zur Navigation zum Inhalt
 
Augenheilkunde 23. Mai 2006

Wenn Katzen kratzen, schwillt das Auge

Was wie eine Sinusitis aussieht, kann auch Folge der Katzenkratzkrankheit sein. Hinweise darauf gibt der Kontakt mit einer Katze in der Anamnese. Gesichert wird die Diagnose serologisch.

Ein Zwölfjähriger hatte seit zwei Wochen ein gerötetes und geschwollenes rechtes Oberlid mit Ptosis und Schmerzen, berichten der Darmstädter HNO-Arzt Privatdozent Dr. Martin Jäckel und Kollegen (HNO 54, 2006, 37). Außerdem hatte er Schwellungen im Bereich der Glandula parotis und des Kiefernwinkels rechts. Das Allgemeinbefinden war nicht beeinträchtigt.Eine Antibiotikatherapie blieb wirkungslos. Eine Sonographie der Glandula parotis ergab Lymphknotenschwellungen. Als der Junge von Kontakten zu einer Katze erzählte, suchten die Ärzte gezielt nach IgG-Antikörper gegen Bartonella henselae, dem Erreger der Katzenkratzkrankheit, und wurden fündig. Der IgG-Titer stieg innerhalb von vier Wochen von 1 zu 256 auf 1 zu 1024 (normal: unter 1 zu 64).

Junge Katzen sind häufig Täter

Ähnlich war der Krankheitsverlauf bei einer 50-jährigen Frau mit einer Schwellung der präaurikulären Lymphknoten rechts. Die Schwellung hatte sich zehn Tage nach einer Rötung der Augenbindehaut entwickelt und zu einer druckschmerzhaften Hautinfiltration geführt. Auch diese Patientin hatte Kontakt zu einer jungen Katze und zeigte ebenso einen erhöhten IgG-Titer. Bei Bartonella henselae handelt es sich um ein Gram-negatives Stäbchen, das nach Kontakt, vor allem mit jungen Katzen, über die Hände in die Augenbindehaut gelangt. Dort verursacht es eine granulomatöse, subakute Konjunktivitis, die oft mit einer Ptosis einhergeht. Später entwickelt sich eine präaurikuläre Lymphadenitis auf der erkrankten Seite. Die Diagnostik ist nicht leicht, da der kulturelle Erregernachweis aus Lymphknotenbiopsien oder Bindehautabstrichen schwierig ist, spezifische histologische Merkmale existieren keine. Allgemeine serologische Entzündungsparameter sind oft normal. Gesichert wird die Diagnose mit dem Antikörpernachweis. Die Sensitivität für IgG und IgM gibt Jäckel mit 85 Prozent an. Weil Gesunde jedoch sehr selten seropositiv sind, ist schon der alleinige IgG-Nachweis beweisend. Es sei umstritten, ob eine Pharmakotherapie erforderlich ist, bei immunkompetenten Menschen sei Abwarten gerechtfertigt, so Jäckel. Bei abszedierender Lymphadenitis und Allgemeinsymptomen empfiehlt er eine zweiwöchige Therapie mit Makroliden, alternativ mit Gyrasehemmern oder Tetrazyklinen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben