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Augenheilkunde 30. Juni 2005

Grüner Star: 1x täglich tropfen genügt!

"Unsere Studie zeigt, dass die Monotherapie mit dem Wirkstoff Latanoprost genauso wirksam ist, wie die fixe Kombinationstherapie mit Dorzolamid/Timolol", berichtet Dr. Detlev Spiegel, Ophthalmologe an der Abteilung für Augenheilkunde der Univ.-Klinik Regensburg.

"Das Angenehme für den Patienten dabei ist, dass Latanoprost nur einmal täglich verabreicht werden muss - im Gegensatz zur fixen Kombination."

Effektivität neuerlich bewiesen

Die deutsche Studie wurde im Mai beim Jahreskongress der amerikanischen "Forschungsgesellschaft für Sehen und Augenheilkunde" (Association for Research in Vision and Ophthalmology, ARVO) in Fort Lauderdale präsentiert. Es ist bereits die zweite klinische Studie, die zu diesem Ergebnis kommt.

Es handelte sich um eine multinationale, offene Studie über drei Monate. 225 Patienten mit einseitigem oder beidseitigem Weitwinkel-Glaukom oder Pseudoexfoliations-Glaukom nahmen teil. 113 von ihnen wurden einmal täglich (22.00 Uhr) mit Latanoprost behandelt, 112 zweimal täglich mit der fixen Kombination aus Dorzolamid/Timolol (8.00 und 22.00 Uhr).

Beide Therapien führten zu einer signifikanten Verminderung des Augeninnendrucks: Bei 52 Prozent der Patienten aus der Latanoprost-Gruppe wurde eine Senkung des Intraokular- drucks um mehr als 20 Prozent erreicht.

Mit Dorzolamid/Timolol gelang dies nur bei 43 Prozent. Bei Fünf der mit Latanoprost und 30 der mit Dorzolamid/Timolol Behandelten traten unerwünschte Augenreizungen auf. In beiden Gruppen schieden je zehn Patienten vorzeitig aus der Untersuchung aus.

In Österreich mehr als 3.200 Glaukomblinde

"Entsprechend den europäischen Richtlinien zum Glaukom ist die Monotherapie der Kombinationstherapie vorzuziehen", sagt Univ.-Prof. Dr. Christoph Faschinger, Facharzt für Augenheilkunde an der Grazer Universitätsklinik.

"Erst wenn die Monotherapie nicht die gewünschten Ergebnisse bringt, sind eventuell Kombinationen anzuwenden. Bei dieser gesicherten Wirksamkeit ist jedenfalls die frühzeitige Monotherapie mit Latanoprost zu empfehlen. Die einmal tägliche Therapie erhöht den Komfort für den Patienten und dadurch auch seine Compliance enorm!"

Unter "Glaukom" wird eine komplexe Gruppe von Augenerkrankungen zusammengefasst, deren gemeinsames Merkmal eine irreparable Schädigung des Sehnervs ist. Über 80.000 ÖsterreicherInnen und mehr als 8 Millionen Menschen weltweit sind davon betroffen. Der Grüne Star ist eine der häufigsten Ursachen für Erblindung. In Österreich leben derzeit rund 3.200 Glaukomblinde.

Betroffen kann jeder sein, doch bestimmte Menschen tragen ein erhöhtes Risiko: jene über 40 Jahre, DiabetikerInnen, Menschen mit Glaukom in der Familienanamnese und solche mit erhöhter Kurzsichtigkeit.

Behandelt wird meist mittels Augentropfen, die einmal oder mehrmals täglich verabreicht werden. Um eine weitere Schädigung zu verhindern, muss der Patient die Therapie allerdings konsequent fortführen. Alternativ beziehungsweise in weiterer Folge kann auch eine operative Behandlung notwendig sein.

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