zur Navigation zum Inhalt
 
Chirurgie 1. Jänner 2010

Einfluss und Sicherheit einer präoperativen oralen oder intravenösen Kohlehydratzufuhr gegenüber Fasten bei Patienten mit kolorektalen Eingriffen – eine randomisierte kontrollierte Studie

HINTERGRUND UND ZIEL DER STUDIE: In letzter Zeit mehren sich die Hinweise, dass präoperatives Fasten, wie es seit mehreren Jahrzehnten klinische Praxis ist, von ungünstigen Folgen begleitet sein könnte. Im Gegenteil könnte eine standardisierte präoperative Nahrungsaufnahme sogar von Vorteil sein. Tatsächlich stellt eine solche Nahrungsaufnahme eine Komponente des ERAS ("enhanced recovery after surgery") Konzeptes dar. Wir erhoben daher in einer randomisierten kontrollierten Studie bei chirurgischen Patienten mit kolorektalen Erkrankungen die Wirkung einer präoperativen oralen oder intravenösen Gabe von Kohlehydraten, Elektrolyten und Wasser auf verschiedene biochemische, psychosomatische und echokardiographische und muskuläre Parameter in der perioperativen Phase im Vergleich zu präoperativ nüchternen Patienten. Außerdem untersuchten wir die Nebenwirkungsfreiheit einer peroralen Nahrungsaufnahme kurz vor der Operation.

PATIENTEN UND METHODEN: Insgesamt wurden 221 elektive chirurgische Patienten mit einer kolorektalen Erkrankung in diese an zwei Zentren durchgeführte, randomisierte, prospektive und verblindete klinische Studie aufgenommen. Die Patienten wurden in 3 Gruppen eingeteilt: A: Patienten, die ab Mitternacht vor der Operation fasteten (Kontrollgruppe); B: Patienten, denen Glukose, Magnesium und Kalium intravenös verabreicht wurde; C: Patienten, die präoperativ oral ein speziell zusammengesetztes Nahrungssupplement einnahmen.

ERGEBNISSE: Klinisch war der perioperative Allgemeinzustand der Patienten der Gruppen B und C signifikant besser als der der Kontrollgruppe. Der psychosomatische Zustand war am besten bei den Patienten der Gruppe C (p < 0,029). Der Anstieg des Insulin-Resistenz-Index (QUICKI) von vor der Operation zu postoperativ war in Gruppe A signifikant (p < 0,05). Die systolische und diastolische Linksventrikelfunktion besserte sich in Gruppe C signifikant im Vergleich zu Gruppe A (p < 0,04) – auch die Auswurffraktion war postoperativ signifikant höher (p < 0,03). Das gastrale Residualvolumen betrug 5 ml, der pH des Magensafts lag in allen Gruppen bei 3,5–5 ohne statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen. Die Komplikationsrate, sowie die Dauer des stationären Aufenthaltes unterschied sich ebenfalls nicht zwischen den Gruppen.

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Präoperatives Fasten bringt für chirurgische Patienten keinen Vorteil. Im Gegenteil könnte die Einnahme einer entsprechenden aus Wasser, Elektrolyten und Kohlehydraten zusammengesetzten Nahrung den Patienten einen gewissen Schutz gegen das Operationstrauma bieten – vor allem in Bezug auf den Stoffwechsel, aber auch auf die Funktion des Herzens und auf den psychosomatischen Zustand. Die kurz vor der Operation erfolgte perorale Einnahme erhöhte das gastrale Residualvolumen nicht und war auch sonst mit keinem Risiko verbunden.

Milan Kaška, Tat\'ána Grosmanová, Eduard Havel, Radomír Hyšpler, Zbyňka Petrová, Miroslav Brtko, Pavel Bareš, David Bareš, Bronislava Schusterová, Lucie Pyszková, Vlasta Tošnerová, Martin Sluka, Wiener klinische Wochenschrift 1/2/2010

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben