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Augenheilkunde 13. April 2006

OP bei Hypermetropie, Presbyopie

Da das Auge eines jungen Menschen die Fähigkeit besitzt, im Rahmen der Akkommodation bis zu +3,0 Dioptrien (dpt) Weitsichtigkeit meist problemlos zu korrigieren, besteht verständlicherweise geringerer Bedarf einer konventionellen oder chirurgischen Korrektur bei Hypermetropie im jugendlichen Alter. 

Problem Akkomodationsverlust

Die Problematik stellt sich erst mit zunehmendem Alter ab dem 40. Lebensjahr, wenn die Akkomodationsfähigkeit des Auges nachlässt. Dann benötigen diese Menschen zwei Brillen; eine für die Ferne und eine zum Lesen. Durch die Anpassung einer Kontaktlinse ist nur noch eine Brille (meist Lesebrille) notwendig. Die Problemlösung des Akkomodationsverlustes stellte für den Augenarzt schon immer eine Herausforderung dar.

Hypermetropie

Im Gegensatz zur operativen Myopiekorrektur, bei welcher die Hornhaut mittels Excimer Laser zentral abgeflacht wird, ist es bei hypermetropen Patienten notwendig, die Steilheit der zentralen Hornhaut zu verstärken. Um dies zu erreichen, wird die Hornhaut in der mittleren Peripherie abgetragen (Abbildung 1).  Wie bei der Myopiekorrektur (siehe Ärzte Woche Nr. 32/18.September 2002, Seite 4) besteht auch hier die Möglichkeit, die PRK (Photorefraktive Keratektomie) oder LASIK (Laser in situ Keratomileusis) Methodik anzuwenden. Es gibt noch keine veröffentlichten Arbeiten hinsichtlich der Therapie der Hypermetropie mittels der LASEK Methode (Laser in situ epithelial Keratomileusis), sie werden aber in den nächsten ein bis zwei Jahren erwartet.

Die Grenzen sind bei hornhautrefraktiven Eingriffen (PRK und LASIK) für die Hypermetropie bei +3.0 dpt gesetzt. Bis zu dieser Höhe ist die Erfolgsrate zufriedenstellend, auch wenn es langfristig zu einer Regression kommt. 70 Prozent dieser Patienten sind postoperativ brillenfrei und über einen Zeitraum von 2 Jahren ist eine durchschnittliche Regression von + 0,5 dpt zu erwarten. Beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Katarakt und Refraktive Chirurgie (ESCRS) im September 2002 in Nizza wurden einige neue operative Methoden wie Thermokeratoplastik (Aufsteilen der zentralen Hornhaut durch punktförmige Laserherde in der mittleren Hornhautperipherie) oder Intraokularlinsenimplantationen vorgestellt. All diese neuen Methoden werden noch im Rahmen von Studien angewandt und können noch nicht als routinemäßige Verfahren empfohlen werden.

Presbyopie

Da mit zunehmendem Alter die Linse starrer wird und auch die Ziliarmuskulatur atrophiert, verlieren wir zunehmend die Fähigkeit, ohne Korrektion in der Ferne und in der Nähe "scharf" sehen zu können (Akkomodation). Die Akkomodation ist ein funktionell aktiver Vorgang und der Großteil der etablierten konservativen (Kontaktlinse) und operativen Methoden erlauben uns ein brillenfreies Leben für die Ferne oder für die Nähe.
Auch wenn mehrere Versuche unternommen wurden, akkomodative Intraokularlinsen zu entwickeln, ist dies bis heute noch nicht zufriedenstellend geglückt. Die einzige Möglichkeit, gleichzeitig eine Fern- und eine Naheinstellung zu erreichen, besteht in der Implantation von multifokalen Intraokularlinsen (Abbildung 2). 

Dies ist entweder durch den Austausch der eigenen gegen eine künstliche Linse möglich oder durch die Implantation einer zweiten multifokalen Intraokularlinse in die Vorderkammer. Auch wenn bei der diesjährigen ESCRS zahlreiche Studien ein brillenfreies Leben für Ferne und Nähe bei einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 2 Jahren mit beinahe 80 Prozent angaben, dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass jeder intraokulare Eingriff ein Infektionsrisiko von 1:1000 mit sich birgt.

Nur bei hohem Leidensdruck

Zusammenfassend muss gesagt werden, das die operative Therapie der Weitsichtigkeit ab +3 dpt und Presbyopie derzeit leider noch nicht zufriedenstellend gelöst ist ,und wir empfehlen nur Patienten mit hohem Leidensdruck, sich einer intraokularen Linsenimplantation zu unterziehen. 
Kontaktlinsen stellen nach wie vor eine gute Korrekturmöglichkeit dar, und es besteht auch die Möglichkeit, Kontaktlinsen mit Multifokalfunktion zu bekommen. Diese Kontaktlinsen können vielen Menschen ein "brillenfreies Leben" ermöglichen. 

Dr. Navid Ardjomand,Dr. Bertram Vidic, Ärzte Woche 36/2002

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