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Augenheilkunde 19. September 2006

Bei Konjunktivitis ist Antibiose oft nicht nötig

Dass eine überstürzte Behandlung bei Konjunktivitis nicht immer die beste Wahl ist, scheint eine britische Studie darzulegen. Dort setzten die Ärzte zunächst auf Selbstheilungskräfte.

Die beste Therapie bei akuter infektiöser Konjunktivitis: Den Patienten eine Antibiotika-Therapie in Aussicht zu stellen, falls die Symptome nach drei Tagen nicht schwächer geworden sind. Den Vorteil des Abwartens belegt mittlerweile eine Studie britischer Wissenschaftler. Akute infektiöse Konjunktividen sind jeweils etwa zur Hälfte viral oder bakteriell bedingt. Fast immer klingen die Symptome – Rötung der Augen, Brennen, Ausfluss, Verklebungen am Morgen, geschwollene Lider oder Sehstörungen – von selbst ab. Dennoch werden häufig lokal wirksame Antibiotika verordnet. Ob das tatsächlich empfehlenswert ist, haben Wissenschaftler um Dr. Hazel A. Everitt aus Southampton, England, untersucht (BMJ 333, 2006, 321). Sie teilten die Patienten – 307 Kinder und Erwachsene – in drei Gruppen auf. Der ersten Gruppe verschrieben die behandelnden Ärzte gleich Augentropfen mit Chloramphenicol. Dem zweiten Kollektiv boten sie vorerst nur an, sich nach drei Tagen ein Rezept abzuholen, falls sich die Symptome nicht bessern sollten. Die dritte Gruppe bekam wiederum weder ein Medikament verordnet noch ein Rezept in Aussicht gestellt. Alle Patienten führten Tagebuch und werteten ihre Beschwerden auf einer Punkte-Skala. Null Punkte bedeuteten keine, sechs Punkte schlimmst mögliche Symptome. Als ähnlich günstig wie die sofortige antibiotische Therapie erwies es sich, erst einmal abzuwarten. Nur ungefähr die Hälfte dieser Patienten holte sich das Rezept für Chloramphenicol ab. Trotzdem dauerte die Erkrankung bei ihnen nur unwesentlich länger als bei jenen, die sofort Augentropfen anwendeten: durchschnittlich 3,3 Tage versus 3,9. In der dritten Vergleichsgruppe hatten die Patienten übrigens 4,8 Tage lang Beschwerden. Nach zehn Tagen waren in jeder Gruppe fast 100 Prozent geheilt. Und: Patienten, die mit der Therapie warten sollten, gingen in den folgenden zwei Wochen signifikant seltener zum Arzt als alle anderen.

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