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Augenheilkunde 23. März 2013

Dem „Grünen Star“ vorbeugen

Ein Großteil der Betroffenen ahnt nichts von der Erkrankung, da diese anfangs völlig ohne Symptome verläuft und daher lange Zeit unerkannt bleibt.

Das Glaukom, eine Erkrankung des Sehnervs, ist in der westlichen Welt die häufigste Erblindungsursache. Der Verlauf ist schleichend und die Erkrankung wird oft erst bei bereits irreparabler Schädigung des Sehnervs erkannt. Die Betroffenen leiden dann unter Gesichtsfeldausfällen, die bis zur völligen Erblindung reichen können. Nur mit der regelmäßigen Glaukomkontrolle kann der „Grüne Star“ rechtzeitig erkannt werden.

„Beim klassischen chronischen Glaukom ist die Sehschärfe lange Zeit nicht beeinträchtigt, während jedoch die Nervenfasern der Netzhaut und des Sehnervs zerstört werden. Dies führt zu Gesichtsfeldausfällen, die dem Betroffenen anfangs nicht auffallen, sich aber vergrößern und letztlich das zentrale Gesichtsfeld erreichen. Oft wird die Erkrankung erst in diesem Stadium von den Betroffenen bemerkt, zu einem Zeitpunkt, bei dem das Glaukom nicht mehr gestoppt werden kann“, erklärte Prof. Dr. Christoph Faschinger, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Stv. Klinikvorstand der Universitäts-Augenklinik der Medizinischen Universität Graz, im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich des Weltglaukomtags 2013 am 12. März.

Früherkennung durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Daher sollte jeder Mensch ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich zur Glaukomkontrolle beim Augenarzt gehen. „Die allgemeine augenärztliche Untersuchung ist schmerzfrei und inkludiert neben der Messung des Augeninnendrucks die Bestimmung der Sehschärfe, die Begutachtung von Sehnervenkopf und Netzhautnervenfasern sowie bei Bedarf eine Gesichtsfeldbestimmung. Wenn der Verdacht auf Glaukom besteht, muss eine computerunterstützte Gesichtsfelduntersuchung durchgeführt werden“, erläuterte Dr. Anton Hommer, Vorstandsmitglied der Europäischen Glaukom Gesellschaft. Eine zuverlässige Diagnose kann aber oft erst durch eine Beobachtung über einen gewissen Zeitraum gestellt werden. Nur durch regelmäßige Kontrollen kann das Glaukom rechtzeitig entdeckt und mit entsprechender Therapie behandelt werden.

Die Senkung des Augeninnendrucks ist dabei ein entscheidender Ansatzpunkt und wird in den meisten Fällen medikamentös mit Augentropfen als Dauertherapie erreicht. Eine lebenslang notwendige Therapie ist aber in hohem Maße auch vom Verständnis der Patienten für das Krankheitsbild abhängig. „Information ist beim Glaukom das um und auf“, so Faschinger.

Reicht die lokale Dauertherapie nicht aus, kann eine Lasertherapie oder eine sogenannte filtrierende Operation erforderlich sein. Ziel ist es in jedem Fall, das Zugrundegehen der Nervenfasern zu verlangsamen bzw. zu verhindern.

Versorgungsqualität sichern

Der Augendruck ist jedoch nur ein Indikator beim Glaukom und weder ein normaler, noch ein – statistisch gesehen – erhöhter Augendruck ist alleine aussagekräftig genug, um eine gesicherte Diagnose zu stellen. Dafür ist jedenfalls eine gründliche Untersuchung durch einen Augenarzt nötig“, unterstrich Dr. Helga Azem, Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft. Dabei werden folgende Untersuchungen zusätzlich durchgeführt:

• Die Beurteilung des Augenhintergrundes im dreidimensionalen Bild – dabei wird das Ausmaß der Schädigung des Sehnervs anhand der Größe, Farbe und Form des Sehnervs und seiner Eindellung bestimmt.

• Die Gesichtsfelduntersuchung dient zur Bestimmung der Grenzen des Gesichtsfeldes und der Empfindlichkeit des Sehsystems im wahrgenommenen Raum.

• Das OCT (Optische Kohärenztomographie), wobei die Dicke der Nervenfasern und der Grad der Schädigung derselben erfasst werden. Das OCT ist für die Frühstadien und für Verlaufskontrollen der Erkrankung eine diagnostische Hilfe. Bei diesem Untersuchungsverfahren wird der Augenhintergrund mit Licht punktweise abgetastet.

Beim Glaukom bedeutet eine zu späte Diagnose irreversible Schäden, die persönliches Leid für die Betroffenen und Folgekosten für die Gesellschaft mit sich bringen. Azem ortet in diesem Zusammenhang auch eine Gefahr durch die aktuellen Tendenzen in Gesundheits- und Wirtschaftspolitik: „Hier kommt es unter dem Deckmantel von Rationalisierung zu Rationierung und Leistungseinschränkungen. Durch den Versuch, Leistungen zu nichtärztlichen Berufen zu verschieben, in der Hoffnung dadurch Kosten zu sparen, kommt es zu einer Entprofessionalisierung und zu Qualitätsverlust. Der Verlierer ist zuallererst der Patient, dessen Sehkraft zum Spielkapital wird, und danach die Gesellschaft, welche die Folgekosten, die eine starke Sehbehinderung zur Folge hat, tragen muss.“

80.000 Glaukomfälle – Tendenz steigend

In der EU sind derzeit etwa 9,25 Millionen Menschen am „Grünen Star“ erkrankt, Schätzungen zufolge wird diese Zahl aufgrund der alternden Bevölkerung in der EU bis 2020 auf 12,4 Millionen ansteigen. Ab dem fünfzigsten Lebensjahr verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit an einem Glaukom zu erkranken mit jedem Lebensjahrzehnt. In Österreich gibt es 80.000 Betroffene, davon sind 35.000 bereits sehbehindert. In den kommenden Jahren wird mit bis zu 16.000 Neuerkrankungen pro Jahr gerechnet. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist es wichtig, die Erkrankung beziehungsweise das Erkrankungsrisiko frühzeitig zu erkennen und einen möglichst patientenfreundlichen Zugang zu Diagnose und Therapie zu gewährleisten.

Quelle: Pressekonferenz anlässlich des Weltglaukomtags 2013, 6. März 2013, Wien

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