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Augenheilkunde 30. Juni 2005

Neue Methoden in der Augenchirurgie

Von der Zyoptix-Methode profitieren speziell jene Patienten, die an Seh- fehlern mit einer höheren Ordnung leiden. Hornhautgewebe wird nur dort verdampft, wo dies unbedingt notwendig ist, dadurch kommt es zu einer geringen Gewebsabtragung.

Bereits vor fünf Jahren führten Prof. Dr. Hans Gnad und OA. Dr. Reinhard Schranz erstmals die LASIK-Operation (Laser in situ Keratomileusis) in der Augenlaserklinik Wien durch. Die neue Lasertechnik in Kombination mit einem Hornhautschnitt, bei der Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Astigmatismus mit Laserstrahlen therapiert werden, hat sich bestens bewährt. „Dabei wird in die Vorderfläche der Hornhaut ein kleiner Deckel geschnitten und zur Seite geklappt“, erläutert Schranz. „Anschließend wird mit dem Laser Hornhautgewebe verdampft und der Deckel wieder in seine Position gebracht.“ Die Korrektur findet im optischen Zentrum in den tiefen Hornhautschichten statt. Der Patient hat eine schnelle Rehabilitationszeit von wenigen Tagen und in der Regel keine Schmerzen nach der Operation.
Zur Zeit werden allein in den Vereinigten Staaten etwa eine Million LASIK-Eingriffe durchgeführt. Die Methode kann erfolgreich angewendet werden bei Kurzsichtigkeit bis zu minus zwölf Dioptrien, bei Weitsichtigkeit bis zu plus drei Dioptrien und bei Hornhautverkrümmung bis zu drei Dioptrien. Im November 2003 konnte Schranz erstmalig in Europa mit der Zyoptix-Methode (Personal Treatment kombiniert mit automatischer Iriserkennung) neue Maßstäbe setzen. Im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE stellte er diese bahnbrechende Technik vor: „Mit diesem Personalized treatment sind wir in der Lage, für jedes Auge eine individuelle Laserbehandlung anzubieten. Dadurch können wir neben den herkömmlichen Sehfehlern wie Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Astigmatismus auch kleinste spezifische Sehfehler, nämlich Sehfehler höherer Ordnung, die zu einer Verschlechterung des Nachtsehens und Kontrastsehens führen, exakt diagnostizieren und behandeln.“
Der Vorteil dieses Verfahrens ergibt sich einerseits aus der automatischen Iriserkennung, hierbei wird die Regenbogenhaut gleich einem Fingerabdruck gescannt und eindeutig dem Individuum zugeordnet. Andererseits ist es erstmals möglich, die während der Vermessung und der Behandlung unterschiedlichen Augenpositionen, die durch horizontale und zyklorotatorische Bewegung zu Stande kommen, mit Hilfe einer speziellen Software zu erfassen und soweit abzugleichen, dass die Position des Auges bei der Vermessung exakt der Position des Auges bei der Laserbehandlung entspricht. Somit können die gemessenen Daten bei der Operation 1:1 auf die Hornhaut übertragen werden. Daraus resultiert in weiterer Folge eine verbesserte Sehqualität, im Sinne eines besseren Kontrast- und Dämmerungssehens und geringerer Blendung in der Nacht. Auf die Frage, für welche Patientengruppe sich die Zyoptix-Methode konkret anbietet, antwortet Schranz: „Es sind speziell jene Personen, bei denen Sehfehler höherer Ordnung vorliegen. Zudem ergibt sich als weiterer Vorteil der personalisierten Therapie eine geringere Gewebsabtragung, da Hornhautgewebe nur dort verdampft wird, wo dies unbedingt notwendig ist.“ Operiert werden können in Abhängigkeit von der Dicke der Hornhaut Personen mit Kurzsichtigkeit im Bereich von ein bis sieben Dioptrien, mit Weitsichtigkeit und Astigmatismus bis etwa 3,5 Dioptrien.

Keine Langzeiterfahrungen

Zu etwaigen Operationsrisiken sagt Schranz: „Die Risiken sind gleich wie bei der herkömmlichen LASIK Operation. Das heißt, wie bei jeder Operation besteht auch hier die Möglichkeit von Komplikationen. Dabei ist die genaue Aufklärung vor der Operation von ganz entscheidender Bedeutung. Bei entsprechender Voruntersuchung und Indikationsstellung ist die LASIK Operation jedoch sehr sicher und wissenschaftlich anerkannt.“ Wobei Schranz betont: „Man darf nicht verschweigen, dass die Langzeiterfahrungen bei der Laserbehandlung nicht über 15 Jahre hinausgehen.“ Schranz kann seit Jahresbeginn 2004 auf über 40 Operationen mit der Zyoptix-Methode verweisen. „Der Beobachtungszeitraum der Nachuntersuchungen ist derzeit zwar noch zu kurz“, schränkt er ein, „um eine korrekte Aussage zu erlauben, aber die ersten Ergebnisse decken sich mit den Publikationen der amerikanischen Kollegen und entsprechen auch der subjektiven Zufriedenheit unserer behandelten Patienten. Es zeigt sich, dass die Sehqualität, speziell das Kontrast- und Dämmerungssehen, besser ist als bei der herkömmlichen LASIK.“
Schranz zieht ein Resümee: „Die chirurgischen Verfahren zur Behandlung der Fehlsichtigkeit werden in Zukunft sicher weiter technische Veränderungen und Entwicklungen erfahren, sind aber grundsätzlich aus der Augenheilkunde ebenso wenig wegzudenken wie Brillen und Kontaktlinsen.“

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