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Augenheilkunde 13. März 2006

Bei Glaukom regelmäßig den Blutdruck messen

Nicht nur ein erhöhter Augeninnendruck, sondern auch eine gestörte Blutflussgeschwindigkeit im Auge kann Einfluss auf die Entstehung sowie auf die Progression einer Glaukom-Erkrankung haben.

„Zur Verhinderung eines Glaukoms reicht es nicht aus, den intraokularen Druck (IOP, Intra-Ocular-Pressure) zu senken, sondern es müssen auch die Perfusionsfaktoren untersucht werden“, forderte Prof. DI. Dr. Leopold Schmetterer von der Medizinischen Physik, Medizinische Universität Wien, auf dem Hamburger Glaukomtag.Bei japanischen Teilnehmern einer Studie wurde zum Beispiel festgestellt, dass mit dem Altern zwar der intraoculäre Druck der Teilnehmer sank, die Gefahr einer Glaukombildung war aber bei ihnen genauso groß wie bei europäischen Patienten, bei denen der intraoculäre Druck im Alter tendenziell zunimmt. Mehrere Studien aus den vergangenen Jahren lieferten zudem Hinweise, dass ein niedriger Blutdruck die Entwicklung eines Glaukoms begünstigen kann, erklärte Schmetterer. Auch bei der glaukombedingten Einschränkung des Gesichtsfeldes könne außer dem erhöhten intraoculären Druck auch eine durch niedrigen Blutdruck verursachte reduzierte Blutflussgeschwindigkeit im Auge von Bedeutung sein.Ärzte sollten deshalb Glaukom-Patienten anhalten, regelmäßig den Blutdruck zu messen, riet Prof. Dr. Carl Erb von der Rostocker Augen-Universitätsklinik. „Zu niedrige Blutdruckwerte, die vor allem nachts eintreten, können Glaukome fördern, auch wenn der Augeninnendruck vernünftig eingestellt ist“, sagte Erb.

Tagesdruckkurve erstellen

Blutdruckwerte von 120/80 mmHg seien optimal. Was den Augeninnendruck betrifft, so werden Druckwerte zwischen 10 und 21 mmHg als normal eingestuft. Als wichtiger Risikofaktor für die Bildung und für das Fortschreiten des Glaukoms wurden auf der Hamburger Tagung auch mehrfach zu große IOP-Tagesschwankungen genannt. „In der Diagnostik und bei der Therapiekontrolle sollte deshalb der Augen­innendruck mehrmals am Tag gemessen und eine Tagesdruckkurve erstellt werden“, meinte Prof. Dr. Panagiotis Papapanos aus Korinthos in Griechenland. Beim primären Offenwinkel-Glaukom etwa gebe es häufig Schwankungen des intraoculären Drucks von über fünf mmHg im Verlauf eines Tages. Daher sollte die Wirksamkeit von Medikamenten in einer Tagesdruckkurve festgehalten werden, um ihre Effektivität bei dem jeweiligen Patienten überprüfen zu können, empfiehlt Papapanos.

Risikofaktoren erkennen

Ein Glaukom ist nach Angaben von Erb meist multifaktoriell bedingt. Außer genetischen Voraussetzungen und mechanischen Belastungen könne etwa auch eine durch Diabetes oder erhöhte Cholesterinspiegel verursachte Atherosklerose die Entstehung eines Glaukoms begünstigen. Ein weiterer Risikofaktor ist die altersbedingte Plaque-Bildung im trabekulären Maschenwerk in den Augen. Dadurch kann das Augenkammerwasser nicht mehr ungestört abfließen, was zur Erhöhung des Augeninnendrucks führt. Bei Fortschreiten der Erkrankung wird der Sehnerv nach und nach gequetscht. Und dadurch kommt es zu einer Papillen-Exkavation mit Gesichtsfeldeinschränkung, hieß es auf der Tagung.

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