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Augenheilkunde 13. April 2006

Ursachen des Sehverlusts im Alter

"Katarakt, Makuladegeneration, Netzhautabhebung, Glaukom, aber auch akute Gefäßverschlüsse der Netzhaut und diabetische Retinopathie", nannte Prof. Dr. Susanne Binder, Vorstand der Augenabteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung, im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung als Hauptursachen für einen Sehverlust im Alter.

"Zur Katarakt-Symptomatik gehören neben zunehmendem Schleiersehen, monokularen Doppelbildern und Myopisierung auch eine konzentrische Gesichtsfeldeinschränkung und gestörte Lichtempfindung", erläuterte Binder. Das moderne Verfahren der Kleinschnitt-Technik und Verwendung einer Faltlinse verkürze zwar die Operationsdauer, benötigt würden aber aufwändige Voruntersuchungen.

Als Komplikation ist die Kapselruptur mit Linsenluxation möglich: Folgen sind eine phakogenen Uveitis (0 bis 15 Prozent), ein sekundäres Glaukom (0 bis 47 Prozent) oder ein chronisches zystisches Makulaödem (5,4 Prozent). Auch Netzhautabhebung (7,4 - 13%) oder ein Hornhautödem (2,7%) kommen vor. "Zukünftige Operationsmethoden mittels Laser und mit Verwendung akkomodativer Linsenmaterialien werden bereits entwickelt", meinte Binder.

Die altersbedingte Makuladegeneration

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) betrifft 10 bis 25 Prozent der Bevölkerung im Alter von 50 bis 75 Jahren, wobei Frauen stärker gefährdet sind. Neben einer genetischen Disposition gelten auch Nikotin und Hypercholesterinämie als Ursachen. In 85% der Fälle handelt es sich um eine trockene (atrophe) Form mit Pigmentepitheldegeneration, in 15% um die feuchte (exsudative) AMD mit chorioidalen Neovaskularisationen, die mit sub- oder intraretinalen Blutungen, subretinalen Exsudat und Abhebung des Pigmentepithels einhergehen. 

"Frühsymptome sind Verzerrtsehen oder das Sehen eines grauen Flecks, auch Metamorphopsien kommen vor", beschreibt Binder. Mit dem so genannten "Amsler-Netz", einem Gitternetz, das aus 35 Zentimeter Entfernung betrachtet wird, können diese Erstsymptome leicht festgestellt werden. Je nach Lokalisation der Neovaskularisationen können Laser, photodynamische oder transpupillare Thermo-Therapie eingesetzt werden. Membranektomie allein bringt keine Visusverbesserung, in Kombination mit autologer RPE-Transplantation (RPE = retinales Pigmentepithel) beträgt die Besserungsrate jedoch bis 40 Prozent.

"Eine akute Netzhautabhebung mit Makulabedrohung ist immer ein Notfall", betont Binder. Denn bei Bestehenbleiben über eine Woche lang drohe sicherer Visusverlust auch bei anatomischer Heilung. Eine Netzhautablösung beginnt mit Mouches volantes, Lichtblitzen, Gesichtsfeldeinengung ("Vorhang" oder "Mauer" im Gesichtsfeld!) oder Verchwommensehen. Schmerzen bestehen jedoch nicht! 

Anatomische Ursachen einer Netzhautablösung

Anatomische Ursachen sind Glaskörperverflüssigung und Rissbildung in der Netzhaut. Prädisponierend sind Alter, Myopie und Verletzungen oder (Katarakt-)Operationen. Mögliche Therapieformen seien Ballon- oder Episkleral-Plombe, Cerclage plus Drainage, intravitreale Zufuhr eines expandierenden Gases (pneumatische Retinopexie) bzw. Vitrektomie. Netzhautrisse könnten mit Kryo- oder Laserkoagulation behandelt werden.

Stehen neben Sehstörungen (Nebel, Newton´sche Ringe) Schmerzen im Vordergrunde, handelt es sich meist um ein akutes Glaukom. Bei zwei Drittel der Fälle handelt es sich um ein Offenwinkelglaukom. Der Bulbus ist steinhart, das Auge gerötet mit Epithelödem der Hornhaut. Es droht Optikusatrophie, im Optikusbereich findet man pulsierende Gefäße. Die Akuttherapie besteht in der Gabe von Acetazolamid intravenös und zweiprozentigen Pilocarpin-Augentropfen. 

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