zur Navigation zum Inhalt
Bei einem Sicca-Syndrom dürfen keinesfalls „Weißmacher“ verordnet werden.
 
Augenheilkunde 21. Dezember 2013

Trockenes Auge im Wechsel

Die Hormonumstellung in der Menopause kann sich auf den Tränenfilm des Auges auswirken.

„Das Syndrom des trockenen Auges, auch Sicca-Syndrom genannt,  ist nach Refraktionsfehlern die häufigste Diagnose in der augenärztlichen Praxis", erklärt Doz. Dr. Kaija Polak-Auerbach, Fachärztin für Augenheilkunde und Optometrie in Wien.

Es handelt sich um eine chronische Erkrankung von Bindehaut und Hornhaut, deren Inzidenz ab dem 40. Lebensjahr deutlich zunimmt. Bei 65-Jährigen beträgt sie bereits 70 Prozent. Die Symptome sind: Kratzen, Brennen, Rötung, ein reflektorisch erhöhter Tränenfluss und Lichtscheu.  „Bei Nicht-Behandlung werden Entzündungsprozesse in Gang gesetzt, die zum Untergang von Epithel- und schleimbildenden Zellen führen", so Polak-Auerbach. Verminderte Sehschärfe und eine Beeinträchtigung der Sehkraft sind die Folgen.

An Sjögren-Syndrom denken

Hormonelle Veränderungen in der Menopause sind nur eine mögliche Ursache des Sicca-Syndroms. Auch Diabetes, Autoimmunerkrankungen, Umweltfaktoren und Medikamente (orale Kontrazeptiva, Betablocker, Antihistaminika etc) begünstigen die Austrocknung des Auges. „Ist die Augentrockenheit mit Mundtrockenheit kombiniert, sollte an ein Sjögren-Syndrom gedacht werden", sagt Polak-Auerbach. Unter den Umweltfaktoren sind es vor allem Feinstaub und Ozon, die das Auge belasten, sowie Bildschirmarbeit (Office-Eye-Syndrom).

Der Tränenfilm des Auges besteht aus drei Phasen:

  • Die Lipidphase wird von den Meibom-Drüsen der Lidkante gebildet und dient als Verdunstungsschutz.
  • Die wässrige Phase wird von den Tränendrüsen gebildet und hat eine trophische und spülende Funktion. Sie enthält auch Immunglobuline und antibakterielle Substanzen und bietet somit einen gewissen Infektionsschutz.
  • Die mucinöse Phase wird von Becherzellen gebildet und ermöglicht das Anhaften der wässrigen Phase auf der Epitheloberfläche.

„Beim Sicca-Syndrom ist das Gleichgewicht dieser drei Phasen gestört", erklärt Polak-Auerbach. „Ein Circulus vitiosus aus Tränenmangel bzw. zu starker Verdunstung und Entzündungsreaktionen wird in Gang gesetzt." Da der Tränenfilm auch kleine Unebenheiten der Hornhaut ausgleicht, führt die Austrocknung des Auges auch zu verminderter Sehschärfe.

Einfluss der Hormone

Ein Androgendefizit, wie es in der Menopause oder bei Hormontherapien des Prostatakarzinoms vorkommt, verändert das Lipidprofil im Meibom-Sekret. Visköses Sekret verstopft die Ausführungsgänge, es kommt zur Blepharitis (chronische Lidrandentzündung). Der fehlende Lipidfilm vermindert die Anhaftung der Tränenflüssigkeit.

„Androgene wirken also in Hinsicht auf das trockene Auge protektiv, Östrogene dagegen scheinen das Sicca-Syndrom zu begünstigen", so Polak-Auerbach. „Studien weisen darauf hin, dass sich die Symptomatik  bei Frauen in der Schwangerschaft, unter oralen Kontrazeptiva oder bei Östrogen-Monotherapie verstärken kann."

Keine Weißmacher verordnen!

„Bevor eine Therapie begonnen wird, ist es wichtig festzustellen, ob ein Tränenmangel oder eine Benetzungsstörung vorliegt", betont Polak-Auerbach. Zur lokalen Therapie zählt die Tränensubstitution mit Tropfen oder Salben sowie die Lidrand-Hygiene, um die Funktion der Meibom-Drüsen zu verbessern. Auf keinen Fall dürfen „Weißmacher" (Alpha-Sympathomimetika), die bei akuten Bindehautentzündungen verordnet werden, angewendet werden, warnt Polak-Auerbach: „Sie verschlechtern die Symptomatik des trockenen Auges."

Quelle: Vortrag im Rahmen des Kongresses „Menopause – Andropause – AntiAging", 5.- 7. Dezember 2013, Wien

C. Lindengrün, springermedizin.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben