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Augenheilkunde 23. November 2005

Wie gut sind Laser-Operationen zur Korrektur der Sehschärfe?

Endgültig auf Brille oder Kontaktlinsen verzichten zu können, wie es die Werbung verheißt, ist für Fehlsichtige eine verlockende Perspektive. Doch nicht jeder ist für die Operation geeignet.

Laseroperationen haben die Medizin revolutioniert, auch die Augenheilkunde. Die Methode, die zur Korrektur von Kurz- und Weitsichtigkeit sowie von Astigmatismus angewandt wird, ist theoretisch ziemlich einfach: Die Hornhaut, die der vordersten Linse eines Kameraobjektivs entspricht, wird mittels computergesteuertem Kaltlicht (Excimer)-Laser so weit abgeschliffen, dass die Brechkraft wieder normal ist. Dazu stehen verschiedene Techniken zur Verfügung, die älteste davon seit fast 20 Jahren. Doch wie bei allen Operationen gilt: Risikolos ist gar nichts, und nicht jeder kommt für jede Technik infrage. Manche Augenärzte meinen: Am gesunden Gewebe sollte nicht herumgehobelt werden. Auf dem Ophthalmologen-Kongress im September in Berlin hieß es gar, in den USA komme man von dem Trend, sich aus bloßen Schönheitsgründen die Sehkraft per Laser verstärken zu lassen, bereits wieder ab, da die Kosten für erforderliche Nachbehandlungen explodiert seien.
„Der Trend geht wohl eher deshalb wieder zurück, weil der Markt in Amerika bereits gesättigt ist“, rückt Doz. Dr. Josef Ruckhofer die Warnungen der deutschen Kollegen zurecht. Zudem habe man jenseits des Atlantiks Sehschärfekorrekturen auch in der Mittagspause in Shopping Malls angeboten. Dass es dann eher zu Komplikationen komme, sei nicht verwunderlich. Der Augenarzt, der an der Salzburger medizinischen Privatuniversität Paracelsus die Beratungsstelle für refraktive Chirurgie leitet, weist allerdings darauf hin, dass es eine ganze Reihe von Kontraindikationen gibt und dass das Versprechen „Leben ganz ohne Brille“ überzogen ist. Die neue EPI-LASIK-Methode, die seit kurzem an der Salzburger Uniklinik angeboten wird, mindere das Komplikationsrisiko, da kein tiefer Schnitt in die Hornhaut mehr notwendig sei. Verschiedene Techniken werden derzeit angeboten: die Oberflächen­ablation, bei der das Hornhaut­epithel mittels Ethanol (LASEK) oder neu jetzt bei der EPI-LASIK mit Hilfe eines Mikrokeratoms mit stumpfer Klinge gelöst, zur Seite geschoben, und nach der Formänderung des Stromas mit dem Laser wieder zurückgeschoben wird. Und die Abtragung in der Tiefe des Stromas, nachdem zuvor mit einem Mikrokeratom eine dünne Lamelle der Hornhaut eingeschnitten und weggeklappt wurde (LASIK). „Die Komplikationsrate liegt bei rund einem Prozent“, sagt Prim. Prof. Dr. Susanne Binder, Vorstand der Augenabteilung an der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien und Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft, im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. Das sei gar nicht so wenig, wenn man bedenke, dass sich in den USA bereits rund vier Millionen Fehlsichtige einer Laseroperation unterzogen haben. Die meisten – rund zwei Drittel – der Komplikationen sind laut Binder jedoch leicht, etwa Augentrockenheit oder das Sehen fluktuiert, wird abends schlechter. Bei der Oberflächenablation spielen biochemische Faktoren im Zusammenhang mit der Wundheilung eine Rolle. Es kann zur Narbenbildung und damit zum so genannten Haze, einer Trübung, kommen. Die LASIK-Technik hingegen bedeutet auch einen biomechanischen Eingriff in die Hornhautstruktur.

Zu viel weggelasert

„Früher wurde bei der LASIK zuweilen zu viel weggelasert“, erläutert Doz. Dr. Josef Ruckhofer, Oberarzt an der Universitätsklinik Salzburg und Leiter der Beratungsstelle für Refraktive Chirurgie. Durch den zu forschen Einsatz des Lichthobels kann sich später die Hornhaut vorwölben, was die Optik dauerhaft verzerrt und nur mehr durch harte Kontaktlinsen auszugleichen ist. „Das sollte jetzt eigentlich nicht mehr vorkommen“, so Ruckhofer, „wenn man sich an die Empfehlungen hält, insbesondere auch nicht bei der neuen EPI-LASIK, bei der nur das Epithel vom Hornhautstroma abgeschoben wird, was die Hornhautstabilität nicht gefährdet.“ Insgesamt habe sich die refraktive Laserchirurgie in den letzten Jahren zu einer sicheren Methode und einem wichtigen Teilgebiet der Augenheilkunde entwickelt. Das Um und Auf ist, da sind sich Binder und Ruckhofer einig, die richtige Patientenauswahl. Denn rund ein Viertel der Operationswilligen kommt für die Laserkorrektur nicht infrage: etwa Menschen mit Keratokonus, mit chronisch trockenen Augen, Patienten, die eine Kortisonbehandlung benötigen, sowie Psoriasis- oder Neurodermitis-Kranke, da diese Leiden auch die Bindehaut und die Hornhaut in Mitleidenschaft ziehen. Im Aufklärungsgespräch sollte auch darauf hingewiesen werden, dass sich der Operationserfolg innerhalb der ersten Wochen und Monate zurückbilden kann, was einen nochmaligen Eingriff notwendig macht, und dass die Sehschärfe nicht, wie in manchen Werbebroschüren versprochen, besser wird als mit Brille oder Kontaktlinsen. Grundsätzlich kann Kurzsichtigkeit bis 6, Weitsichtigkeit bis 1 und Astigmatismus bis 4 Dioptrien durch die Operation behoben werden. Eine Lesebrille im Alter ist jedoch trotz Laser-Korrektur immer nötig.

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