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Foto: Gesellschaft für Chirurgie ÖGC
Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Chirurgie und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie
 
Chirurgie 11. Mai 2010

Zögerliche Lebensrettung

Immer noch sterben zu viele potenzielle Empfänger von Spenderorganen.

Verbesserungen in der Versorgung mit Spenderoganen werden eines der Hauptthemen beim bevorstehenden Österreichischen Chirurgenkongress in Linz sein.

 

Immer noch sterben zu viele potenzielle Empfänger von Spenderorganen. Ein Problem dabei ist, dass geeignete Spender im Hirntodstadium nicht erfasst werden, erklärt Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher.

 

Wie kann man mehr lebensrettende Transplantationen ermöglichen?

Mühlbacher: Die Antwort wäre im Grunde einfach: Indem man die Zahl der Organspender hebt.

 

Wo gibt es Verbesserungschancen?

Mühlbacher: Derzeit sind wir beim Organspenderaufkommen auf das Engagement einzelner Ärzte angewiesen. Mehr Systematik ließe sich erzielen, wenn wir uns am Beispiel des Europa-Spitzenreiters Spanien orientierten. Dort verfügt jedes größere Spital über einen sogenannten Organspendebeauftragten. Dieser evaluiert in Zusammenarbeit mit den Kollegen auf der Intensivstation geeignete Spender und kontaktiert unverzüglich die Fachärzte.

 

Ist Spanien ein Vorbild?

Mühlbacher: Durchaus, denn auch wir haben in Österreich mittlerweile elf In-House-Koordinatoren. Das ist ein guter Anfang. Was noch fehlt, ist eine flächendeckende Versorgung, sprich eine Institutionalisierung dieser wichtigen Position. Auch würde ich mir mehr motivierte Ärzte wünschen, denen eine Steigerung der Transplantationen ein Anliegen ist.

 

Woran scheitert der Ausbau bisher?

Mühlbacher: Das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheit hat bereits Vorarbeit geleistet und müsste jetzt den nächsten Gang einlegen: die Bestellung zusätzlicher, koordinierender Organspendebeauftragter, natürlich im Konsens mit dem ärztlichen Direktor der Klinik.

 

Sehen Sie auch monetäre Grenzen?

Mühlbacher: An budgetären Hindernissen kann es nicht liegen, da diese Position üblicherweise keinen Fulltime-Job erfordert.

 

Wie rechnet sich das konkret?

Mühlbacher: Ein Beispiel: Die Kosten für einen schwer Nierenkranken, der auf die dreimal wöchentliche Dialyse angewiesen ist, belaufen sich auf 60.000 bis 70.000 Euro pro Jahr. Eine Nierentransplantation schlägt mit rund 45.000 Euro plus jährlich 5.000 bis 10.000 Euro an Medikamenten und Nachbehandlungskosten zu Buche. Somit beträgt die budgetäre Entlastung bereits ab dem zweiten Jahr rund 50.000 bis 60.000 Euro pro Betroffenem. Am Geld kann es daher nicht scheitern. Davon abgesehen gibt es menschliche Aspekte, die weit übers Finanzielle hinausgehen.

 

Welchen Bereich sprechen Sie an?

Mühlbacher: Einen, der mir sehr am Herzen liegt: die Lebenserwartung. Ein Dreißigjähriger hat eine Lebenserwartung von weiteren 47 Jahren. Diese ist bei einem schwer Nierenkranken auf 24 Jahre, also auf die Hälfte, herabgesetzt. Im Vergleich dazu erlebt ein Dreißigjähriger mit transplantierter Niere weitere 38 Jahre.

51. österr. Chirurgenkongress

2. Juni 2010 bis 4. Juni 2010
Linz, Design Center
www.chirurgenkongress.at

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