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Augenheilkunde 30. Juni 2005

Behandlung altersbedingter Makula-Degeneration

Wien. Beim früheren US-Botschafter in Wien, Henry Grunwald, führte die Krankheit zur Erblindung. In Österreich gibt es rund 25.000 Menschen, die daran leiden, pro Jahr etwa 1.000 neue Fälle. Die Rede ist von der altersbedingten (feuchten) Makula-Degeneration (AMD), einer Schädigung der Netzhaut, die zum Verlust des zentralen Sehens führt.

Das Pharma-Unternehmen Novartis hat eigenen Angaben zufolge durch die Entwicklung eines Wirkstoffs eine neuartige Therapie mit Laser ermöglicht.

Wirkstoff wird durch Licht aktiviert

Die Crux dabei, wie bei einer Pressekonferenz in Wien bemängelt wurde: Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger hat die Übernahme der Kosten trotz guter Erfolge abgelehnt.

Der von Novartis Ophthalmics entwickelte, durch Licht aktivierbare Wirkstoff heißt Verteporfin. Er wird injiziert und mit Hilfe eines speziellen nicht-thermischen Lasers auf die erkrankten, "aufgequollenen" Zellen der Netzhaut aufgebracht. Auf diese Weise werden kranke Gefäße gezielt verschlossen. Die Behandlung - sie sollte möglichst bald nach Auftreten erster Symptome beginnen und wird binnen zwei Jahren meist zwei- bis vier Mal wiederholt - kann innerhalb von zwei Stunden durchgeführt werden, der Patient muss allenfalls ein oder zwei Tage im Spital bleiben. In klinischen Studien konnte bei 60 Prozent der Betroffenen die Sehkraft erhalten, bei 13 Prozent sogar verbessert werden.

Kosten bis zu 250.000 Schilling pro Patient

Als erfolgreich hat sich die Therapie auch bei krankhafter Kurzsichtigkeit erwiesen. Verteporfin wurde im Juli 2000 europaweit zugelassen. In Österreich werde die Behandlung laut Novartis und Dr. Helga Azem, Fachgruppenobfrau Augenärzte in der Ärztekammer, an elf Kliniken und in fünf privaten Zentren durchgeführt. Die Behandlungskosten - bis zu 250.000 Schilling pro Patient - werden zu einem großen Teil von den Spitälern getragen. Wo dies dem Spitalserhalter nicht möglich ist, gibt es keine Therapie.

Davon betroffen sind die Bundesländer Niederösterreich, Kärnten, Steiermark und das Burgenland. Schätzungen zufolge bleiben derzeit rund 500 Betroffene pro Jahr unbehandelt. Der Antrag von Novartis zur Finanzierung im niedergelassenen Bereich sei abgelehnt worden, kritisierte die Leiterin von Novartis Ophthalmics, Dr. Silvia Heise-Grubner.

Laut Azem sind mehr als zehn Prozent der niedergelassenen Augenärzte in der Lage, die Therapie durchzuführen. Berechnungen zufolge sind die Therapie-Kosten nur halb so hoch wie Aufwendungen für jene Patienten, die unter dem Verlust der Sehkraft leiden: Sie erhalten Pflegegeld, hinzu kommen Folgekosten nach Stürzen und sonstigen Unfällen, die ihre Ursache in der Erkrankung haben.

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