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Augenheilkunde 30. Oktober 2007

Infarkt im Auge - ein absoluter Notfall

Internationale Vernetzung war das primäre Ziel des ersten Kongresses zum Thema Gefäßerkrankungen der Netzhaut. So brachte das Symposium erstmals Augenmediziner, Gerinnungsspezialisten und Internisten an einen Tisch und wies damit auf die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit hin.

 Aug
Gerinnungsstörungen in den Gefäßen können zur Erblindung führen.

Foto: schwarzwurzel / pixelio.de

Die beiden Kongresspräsidentinnen, Ophthalmologin Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth und Hämostasiologin Prof. Dr. Ingrid Pabinger, erklären im Gespräch mit der Ärzte Woche, warum ihnen ihre interdisziplinäre Vernetzung und die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten wichtig sind.

Frau Prof. Schmidt-Erfurth, warum haben Sie Experten aus Ophthalmologie, Blutgerinnung und Innere Medizin zu dieser Veranstaltung geladen?
Schmidt-Erfurth: Wir wollen uns vernetzen. Wir müssen alle teilhaben an einem Prozess, wo neue Informationen hinzukommen und sich Konzepte, Behandlung und Diagnose erneuern.

 Fundusfoto

 Angiografiebild
Klinischer Befund einer akuten Zentralvenenthrombose: Fundusfoto (oben) und Angiografiebild (unten) zeigen die deutlich gestauten venösen Netzhautgefäße sowie zahlreiche streifige Netzhautblutungen.

Foto: Medizinische Universität Wien

Frau Prof. Pabinger, jede Schädigung in den Blutgefäßen der Netzhaut hat dramatische Folgen.
Pabinger: Ich beschäftige mich seit langer Zeit mit Thrombose-Risikofaktoren, mit Thrombophilie. Und ich beschäftige mich auch viel mit Lupuskoagulans und Antiphospholipidantikörpern, die ja mit erhöhter Prävalenz bei diesen Patienten gefunden werden. Und wir werden da natürlich als Hämostasiologen gefragt, was können wir untersuchen? Die zweite Frage ist natürlich, was kann ich tun? Nehmen wir eine der Substanzen, die wir auch sonst anwenden, sei es Heparin, sei es Aspirin. Aber gerade auf dem Gebiet gibt es wenig Daten, und auch wenig Erfolge, wo man wirklich dann beratend sagen könnte, diejenige Therapie oder eine andere Therapie wäre effektiv.Wir können ja wirklich hervorragend Venenthrombosen therapieren, wir haben ganz klare Guidelines, wie wir Arterienthrombosen, die nicht im Auge sind, therapieren. Aber für das Auge haben wir hier kein evidence-based-Vorgehen. Es gibt Vorgehen, natürlich, die auch jede Abteilung, jedes Krankenhaus oder Fachgesellschaften festlegen kann. Aber dieses Vorgehen basiert nicht auf wirklich guten Studien, wie wir es eben in anderen Gebieten haben.

Die Entwicklung steht noch sehr am Anfang, die präsentierten Studien zum Einsatz von Biologika haben nur kleine Fallzahlen, über Langzeitwirkungen weiß man noch nichts.
Schmidt-Erfurth: Richtig, das ist genau die Schlussfolgerung, die man auch aus diesem Kongress jetzt ziehen muss: Wir haben schon eine Menge gelernt, aber es ist noch Stückwerk, und man muss die einzelnen Erkenntnisse und positiven Ergebnisse jetzt verarbeiten und zusammenfassen. Im Moment sind die Diskussionen darum, machen wir Off-label oder machen wir die legalen Medikamente, wer bezahlt das jetzt, diese Debatten sind im Moment zu sehr im Vordergrund. Wir brauchen solide Daten bei großen Patientenzahlen. Wir brauchen das auf eine kontrollierte Weise, d. h. klinische Studien, und wir brauchen längerfristige Ergebnisse. Und das ist die Voraussetzung für Behandlungsempfehlung.

Die Patienten müssen davor geschützt werden, dass hier mit Medikamenten zu rasch und aggressiv auf den Markt gekommen wird?
Schmidt-Erfurth: Absolut. Ja. Das gilt sowohl für die Industrie, das gilt aber auch für alle Off-Label-Behandler, die sagen, da hatte ich schon einen guten Fall, und jetzt biete ich jetzt auch allen anderen Patienten an, das nennt man anekdotisch, und das ist nichts, was man auf alle Patienten übertragen soll.

Warum suchen Sie die Zusammenarbeit mit einer Gerinnungsexpertin?
Schmidt-Erfurth: Was wir geben, geht ins Auge, aber auch in den Körper. Wir sprechen über sehr wirksame Mechanismen und es ist noch gar nicht klar, ob das, was man ins Auge spritzt, nicht den Sehnerv entlang nicht auch ins Gehirn wandern kann, zum Beispiel. Das ist eine Vermutung, die muss man genau überprüfen, und man muss auch schauen, dass man sinnvolle Konzepte in dem kleinen Organ Auge anwendet, die andere Disziplinen, wie die Hämatologen und die Internisten, bereits überprüft haben.

Inge Smolek, Ärzte Woche 44/2007

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