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© Angela Constantinescu/Daniel Koester, KIT
 
Augenheilkunde 6. September 2013

Smartphone ersetzt Blindenstock

Sichere Navigation für sehgeschädigte Menschen.

Für Blinde und Sehbehinderte Menschen ist die Bewegung an fremden Orten ein großes Problem. Dabei ist der Blindenstock bis heute das gängigste Werkzeug zur Orientierung. Das Projekt „A Mobility and Navigational Aid for Visually Impaired Persons“ will sehgeschädigten Menschen durch computerunterstütztes Sehen helfen, neue Umgebungen zu erkunden.

Das System soll mit einer Kamera und einem mobilen Computer oder einem Smartphone Hindernisse erkennen, in Echtzeit auswerten und dem Benutzer übermitteln. Dabei soll die Kamera nicht nur die Hindernisse identifizieren, sondern beispielsweise auch Ampelzeichen erfassen oder den Weg zum Eingang eines Gebäudes ermitteln können. Der mobile Computer soll diese Informationen dann mithilfe akustischer und haptischer Signale, wie Sprache, Warntönen oder Vibration, übermitteln.

Vorlesesoftware und andere bereits gängige Hilfssysteme

Ziel ist es, diese Technik später über eine Software-Lösung für Smartphones zu verwirklichen, da diese weit verbreitet und für blinde Nutzer gut bedienbar sind. So beinhalten gängige Betriebssysteme für Smartphones bereits Vorlesesoftware, mit deren Hilfe der Bildschirminhalt via Sprachausgabe vorgelesen werden kann und die Bedienung des Touchscreens mittels spezieller Gesten für blinde Benutzer möglich wird. Zudem verfügen die Geräte über immer höhere Rechenleistung.

Mittelfristig sollen erste Prototypen entstehen, die sehgeschädigte Personen zunächst auf dem Campus des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) testen werden, bevor das System auf weitere Orte ausgeweitet wird.

„Unser System soll sich schon in der Entwicklungsphase an die konkreten Bedürfnisse der späteren Benutzer anpassen“, erklärt Prof. Rainer Stiefelhagen, Inhaber des Lehrstuhls „Informatiksysteme für sehgeschädigte Studierende“. Stiefelhagen ist sowohl Leiter des Studienzentrums für Sehgeschädigte als auch einer Forschungsgruppe zum Thema „Computer Vision for Human-Computer Interaction“.

Google Faculty Research Award

Für die Entwicklung dieses Systems erhält die Forschungsgruppe um Stiefelhagen den mit 83.000 US-Dollar dotierten „Google Faculty Research Award“. Dieser wird weltweit an ausgewählte universitäre Forschungsprojekte aus der Informatik, den Ingenieurwissenschaften und verwandten Bereichen vergeben und soll die universitäre Forschung sowie den Austausch mit den Universitäten unterstützen. Der Preis fördert einen Nachwuchswissenschaftler des Förderprojekts über ein Jahr.

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