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Foto: pixelio.de / Anna Zerényi
Sogenannte „Schlüsselloch-Operationen“ werden mit fortschreitenden technischen Möglichkeiten immer beliebter – auch in der Onkologie.
Foto: Privat

Doz. PD Dr. Robert A. Bucek Leiter des Zentrums für Mikrotherapie an der Wiener Privatklinik

 
Chirurgie 27. Juni 2009

Der kleinste gemeinsame Zugang

Der bildgesteuerte minimal-invasive Eingriff ist auch bei bösartigen Erkrankungen eine erfolgversprechende Option.

Nach der ernüchternden Diagnose einer bösartigen Erkrankung folgt die bange Frage nach den verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten. Neben Fortschritten in Chirurgie, Strahlen- und Chemotherapie hat auch die Radiologie in den vergangenen Jahren ein Spektrum minimal-invasiver Therapieoptionen entwickelt, das additiv oder alternativ mit guten Erfolgen eingesetzt werden kann. Vor allem im Rahmen von Leberkarzinomen konnte man weitreichende Erfahrungen sammeln.

 

Bösartige Erkrankungen sind immer zweithäufigste Todesursache. Daher wird der Erforschung neuer Therapiemethoden höchste Priorität eingeräumt. Dank erfolgversprechender Optionen, wie Hormon- und Immuntherapie, und laufend verbesserter chirurgischer Resektionsverfahren konnten in den vergangenen Jahren die Heilungs- bzw. Überlebensraten deutlich verbessert werden. Ergänzt wird dieses Spektrum durch die Strahlentherapie, während sich die Rolle der Radiologie vor allem auf die bildgebende Diagnostik sowie auf das Tumorstaging, die perkutane Biopsie und die posttherapeutischen Verlaufskontrollen beschränkte.

Wenige Millimeter genügen

Seit einigen Jahren hat sich jedoch eine vergleichsmäßig kleine Gruppe von sogenannten Interventionellen Radiologen gebildet, die sich nicht nur mit der Diagnostik, sondern auch mit der Therapie von verschiedensten Erkrankungen beschäftigt. Hauptmerkmal dieser Verfahren ist, dass sie meist ohne Vollnarkose und mit einem lediglich wenige Millimeter breiten Einstich in der Haut unter Bildsteuerung mittels Röntgen, Ultraschall, Computertomographie und Magnetresonanztomographie durchgeführt werden können.

Auch auf dem Gebiet der onkologischen Therapie haben sich neue Verfahren etabliert, deren Ergebnisse in etlichen Studien bewiesen und in namhaften internationalen Journalen publiziert wurden. Das Hauptzielorgan dieser Therapien ist zumeist die Leber, da diese in einer Vielzahl der Fälle von Metastasen betroffen ist und durch das hepatozelluläre Karzinom auch einen schwer behandelbaren Primärtumor aufweist. Es können hier zwei minimal-invasive Verfahren unterschieden werden, die breit verfügbar sind: die (Chemo-)Embolisationstherapie und die Radiofrequenzablation.

Ziel der Chemoembolisationstherapie ist das „Verstopfen“ der den Tumor versorgenden Arterien mit kleinen Kunststoffkügelchen, die auch mit einem Chemotherapeutikum beladen werden können. Durch einen kleinen Einstich in der Leiste wird die Beinschlagader punktiert und dann die entsprechenden Gefäße aus der Leberarterie mit einem Millimeter-dicken Katheter in einer Angiographieanlage aufgesucht. Unter Röntgenkontrolle können dann exakt die Tumor versorgenden Äste verschlossen werden, während die gesunde Restleber unbehandelt bleibt. Vorteile dieser Methode sind die vorwiegend lokale Anwendung des Chemotherapeutikums mit daher deutlich verminderten systemischen Nebenwirkungen und die Ischämie des Tumors. Diese Technik eignet sich vorwiegend für arteriell gut versorgte Tumoren wie etwa das Hepatozelluläre Karzinom und Metastasen von neuroendokrinen Tumoren oder Aderhautmelanomen. In jüngster Zeit wird in Studien auch von guten Ergebnissen bei Metastasen kolorektaler Karzinome berichtet und wurden mehrere Fallberichte zur Behandlung von Mamma- und Nierenzellkarzinommetastasen publiziert.

Ausgekochte Therapie

Bei der Radiofrequenzablation macht man sich die Erwärmung des Gewebes durch die Radiofrequenz zu Nutze und „verkocht“ das vitale Tumorgewebe. Bei bestimmten Temperaturen denaturieren die Einweiße ,und der Tumor „stirbt ab“. Die Radiofrequenz wird über Sonden direkt in den Tumor eingebracht. Diese Sonden werden entweder mittels Ultraschall oder Computertomographie navigiert, und der Eingriff kann unter Sedoanalgesie durchgeführt werden. Haupteinsatzgebiet ist auch hier die Leber, wobei sowohl Hepatozelluläre Karzinome wie auch alle Arten von Metastasen erfolgreich behandelt werden können. Eingeschränkt wird die Anwendbarkeit des Verfahrens jedoch durch Tumorgröße und -anzahl in der Leber. Hier gilt trotz laufender Verbesserungen des Materials eine kritische Grenze von etwa drei bis vier Zentimetern. Weitere etablierte Anwendungsgebiete umfassen Nierenzell- und Lungenkarzinome sowie Knochenmetastasen.

Komplettiert wird das Spektrum der bildgesteuerten, minimal-invasiven Therapieoptionen für Tumorerkrankungen durch Aszites- und Pleuradrainagen, perkutane Ethanolinjektionen direkt in den Tumor, interventionelle Schmerztherapien, Stent-Setzung von durch Tumormassen eingeengten oder verschlossenen Gallengängen, Venen und gastrointestinalen Strukturen, dem Setzen von perkutanen Gastrostomien und der Zementeinspritzung von metastatisch eingebrochenen Wirbelkörpern.

Von Doz. Robert A Bucek, Ärzte Woche 26 /2009

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