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Augenheilkunde 4. Oktober 2012

Schön und funktionell soll’s sein

Wenn Schönheitsoperationen ins Auge gehen – worauf es bei einer Lidkorrektur ankommt.

Frauen und Männer lassen sich die Augenlider operativ korrigieren. Bei etwa einem Prozent der Operationen kommt es zu Komplikationen, etwa zu Lidfehlstellungen, die dauerhaft tränende oder geöffnete Augen zur Folge haben. Worauf Patienten bei Lidstraffung und Tränensackentfernung achten sollten, erläuterten Ophthalmologen anlässlich des 110. Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), der vom 20. bis 23. September in Berlin stattfand.

Lidkorrekturen sind häufige Operationen, nur Laserbehandlungen und Fettabsaugungen kommen im Bereich der Schönheitsoperationen häufiger vor. Operiert ein Augenchirurg Ober- oder Unterlid, müssen Patienten mit Kosten in Höhe von 500 bis 1.000 Euro pro Lid rechnen. Neben Augenchirurgen, die bei den Blepharoplastiken (Lidkorrekturen) die größten Fallzahlen pro Arzt aufweisen, bieten plastische Chirurgen, HNO-Chirurgen, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen und Dermatologen Lidkorrekturen an.

Zweiteingriff

Bei den meisten Chirurgien sind Patient und Arzt mit dem Ergebnis zufrieden. „Bei einem Prozent der Operationen ereignen sich jedoch Komplikationen, die einen Zweiteingriff erforderlich machen“, berichtet Prof. Dr. Joachim Esser, Leitender Arzt der Orthoptik an der Universitäts-Augenklinik Essen. Dazu zählen vor allem Lidfehlstellungen, bei denen das Lid nicht vollständig am Augapfel anliegt, sondern nach Außen kippt, zu einem fehlenden Lidschluss oder zu Asymmetrien. „Zu solchen Fehlstellungen kommt es, wenn der Operateur die Haut zu sehr strafft, sodass sich das Lid vom Auge abhebt oder nicht mehr schließen lässt“, so Esser.

Die Auswirkungen einer sind häufig gravierend: Liegt die Lidkante des Unterlids nicht mehr am Auge an, kann die Tränenflüssigkeit nicht abfließen. Die Folge ist ein ständiger Tränenfluss. Wenn das Oberlid nicht mehr richtig schließt, droht bei permanent geöffnetem Auge die Hornhaut auszutrocknen. Dann leidet der Patient unter Schmerzen, muss Augentropfen und Salben nehmen und eventuell sogar über Nacht einen luftdichten Verband tragen. Mit der Wahl der richtigen Operationstechnik könne der Chirurg diese Komplikationen weitgehend vermeiden, so Esser. Besonders wichtig ist es, am Unterlid genügend Haut zu belassen, sodass keine vertikale Spannung entsteht. „Damit die Augenlider problemlos schließen, sollte der Operateur eine Hautfläche von zehn Millimetern zwischen Deckfurche und Braue stehen lassen“, erklärt der Augenchirurg. „Den Schnitt legt der Operateur am besten in die Deckfalte, sodass keine sichtbaren Narben bleiben“, betont Esser. Im Zweifel gelte die Regel, wonach eine Unterkorrektur – also weniger Hautstraffung – besser sei als eine Überkorrektur mit zu viel Gewebeentfernung. Ob der Chirurg einen Laser oder das Skalpell als Schneideinstrument wählt, sei für das Langzeitergebnis nicht erheblich. Der Laser verursache jedoch während des Eingriffs weniger Blutungen. „Wichtig ist, dass der Operateur das jeweilige Schneideinstrument gut beherrscht“, so Esser. Der Augenchirurg rät den Patienten daher, sich danach zu erkundigen, wie häufig der Operateur solche Eingriffe vornimmt und wie die Nachsorge organisiert ist. Weitere Fragen, die der Patient stellen sollte, sind: Ist der Operateur abends erreichbar, falls Probleme auftreten? Kann der Augenchirurg ein Zertifikat für plastische Chirurgie nachweisen? Abschließender Tipp des Experten Esser: „Holen Sie sich eine zweite Meinung oder eine Empfehlung bei einem Spezialisten ein, der kein ökonomisches Interesse an einer Lidkorrektur hat beispielsweise bei einem Augen- oder Hautarzt, der selbst nicht operiert.“

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