zur Navigation zum Inhalt
 
Augenheilkunde 10. Oktober 2008

Candesartan bei Diabetischer Retinopathie

Die Behandlung mit Candesartan kann die Rückbildung der Retinopathie bei Diabetes Typ 2 beschleunigen sowie die Häufigkeit der Erkrankung bei Diabetes Typ 1 verringern, folgern zwei online vorab veröffentlichte Artikel zu den Diabetic Retinopathy Candesartan Trials (DIRECT). Diabetische Retinopathie ist eine der Hauptursachen für Erblindung von Personen im erwerbsfähigen Alter. Im ersten der beiden Artikel untersuchen Prof. Dr. Nish Chaturvedi vom National Heart and Lung Institute am Imperial College Healthcare NHS Trust London und Kollegen die Auswirkungen von Candesartan auf Häufigkeit und Verlauf der Retinopathie bei Diabetes Typ 1 (The Lancet DOI:10.1016/S0140-6736(08)61412-9). Zwei randomisierte kontrollierte Versuchsreihen bildeten die Grundlage dieser Studien – die DIRECT-Prevent-1 bei Patienten ohne Retinopathie und die DIRECT-Protect-1 bei bereits erkrankten Patienten.
In der DIRECT-Prevent-1-Gruppe wurde 711 Patienten Candesartan und 710 Patienten Placebo verabreicht, wobei die Forscher feststellten, dass die Häufigkeit der Retinopathie bei den Candesartan-Patienten um 18 Prozent niedriger lag; ein statistisch gerade noch signifikantes Ergebnis. In der DIRECT-Protect-1-Gruppe erhielten 951 Patienten Candesartan und 954 Placebo, wobei hier zwischen den beiden Versuchsgruppen insgesamt gesehen keine statistisch signifikanten Unterschiede bezüglich des Krankheitsverlaufs der Retinopathie auftraten.
Weitere Analysen ergaben für die Candesartan-Patienten im Vergleich zur Placebo-Gruppe ein um 35 Prozent niedrigeres Risiko für ein Fortschreiten der Retinopathie um drei oder mehr Stufen auf der ETDRS-Lesetafel (Early Treatment Diabetic Retinopathy Study). Außerdem waren die am Ende der vierjährigen Studie erreichten Verbesserungen bei den von Retinopathien im Endstadium betroffenen Patienten in der DIRECT-Prevent-1-Gruppe (um 16 Prozent) wie auch in der DIRECT-Protect-1-Gruppe (um 12 Prozent) eher auf Candesartan als auf Placebo zurückzuführen. Die Autoren folgern dennoch: „Obwohl Candesartan die Häufigkeit der Retinopathie verringert, konnten wir keinen Nutzen bezüglich des Fortschreitens der Erkrankung erkennen.“
Im zweiten Artikel berichten Prof. Dr. Anne Sjølie vom dänischen Odense University Hospital und Kollegen über die randomisierte kontrollierte DIRECT-Protect-2-Studie, die analysieren sollte, inwieweit Candesartan das Fortschreiten der Retinopathie verlangsamen und auch die Rückbildung der Erkrankung bei Patienten mit Diabetes Typ 2 hervorrufen kann (The Lancet DOI:10.1016/S0140-6736(08)61411-7). Die Studie umfasste 1905 Patienten mit milden bis mittelschweren Retinopathien, wovon 951 einmal täglich 16 Milligramm Candesartan (nach einem Monat auf 32 Milligramm verdoppelt) und 954 Placebo erhielten.
Die Forscher stellten fest, dass 17 Prozent der Candesartan-Patienten und 19 Prozent der Placebo-Patienten ein Fortschreiten der Retinopathie um drei oder mehr Stufen auf der ETDRS-Lesetafel aufwiesen, was einer statistisch nicht signifikanten Risikominderung von 13 Prozent bei den Candesartan-Patienten entspräche. Die Anzahl der Rückbildungen (definiert als eine in zwei aufeinander folgenden Kontrollen bestätigte dreistufige oder dauerhafte zweistufige Verbesserung auf der ETDRS-Lesetafel) erhöhte sich in der Candesartan-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe um 34 Prozent. Letztendlich hatten die Candesartan-Patienten gegenüber den Placebo-Patienten eine um 17 Prozent höhere Chance, zum Abschluss der Studie insgesamt Verbesserungen in Richtung weniger schwerwiegender Retinopathien zu erreichen. Die Autoren folgern: „Diese Ergebnisse deuten an, dass eine Candesartan-Behandlung bei Diabetes-Typ-2-Patienten mit milden bis moderaten Retinopathien Verbesserungen in der Erkrankung hervorrufen könnte.“

www.thelancet.com/PH

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben