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Chirurgie 12. Juni 2008

Tod auf der Warteliste

Im vergangenen Jahr sind in Österreich 150 Menschen während der Wartezeit auf ein Spenderorgan gestorben, teilte der Tiroler Transplantations-Pionier Prof. Dr. Raimund Margreiter im Zusammenhang mit dem Internationalen Tag der Organspende am 7. Juni mit. Man müsse den „Tod auf der Warteliste“ verhindern, sagte der Mediziner von der Innsbrucker Universitätsklinik in einer Pressekonferenz in der Tiroler Landeshauptstadt.

Ende des Jahres haben in Österreich 1.100 Personen auf ein Spenderorgan gewartet, das zeigt die Eurotransplant-Statistik. „In unserem Land ist das Spenderaufkommen pro Million Einwohner im letzten Jahr um zwei auf 24 gesunken“, erklärte Margreiter. Mitte der 80er Jahre wäre der Schnitt schon auf 30 gewesen, in Spanien liegen die Vergleichszahlen bei 34 Spenderorganen pro Million Einwohner. „Das muss unser Ziel sein“, forderte er.

Teilspenden immer wichtiger

Die Knappheit an Spenderorganen von hirntoten und verstorbenen Personen mache es notwendig, auch andere Möglichkeiten zu nutzen. „Die Lebendspende wird im Sinne einer Teilspende bei der Niere oder Leber immer wichtiger“, sagte der Mediziner. Der Verlust einer Niere sei für den Spender ohne nachteilige Folgen zu verkraften. Bei der Entfernung eines Leberlappens regeneriere sich das übrige Gewebe innerhalb eines Jahres. Zudem biete eine Lebendspende für den Empfänger eine deutlich längere Funktionsdauer des Organs, da es sich um optimale Qualität handle.
Auf die Nierentransplantation bezogen liege Österreich mit einem Lebenspenden-Anteil von acht bis zehn Prozent im Vergleich zu anderen Ländern noch weit entfernt. In den USA gebe es über 50 Prozent freiwillige Lebendspenden, in Norwegen 38, in Schweden 36 und in der Schweiz 23 Prozent.
In Österreich gibt es mit den Universitätskliniken Innsbruck, Graz und Wien und dem gemeinsamen Zentrum des AKH und dem Krankenhaus der Elisabethinen in Linz vier Transplantationszentren. Der Schwerpunkt für die Bauchspeicheldrüsentransplantation liegt in Innsbruck, in Oberösterreich werden ausschließlich Nierenverpflanzungen durchgeführt.

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