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Chirurgie 25. Mai 2011

Chirurgische Infektionen verhindern

Multiresistente Bakterien erhöhen die Sterblichkeit.

Infizieren sich Patienten nach chirurgischen Eingriffen mit multiresistenten Bakterien, erhöhen sich Therapiedauer, Therapiekosten und das Risiko, an der Infektion zu sterben. Angesichts der schweren Folgen und der wachsenden Anzahl solcher Keime in Krankenhäusern waren notwendige Präventionsmaßnahmen und erfolgreiche Therapiekonzepte Thema beim 128. Chirurgenkongress vom 3. bis 6. Mai 2011 in München.

 

Mit der Entdeckung des Antibiotikums Penicillin und in der Folge der Isolierung und Synthetisierung weiterer antimikrobieller Wirkstoffe schienen Infektionskrankheiten ihren Schrecken zu verlieren. „Doch die unreflektierte Antibiotikatherapie führte bald zur Entwicklung von Resistenzen bei einer Vielzahl von Keimen, es entstanden sogenannte multiresistente Bakterien“, betonte Prof. Dr. Markus W. Büchler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Transplantationschirurgie der Universität Heidelberg.

Gefürchtet ist vor allem der Methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA), aber auch Keime wie Vancomycin-resistente Enterobakterien (VRE) oder multiresistente gramnegative Bakterien (MRGN) bekommen eine zunehmende Bedeutung, da diese nur mehr gegen wenige neuartige und teure Antibiotika empfindlich sind.

In Krankenhäuser gelangen diese Keime meist mit infizierten Patienten, angesteckt werden vor allem Intensivpatienten, Patienten mit großflächigen Wunden, Diabetiker und Patienten aus Alters- oder Pflegeheimen.

Hohe Mortalität und Therapiekosten

Viele dieser Hospitalkeime führen bei infizierten beziehungsweise besiedelten Patienten nicht nur zu einem verlängerten Krankenhausaufenthalt und höheren Therapiekosten, sondern auch zu einer erhöhten Sterblichkeit, wie eine vor kurzem publizierte Studie mit 119.699 Patienten von 537 Intensivstationen Europas zeigt (Lambert et al., Lancet Infect Dis 2011).

Die Mehrkosten, die einem Krankenhaus beziehungsweise den gesetzlichen Krankenkassen pro MRSA-Patient entstehen, beziffern sich auf etwa 8.000 bis 10.000 Euro beziehungsweise 6.900 bis 13.900 US-Dollar. Ähnliche Kosten entstehen auch durch andere multiresistente Keime, wie zum Beispiel MRGN oder Clostridium-difficile-Infektionen.

Unkritischen Einsatz vermeiden

Eine Reihe von Studien konnte belegen, dass die MRSA-Inzidenz positiv mit dem Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika korreliert, wohingegen zwischen der MRSA-Inzidenz und dem Händedesinfektionsmitteleinsatz eine negative Korrelation vorliegt (zum Beispiel Kaier et al., Infect Control Hosp Epidemiol 2009).

Für Mediziner und insbesondere Chirurgen bedeutet dies, dass die unkritische Verabreichung von Breitbandantibiotika unbedingt zu reduzieren ist, da durch den Selektionsdruck die Entstehung von Antibiotikaresistenzen gefördert wird. Andererseits kann durch Einhaltung von strikten Hygienemaßnahmen, wie z. B. der konsequenten Händedesinfektion nach jedem Patientenkontakt und entsprechenden Isolationsmaßnahmen bei Patienten mit multiresistenten Bakterien, die Verbreitung von Hospitalkeimen eingedämmt werden.

Screeningprogramme wichtig

Einige wenige Länder, wie z. B. die Niederlande, haben bereits seit mehreren Jahren strenge Screeningprogramme etabliert, mit denen Träger von multiresistenten Keimen schon vor Aufnahme in eine Klinik identifiziert und dann entsprechend im Spital isoliert werden. Dadurch konnte die Durchseuchung der Bevölkerung mit zum Beispiel MRSA auf einem sehr niedrigen Niveau stabilisiert werden. Mit zunehmenden auch internationalen Patientenströmen haben diese Screeningmaßnahmen eine ganz wesentliche Bedeutung erlangt, um auch eine flächenhafte Ausbreitung von bei uns bisher nicht anzutreffenden multiresistenten Keimen zu verhindern.

Zukunftsstrategien

Ziel der heutigen Medizin muss der möglichst zurückhaltende Einsatz von Antibiotika generell sein. Breitband- und Reserveantibiotika sollten nur selektiv eingesetzt werden. Demgegenüber nehmen jedoch schwerkranke oder immunsupprimierte Patienten zu, bei denen Infektsituationen nur mit hochwirksamen Antibiotika zu beherrschen sind. Ein Umdenken muss auch in den Ländern mit frei verkäuflichen Antibiotika erfolgen. Durch verbesserte Hygienemaßnahmen in den Krankenhäusern und Etablierung von Screeningmaßnahmen bei Risikopatienten kann der Verbreitung der multiresistenten Keime Einhalt geboten werden. Trotzdem wird die Entwicklung immer neuerer Antibiotika forciert werden müssen.

 

Quelle: Pressekonferenz anlässlich des 128. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, 3. bis 6. Mai 2011, ICM München

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