildschirm kann sich der Operateur im Bauchinneren zielsicher und frei bewegen“, zeigt sich Chirurg Doz. Dr. Andreas Shamiyeh, leitender Oberarzt am AKH-Linz, vom „Spider“ überzeugt. Er führte als erster Chirurg in Oberösterreich narbenfreie SIL-Operationen durch und attestiert dem „Spider“ eine große Zukunft.

1.100 Mal narbenfrei in Salzburg

Optimale Patientenzufriedenheit nach Eingriffen durch den Nabel meldet auch Primarius Doz. Dr. Helmut Weiss vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg. Seine Abteilung bildet mit bislang über 1.100 narbenfrei durchgeführten Eingriffen die Spitze Europas. Allein über 300 Gallenblasen-Operationen wurden dort bereits auf diese Weise durchgeführt – mit exzellenten medizinischen und kosmetischen Ergebnissen. Bei rund zehn Prozent aller Patienten musste zusätzlich zum Nabel noch ein weiterer Zugang ins Körperinnere gesetzt werden. „Durch den vermehrten Einsatz des Spiders hoffen wir, diesen Prozentsatz in Zukunft noch zu senken“, berichtet Prim. Weiss. Der alleinige Zugang durch den Nabel kommt in seiner Abteilung bereits standardmäßig bei Blinddarm-, Gallenblasen- und Leistenbruch-Operationen sowie auch bei bestimmten Darmoperationen zum Einsatz.

Auch der dritte „Spider“-Pionier, Prof. Dr. Mag. Alexander Klaus vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien, ist von diesem Instrumentarium überzeugt. Klaus: „Nach gründlicher Einschulung setzen wir den Spider seit einigen Monaten zur narbenfreien Entfernung von Gallenblase und Blinddarm sowie zur Behandlung von Leistenbrüchen ein.“

Grenzen der Technik

SIL, die narbenfreie Operationstechnik durch den Nabel, hat trotz „Spider“ noch ihre Grenzen. „Bei Krebsoperationen, etwa im Dick- oder Enddarm, steht für uns die bestmögliche Heilung und nicht die Zugangstechnik im Vordergrund“, erklären Prim. Prof. Dr. Johann Pratschke und Doz. Dr. Mattias Zitt von der Innsbrucker Universitätsklinik. Ähnlich sieht es Prof. Dr. Klaus: „Bei akuten Entzündungen, bösartigen Tumoren der Gallenblase und bei Patienten mit erhöhtem Narkoserisiko operieren wir nicht durch den Nabel, da dies die Operationsdauer insgesamt verlängern kann.“ Auch Herz-und Lungenoperationen werden derzeit noch offen oder durchs Schlüsselloch (mehrere, ganz kleine Schnitte) durchgeführt.

Nächste Generation in den Startlöchern

Dass SIL-Eingriffe zum Trend werden, zeichnet sich aber bereits ab. „Die zweite Generation von Spider mit noch verbesserter 3D-Sicht und erhöhter Beweglichkeit der Spinnenfüße steht in den USA bereits in den Startlöchern und kommt demnächst zum Einsatz“, berichtet Doz. Shamiyeh, der „Spider2“ bereits getestet hat. Die neuesten Erfahrungen mit SIL-Techniken, mit denen Österreich richtungsweisend in Europa ist, werden Gegenstand mehrerer Sitzungen am 52. Österreichischen Chirurgenkongress sein.

www.chirurgenkongress.at

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