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Die Messung des Augeninnendrucks als Vorsorgeuntersuchung des Glaukoms ist völlig schmerzlos.
 
Augenheilkunde 12. März 2014

Weltglaukomtag: Compliance Grundlage optimaler Therapie

Der Weltglaukomtag wird jedes Jahr am 12. März begangen. In vielen Ländern ist sogar die ganze Woche rund um den 12. März die Weltglaukomwoche.

Es handelt sich dabei um eine globale Initiative der World Glaucoma Association (WGA) und der World Glaucoma Patient Association (WGPA). Das Ziel dieses internationalen Gesundheitstages ist es, in Kooperation mit AugenfachärztInnen aus aller Welt das Bewusstsein für den Grünen Star in der Bevölkerung zu heben und die Menschen zu sensibilisieren, damit irreparable Schäden am Auge bis hin zur Erblindung verringert werden können.

"Würden alle Patienten ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich den Augenarzt konsultieren, könnte die Erblindungsrate durch das Glaukom (Grüner Star ) drastisch reduziert werden", betonte anlässlich des Weltglaukomtages der Präsident der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) und Vorstand der Augenabteilung des Donauspitals - SMZ-Ost, Prof. Dr. Thomas Michael Radda bei einer Pressekonferenz. Leider würde die Erkrankung jedoch häufig nicht rechtzeitig erkannt.

Bis es den betroffenen Patienten selbst auffällt, dass der Sehnerv geschädigt und das Sehfeld massiv verkleinert ist, ist der Großteil der Nervenfasern im Sehnerv unwiederbringlich zerstört. Jeder zweite Glaukompatient weiß deshalb nichts von seiner Krankheit. Nur eine jährliche Kontrolle beim Augenarzt kann die zumeist völlig schmerzlose und schleichende Erkrankung rechtzeitig entdecken helfen, weshalb die Augenärzte raten, dass Übervierzigjährige jährliche Kontrollen einhalten sollten.

Therapeutisch haben Ophthalmologen viele Möglichkeiten, die Krankheit zum  Stillstand zu bringen - geheilt kann sie freilich nicht werden. Ein Argument mehr, den "gefährlichen Star" möglichst frühzeitig zu diagnostizieren und zu therapieren.

Erfolgreiche Behandlungen

Radda: "Die Behandlung wird zunächst konservativ durchgeführt und zwar mit verschiedenen Augentropfen. Wesentlich bei der konservativen Therapie ist die Compliance – die Therapietreue – des Patienten: Da der Patient keine Beschwerden hat, muss er darauf vertrauen, dass durch die konservative Therapie eine spätere Erblindung verhindert werden kann."

Gelegentlich kommt es durch die Augentropfen zu Rötungen und zum „Brennen der Augen“. In diesem Fall können die Augentropfen auf eine andere Substanzklasse umgestellt werden oder es werden konservierungsmittelfreie Augentropfen gegeben.

Wenn durch diese Therapie der Augendruck nicht ausreichend gesenkt werden kann, und der Schaden am Sehnerv fortschreitet, entschließt man sich zu einer Operation, wobei Laseroperationen, fistulierende Operationen und nicht penetrierende Operationen möglich sind.

Eine aktuelle Studie in Opthalmology bestätigt, was auf die Behandlung des Glaukoms spezialisierte Augenärzte aus Erfahrung wissen: Moderne Behandlungen sind erfolgreich, die Zahl der Erblindungen aufgrund des Glaukoms verringert sich stark unter den behandelten Patienten.

Zunahme an Neuerkrankungen

In der EU sind derzeit etwa 9,25 Millionen Menschen am  Grünen Star erkrankt. Schätzungen zufolge wird diese Zahl aufgrund der alternden Bevölkerung in der EU bis 2020 auf 12,4 Millionen ansteigen, denn der Grüne Star ist vorwiegend eine Erkrankung des Alters. Ab dem fünfzigsten Lebensjahr verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit an einem Glaukom zu erkranken mit jedem Lebensjahrzehnt. In Österreich gibt es rund 80.000 am Glaukom Erkrankte, davon sind 35.000 bereits sehbehindert.

Durch die steigende Lebenserwartung ist in den kommenden Jahren mit bis zu 16.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu rechnen. Prof. Dr. Herbert Reitsamer, Leiter der Glaukomambulanz der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg: „Unsere vorliegenden Untersuchungen zeigen mit 42 Prozent eine dramatische Zunahme des Grünen Stars in der österreichischen Bevölkerung zwischen den Jahren 2000 und 2030.“

Das sei eine Entwicklung, so Reitsamer, die auch zu höheren Kosten im Gesundheitssystem und der Volkswirtschaft führt. Eine möglichst frühzeitige Erkennung dieser Erkrankung und die Gewährleistung eines möglichst patientenfreundlichen Zugangs zu Diagnose und Therapie sind auch unter diesem Gesichtspunkt sehr wichtig.

Umfrage zeigt zu geringes Wissen in der Bevölkerung

Dass für 97 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher die Augengesundheit ein kostbares Gut ist, überrascht wenig. Eine aktuelle Umfrage von Oekonsult communication & consulting gmbh zeigt allerdings einige sehr interessante Ergebnisse.

„Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung des Glaukoms und anderer Augenerkrankungen beim Augenfacharzt halten 93 Prozent der Befragten für sich selbst für sinnvoll, dennoch hat nur rund ein Drittel der Bevölkerung innerhalb der letzten drei Jahre einen Augenfacharzt zur Kontrolle aufgesucht“, erklärt Joshi Schillhab, Geschäftsführer von Oekonsult.

Zwar gaben knapp 80 Prozent der Befragten an, vom Begriff Glaukom bereits gelesen oder gehört zu haben, jedoch kennt nur rund jeder Vierte der Befragten den Unterschied zwischen dem Grünen Star (Glaukom) und dem Grauen Star. Bei beiden Erkrankungen kommt es zu einer Sehverschlechterung und beide können unbehandelt zu einer Erblindung führen. 

„Nur 27 Prozent der Befragten wissen, dass der Grüne Star zu einer dauerhaften Erblindung führen kann und 55  Prozent meinen fälschlicherweise, dass der Grüne Star bei entsprechender Behandlung heilbar wäre. "Wir wollen daher im Rahmen des Weltglaukomtages 2014 auch dazu beitragen, das Wissen der österreichischen Bevölkerung zum Thema Glaukom zu erweitern“, meint Dr. Anton Hommer, Vorstandsmitglied der Europäischen Glaukom Gesellschaft.

Zusammenhang mit Alzheimererkrankung

Der Sehnerv ist anatomisch Teil des Gehirns, die Frage, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen der Glaukomerkrankung - und der damit verbundenen Schädigung des Sehnervs - und dem M. Alzheimer gibt, liegt also nahe. Der Salzburger Ophthalmologe Reitsamer bestätigt diesen Zusammenhang,  unter den an Alzheimerdemenz leidenden Menschen gibt es einen deutlich erhöhten Anteil an Glaukomerkrankungen. Auch im Sehnerv findet man die gleichen Beta-Amyloid-Ablagerungen wie im Gehirn der Alzheimerpatienten. Reitsamer berichtet von einem geplanten Projekt der Salzburger Augenklinik, bei dem Augenärzte Demenzstationen von Altenpflegeheimen aufsuchen werden, und die Bewohner augenärztlich auf eine Glaukomerkrankung untersuchen werden.


http://www.wgweek.net/
Ökonsult-Umfrage: Augengesundheit 2014“: März 2014 Durchgeführt von der Oekonsult communication & consulting gmbh, Stichprobe: n= 1.013 (bundesweite repräsentative persönliche Befragung (Face-2-Face), österreichische Wohnbevölkerung im Alter von 15 bis 83 Jahren), Befragungszeitraum: 27. Februar bis 4. März 2014

www.augen.at
www.eugs.org

Glaukom-Risikotest als Download

Zum Downloaden bitte klicken! Glaukomrisikotest.pdf (84 KB)

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