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Augenheilkunde 21. März 2014

Ein Gefühl wie Sandpapier

Viele mögliche Ursachen: Das trockene Auge kann Begleiterscheinung zahlreicher Störungen sein.

Die Symptomatik trockener Augen klingt nach einer leichten Befindlichkeitsstörung. Es können sich aber auch ernstzunehmende Erkrankungen hinter dem komplexen Geschehen verbergen, warnen Augenärzte.

Fachärzte sprechen beim trockenen Auge von einer Conjunctivitis sicca, einer Bindehautentzündung, die durch mangelhafte Benetzung der Augenoberfläche zustande kommt. Meist ist auch die Hornhaut mit betroffen (Keratitis sicca), sodass insgesamt eine Keratoconjunctivitis sicca vorliegt.

Typische Symptome

Nicht immer wird ein Patient, der mit dem Problem zu trockener Augen in die Apotheke kommt, den Sachverhalt so eindeutig benennen. Hinweise geben Beschreibungen wie „meine Augen fühlen sich an, als wären die Lider aus Sandpapier“ oder „ich vertrage das Fliegen und rauchige Luft nicht mehr“. Diese Symptome können bei der Conjunctivitis sicca auftreten: Juckreiz, Fremdkörpergefühl, rote Augen, Schwellung der Augenlider, Schmerzen durch Luftzug. Morgens sind die Lider durch getrockneten Schleim verklebt. Tagsüber tränen die Augen vermehrt, ohne dass sich ein positives Gefühl der Befeuchtung einstellt. Plötzlich werden Kontaktlinsen oder Kosmetikprodukte nicht mehr vertragen, oder die Bildschirmarbeit fällt schwer, weil die Augen ständig müde sind. Sie können auch vermehrt auf Lichtreize reagieren, was als Blendung oder Lichtscheue wahrgenommen wird. Weitere Sehstörungen sind möglich, da die Augenoberfläche nicht mehr ausreichend durch den Tränenfilm geglättet wird.

Stichwort Allergie. Gelegentlich wird eine Conjunctivitis allergica, die ebenfalls mit juckenden, roten und geschwollenen Augen einhergeht, als Keratoconjunctivitis sicca fehlgedeutet. Auslöser einer allergischen Bindehautentzündung ist jedoch eine Überempfindlichkeitsreaktion gegen Antigene wie Pollen, Staub oder Makeup. Allerdings können manche Augentropfen zur Therapie allergischer Augenbeschwerden vorübergehend zu Brennen und Trockenheitsgefühl am Auge führen.

Die Ursachen

Prinzipiell liegt für das Symptom „trockene Augen“ eine Benetzungsstörung der Augenoberfläche vor. Dies kann durch eine verminderte Tränenmenge oder eine veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms verursacht werden. Eine tageszeitliche Schwankung der Augenbenetzung ist aufgrund der neurovegetativen Steuerung normal. Mit zunehmendem Alter lässt die Tränenproduktion nach. Faktoren wie Rauchen (auch passiv), hohe Ozonwerte in der Luft und andere Umweltbelastungen, trockene Luft, kalte Zugluft und das Verweilen in klimatisierten Räumen fördern die Beschwerden. Das Tragen von Kontaktlinsen kann Probleme bereiten.

Bei einer krankhaften Veränderung des Tränenfilms liegt zugleich auch eine Entzündung der Augenoberfläche vor. Sie reagiert empfindlich auf Berührungen, was eine verminderte Tränenproduktion nach sich zieht. Diese Minderversorgung unterhält den Entzündungsprozess.

Ursächlich können dafür geschädigte Oberflächenzellen verantwortlich sein, beispielsweise nach einer Augenverletzung oder Operation. Eine Entzündung des Lidrandes kann sich nachteilig auswirken, wenn sie die Funktion der Meibom-Drüsen behindert und dadurch dem Tränenfilm Lipide als Verdunstungsschutz fehlen.

Office-eye-Syndrom

Nur ein regelmäßiger Lidschlag kann das Auge ausreichend befeuchten. Dieser ist bei Menschen reduziert, die beruflich oder privat viel Zeit vor dem Computer verbringen. Die Augen sind über einen längeren Zeitraum stark belastet, da sie Flimmern und Spiegelreflexe des Bildschirms ausgleichen müssen. Doch der konzentrierte Blick auf den Monitor vermindert die Blinzelfrequenz. Statt 22-mal pro Minute schließen sich die Lider im Schnitt nur noch siebenmal.

Eine ärztliche Abklärung ist bei dauerhaften Beschwerden unabdingbar.

Die Behandlung

Zur symptomatischen Behandlung können trockene Augen mit künstlichen Tränen befeuchtet werden, die mittels Polymeren den Tränenfilm verbessern. Die Kombination aus Natriumhyaluronat und Dexpanthenol wirkt beruhigend und lindernd. Eine Balance für den Tränenfilm mittels wasserabgebender Schutzschicht ermöglicht die Kombination aus Hyaluronsäure und Hypromellose. Reicht dies nicht, um den Entzündungsteufelskreis zu unterbinden, kommen antiphlogistisch wirksame Augentropfen mit Gukokortikoiden oder Cyclosporin zum Einsatz. Einen anthroposophischen Ansatz bietet die Behandlung mit Chelidonium Rh D4, das einen Extrakt aus Schöllkrautwurzelstock enthält.

springer-gup, Apotheker Plus 3/2014

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