zur Navigation zum Inhalt
 
Augenheilkunde 30. Juni 2005

Frühdiagnose beim Glaukom rettet das Augenlicht

"Das Glaukom, oder auch grüner Star genannt, ist neben der altersbedingten Makuladegeneration die häufigste Erblindungsursache in der zivilisierten Welt", so Dr. Anton Hommer von der Augenabteilung der Krankenanstalt "Sanatorium Hera" in Wien.

Die Bezeichnung Glaukom ist ein Überbegriff für eine ganze Reihe von Augenerkrankungen, deren Gemeinsamkeit der charakteristische Gesichtsfeldverfall im Einklang mit den entsprechenden typischen Veränderungen der Papille ist. Hommer: "Früher ist Glaukom mit erhöhtem Augeninnendruck gleichgestellt gewesen, inzwischen wissen wir aber, dass dieser zwar der wichtigste Risikofaktor ist, aber nicht unbedingt bei jedem Glaukomkranken vorliegen muss."

Einteilungskriterien und Risikofaktoren

Nach ätiologischen Gesichtspunkten werden primäre von sekundären Glaukomen unterschieden, der Klinik nach akute von chronischen. "Das primäre Offenwinkelglaukom ist mit über 80 Prozent die bei uns häufigste Form des Glaukoms", erklärt Hommer.

Als wichtigste Risikofaktoren gelten neben dem erhöhten Augeninnendruck - der Normbereich liegt zwischen 10 und 21 mm Hg - die familiäre Belastung und das Alter. Bei erstgradig verwandten Glaukomkranken ist das Risiko, am Glaukom zu erkranken, um 30 Prozent höher, außerdem steigt die Inzidenz bei über 40-Jährigen deutlich an. "Auch bei Hypertonikern und Diabetikern ist die Gefahr zu erkranken erhöht", so Hommer weiter.

Unbemerkter Beginn, schleichender Verlauf

Die Diagnose der Erkrankung ist aufgrund des unbemerkten Beginns und des schleichenden Verlaufs fast immer eine Zufallsdiagnose. Es erkranken zwar meist beide Augen, der Beginn und Verlauf beim Partnerauge kann aber mit einer bis zu zehnjährigen Verzögerung erfolgen. "Die Drucksteigerung erfolgt langsam und vom Erkrankten meist unbemerkt", warnt Hommer.

Die Gesichtsfelddefekte, welche oft erst einseitig auftreten, werden vom noch gesunden Auge kompensiert, und damit ist eine Frühdiagnose aufgrund von Patientenbeschwerden sehr selten. "Auch die Tatsache, dass diese Gesichtsfelddefekte bogenförmig in der Peripherie beginnen und das zentrale Sehen lange Zeit intakt bleibt, führt zu einer langen Phase der Beschwerdefreiheit bei bereits Erkrankten", erklärt Hommer.

Veränderungen meist nicht reversibel

Bereits vorhandene Veränderungen auf der Papille und Gesichtsfelddefekte sind meist nicht reversibel. Die Therapie dient nur der Erhaltung des noch intakten Gesichtsfeldes beziehungsweise einer Verzögerung im Verlauf der chronischen Erkrankung. Hommer: "Sowohl bei okulärer Hypertension als auch beim Offenwinkelglaukom sind augenärztliche Kontrollen zumindest alle drei Monate erforderlich, eine Gesichtsfeldbestimmung mindestens einmal im Jahr."

Die medikamentöse Behandlung stellt den ersten Schritt dar. Als Initialtherapie sollte ein Einzelpräparat angewendet werden - wirkt dieses nicht ausreichend, ist es ratsam, andere Monosubstanzen zu versuchen, bevor ein Kombinationspräparat zur Anwendung kommt. Hommer: "Die erste Wahl sind im Moment Betablocker. Als Alternative stehen Prostaglandine, Carboanhydrasehemmer und Alpha-2 Agonisten zur Verfügung."

Indikationen zur Operation

Wenn trotz medikamentöser Therapie die Augendrucksenkung nicht ausreichend erfolgt, und/oder Gesichtsfeld und/oder Papillenbefund sich verschlechtern, muss an eine Operation gedacht werden.

"Die früher häufiger angewandte Laserbehandlung senkt den Augendruck leider nur bei manchen Patienten, und es kommt nach einigen Jahren zum neuerlichen Druckanstieg", so Hommer weiter, "Meist wird daher der <N>- fistulierenden Operation <N>der Vorzug gegeben. Ihr nicht vorherzusagender Erfolg und das mögliche Operationsrisiko erklären, warum dieser Schritt insgesamt aber operativ nicht erste Wahl ist." Nach einer Operation ist es sowohl möglich, dass der Patient keine Medikation mehr benötigt oder im Laufe der Zeit doch wieder eintropfen muss. "In jedem Fall sind auch danach regelmäßige augenfachärztliche Kontrollen erforderlich", so Hommer abschließend.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben