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Chirurgie 17. Mai 2011

Schilddrüsenchirurgie

„Graz-Procedure“ ermöglicht minimal-invasive Operationen mit weniger Aufwand und Kosten als bisher.

Bis vor wenigen Jahren waren Schilddrüsenoperationen relativ aufwendig – durchschnittlich drei Wochen dauerte der stationäre Aufenthalt und die Narbe war bis zu sieben Zentimeter lang. An der Univ.-Klinik für Chirurgie wurde von Prof. Dr. Gerhard Wolf eine neue, minimal-invasive Operationsmethode entwickelt, die mittlerweile in der internationalen Fachwelt als „Graz-Pocedure“ bezeichnet wird – die Narbenlänge reduziert sich auf 1,5 cm und die Patienten können meist nach 48 Stunden das Spital verlassen.

 

Standardzugang bei Schilddrüsenoperationen war früher der bis zu sieben Zentimeter lange Kocher’sche Kragenschnitt oberhalb der Drosselgrube. Dank der Entwicklung neuer Instrumente und Technologien konnten in letzter Zeit in vielen operativen Fächern die herkömmlichen Operationstechniken durch minimal-invasive endoskopische Eingriffe ergänzt oder ersetzt werden. Auch in der Schilddrüsenchirurgie wurde nach neuen Zugangswegen gesucht.

Unter dem Motto „Reducing the procedure and maintaining the excellence“ optimierten Grazer Chirurgen eine minimal-invasive, offene Operationstechnik. Ziel war die Entwicklung einer einfachen, sicheren, ökonomischen und leicht erlernbaren Variante der Schilddrüsenoperation. Das Ergebnis ist beeindruckend: Heute wird nur mehr über einen 1,5 cm langen Hautschnitt operiert, der kosmetisch kaum ins Gewicht fällt. Möglich wurde die kleine Schnittführung durch neue Instrumente: „Früher benötigte man große Schnitte vor allem deswegen, weil man im Operationsgebiet mit den Fingern knüpfen musste“, so Wolf. „Heute ist das nicht mehr notwendig, weil blutende Gefäße mit winzigen Elektrokoagulationsgeräten verschlossen werden können.“ 75 bis 80 Prozent der Schilddrüsenoperationen können auf diese Weise durchgeführt werden. Selbst bösartige Schilddrüsenerkrankungen und Lymphknoten werden in Graz minimal-invasiv operiert. Nur wenn ein Karzinom sehr fortgeschritten ist, die Schilddrüse die Luftröhre einengt oder größere Teile hinter dem Brustbein liegen, kommt noch die herkömmliche Operationsmethode zum Einsatz.

 

MedUni Graz/FH, Ärzte Woche 20 /2011

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