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Augenheilkunde 30. Juni 2005

Augenverletzungen - jede Minute zählt

"Bei der Versorgung einer Verätzung also zum Beispiel mit Kalkmörtelspritzern im Auge kann es auf Sekunden ankommen. Es gilt: spülen, spülen, spülen, am besten mit Wasser, aber jede Flüssigkeit, die vorhanden ist, ist besser als nicht spülen", formuliert Dr. Michael Brandstetter, Oberarzt an der Abteilung für Augenheilkunde im Hanusch-Krankenhaus, Wien, sehr eindrücklich.

Bei einer Verätzung ist die Bindehaut weiß, das Auge sieht aus "wie ein gekochtes Fischauge" Zur Schmerzlinderung können 2 ml Xylocain oder Scandicain aufgezogen und ins Auge geträufelt werden. Schnell handeln ist wegen der dramatischen Langzeitfolgen äußerst wichtig: es kommt zur Ein-sprossung von Gefäßen in die Hornhaut, weiters zu Bindegewebssträngen, die einen Lidschluss und somit Befeuchtung des Auges unmöglich machen. Verätzung mit Säure ist wesentlich seltener, kommt aber in Autowerkstätten vor, wo mit undichten Batterien hantiert wird.

Die Contusio Bulbi ist die typische Verletzung beim Tennis- oder Squash-Spiel. Wegen der Komplikationen sollte eine fachärztliche Begutachtung erfolgen. "Da noch bis zu 20 Jahren später ein Augendruckanstieg erfolgen kann, ist die jährliche Augendruckmessung von besonderer Bedeutung", betont Brandstetter.

Weitere Komplikation sind möglich: Hornhaut- oder Bindehautverletzungen, Perforation okulärer Strukturen, Vorderkammerblutung, Linsen(sub)luxation, Bulbusmotilitätsanstieg, Glaskörperblutung und Netzhautödeme, -blutungen, -einriss oder -abhebung.

Perforierende Augenverletzungen finden sich nach Autounfällen oder aber typischerweise mit "Flex-Anamnese". "Hier gilt: sofort antibiotische Augentropfen, aber keine Salben! Im Falle einer Operation sind Salben nämlich sehr schwer wieder aus dem Auge zu spülen", rät Brandstetter. "Verbinden Sie das Auge mit einem trockenen, sterilen Schutzverband. Bei längeren Fahrzeiten in das nächste Krankenhaus kann eine intravenöse Antibiotikagabe nötig sein."

"Plötzlicher massiver Visusabfall mit Schmerzen deutet auf einen Glaukomanfall hin", so Brandstetter. Die Symptome sind meist typisch: streng einseitig gerötetes Auge, plötzlicher Beginn der Schmerzen. Die häufig begleitende abdominelle Symptomatik steht oft Vordergrund, es gilt daher, das rote Auge nicht zu übersehen. "Durch Palpation des wirklich steinhartem Bulbus ist die Diagnose jedoch eindeutig", so Brandstetters Tipp.

Die Notfalltherapie: 1 Ampulle Acetazolamid (Diamox®) oder eine andere entwässernde Substanz wie Furosemid sowie Beta-Blo-cker- oder Pilocarpin-Augentropfen. Beschreibt ein Patient einen massiven schmerzlosen Visusausfall mit den Worten: "Es ist so, als ob jemand einen Lichtschalter abgedreht hätte", ist an einen Zentralarterienverschluss zu denken. Notfalltherapie besteht in maximaler Augendrucksenkung mit 1 Ampulle Acetazolamid (Diamox®), Betablockeraugentropfen oder Nitropräparaten. Wichtig ist eine 2-3minütige Bulbusmassage. Erfolgt eine Behandlung innerhalb von 3 Stunden, kann der Verschluss rückgängig gemacht werden.

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