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Augenheilkunde 29. November 2005

Erste Hornhauttransplantation vor 100 Jahren

Am 7. Dezember 1905 gelang Dr. Eduard Konrad Zirm das bis dahin Unmögliche: Er verpflanzte erstmals erfolgreich eine menschliche Hornhaut.

Nach einem Unfall mit Ätzkalk erblindete der Taglöhner Alois Glogar. Zirm, ein Vertreter der Wiener Medizinischen Schule, pflanzte ihm die Hornhaut eines elfjährigen Kindes ein, dem nach einem Unfall ein Auge entfernt werden musste. Nach einigen Tagen konnte der Patient wieder sehen – bis an sein Lebensende. Dieser Meilenstein der Chirurgie setzte dem langen erfolglosen Bemühen von Augenärzten in aller Welt ein Ende und gab in der Folge tausenden Menschen ihr Augenlicht wieder.

Die Operation war freilich damals ungleich schwieriger als heute. Da die Mikroskope noch nicht ausgereift waren, konnte die Hornhaut nicht angenäht werden. Zirm verschnürte sie daher von außen. Dass sie auch nach der Einheilung nicht eintrübte, grenzte an ein Wunder. Die von Zirm entdeckte und entwickelte Operationsmethode ist heute noch Basis für die Heilung von Hornhautschäden. Abgeleitet davon sind auch die heutigen Herz-, Nieren- und Lebertransplantationen.
Im Wiener Hartmannspital hatte allerdings drei Jahre zuvor Emerich Ullmann (1861–1937) einem Hund eine Niere erfolgreich in den Hals verpflanzt. Er scheiterte aber an der ersten Xenotransplantation beim Menschen: Die Übertragung einer Schweineniere in die Ellbogenregion einer Patientin mit terminalem Nierenversagen schlug wegen technischer Probleme fehl. Die End-zu-End-Gefäßanastomose mit feiner Seide durch eine fortlaufende Naht wurde erst etwas später von Alexis Carell 1902 in Lyon entwickelt. 50 Jahre sollte es noch dauern, bis das erste solide Organ, wiederum eine Niere, erfolgreich transplantiert werden konnte.
Eduard Konrad Zirm wurde am 18. März 1863 in Wien geboren. Nach der Matura am Schottengymnasium in Wien studierte er Medizin, wiewohl ein Dasein als Bildhauer oder Schriftsteller ihm auch äußerst attraktiv erschien. Doch als Mensch von raschen Entschlüssen grübelte der spätere Transplantations-Pionier nicht länger über möglicherweise versäumte Gelegenheiten nach.
Nach seiner Promotion war Zirm Augenarzt an der II. Wiener Augenklinik und erster Assistent von Prof. Dr. Carl von Stellwag. Er war noch nicht einmal 30, da bot man ihm eine Stelle in Olmütz an. 1894 wurde ihm dort als Ordinarius die Behandlung der Augenkranken übertragen. Zirm war so erfolgreich, dass der mährische Landesausschuss beschloss, einen eigenen Augenpavillon mit 120 Betten zu bauen. Die Bettenanzahl musste in kürzester Zeit auf 156 erhöht werden, und Olmütz bekam für Jahre die modernste und im deutschen Sprachraum größte Augenheilanstalt Europas. Nicht zuletzt auch deswegen, weil er Patienten, die kein oder wenig Geld hatten, ganz und gar kostenlos behandelte. Krankenkassen gab es damals ja noch keine.
1928 wurde er dann im damaligen Tschechenstaat mitten aus unvollendet gebliebenen wissenschaftlichen und klinischen Arbeiten pensioniert. Mit seiner nur kleinen Mannschaft führte Zirm 7.866 Staroperationen und zahlreiche Hornhauttransplantationen durch. Er starb am 5. März 1944 in Olmütz, beerdigt ist er am St. Peter Friedhof in Graz.

http://www.drzirm.org

Wolfgang Regal/Michael Nanut, Ärzte Woche 48/2005

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