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Augenheilkunde 27. November 2013

Visusprognose nach Gamma Knife Radiochirurgie von Aderhautmelanomen

Hintergrund

In der Mehrzahl der Fälle können Aderhautmelanome mittels strahlentherapeutischer Verfahren unter Erhaltung des Auges behandelt werden. Häufig kommt es jedoch nach der Behandlung zu einer Visusverschlechterung. Das Ziel der Studie war die Erstellung eines Modells zur Abschätzung der Visusprognose nach Gamma Knife Radiochirurgie, als Hilfestellung bei der Therapieentscheidung und zur Unterstützung bei der Aufklärung der PatientInnen vor der Behandlung.

Material und Methodik

Alle zwischen Juni 1992 und Mai 2010 an der Univ. Augenklinik Graz mit Gamma Knife Radiochirurgie wegen eines Aderhautmelanoms behandelten PatientInnen wurden ausgewertet. Erhoben wurden der initiale Visus und der Zeitpunkt des Visusverlustes, PatientInnen-, Tumor- und Behandlungsparameter. Ein multivariates Cox Regressionsmodell zur Bestimmung der Wahrscheinlichkeit eines Visusverlustes wurde berechnet. Um den PatientInnen schon während des Erstgesprächs bei der Therapieentscheidung eine Prognose über ihr Sehvermögen nach der Behandlung geben zu können, wurde eine Nomogramm erstellt.

Resultate

Im Untersuchungszeitraum wurden 189 PatientInnen mit dem Gamma Knife behandelt. Die Wahrscheinlichkeit eines Visuserhaltes von präoperativ besser als 0,5, 0,1 und Fingerzählen betrug fünf Jahre nach der Behandlung 13 %, 14 % und 36 %. Tumorparameter (Größe und Lage) und eine begleitende seröse Netzhautablösung waren die entscheidenden Risikofaktoren für eine Visusverschlechterung. Behandlungsparameter (Dosis, Isodose) und PatientInnenparameter (Geschlecht, Alter, systemische Erkrankungen) waren weniger wichtig. Die Güte des Nomogramms zur Vorhersage des Visusverlustes beträgt 0,7 (concordance index).

Schlussfolgerungen

Die Auswahl der für die Therapieform geeigneten PatientInnen ist der entscheidende Faktor für das Visusergebnis nach Gamma Knife Radiochirurgie. Die Behandlung sehr großer Aderhautmelanome in unmittelbarer Nähe zur Papille und mit begleitender Netzhautablösung, mit dem vorrangigen Ziel des Augenerhaltes, resultiert in schlechten Visusergebnissen. Die schwierige Therapieentscheidung zwischen dem PatientInnenwunsch nach augenerhaltender Therapie auch bei zu erwartender Sehverschlechterung, und Schmerzen sowie Kosten verursachenden Behandlungen mit schlechter Prognose kann durch eine einfachere Abschätzung des Behandlungserfolges vor der Therapie – wie es das Nomogramm ermöglicht – erleichtert werden.

Dr. Werner Wackernagel, Dr.In Lisa Tarmann, Dr. Christoph Fidel Mayer, Dr. Etienne Holl, Mag.Dr.rer.nat Alexander Avian, Dr.in Mona Regina Schneider, Michael Sommer, Univ.-Prof.in Dr.in med.univ. Karin S. Kapp, Univ. Prof. Dr. Gerald Langmann, Spektrum der Augenheilkunde 6/2013

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