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© S. Binder
Prof. Dr. Susanne Binder Primaria der Augenabteilung der KA Rudolfstiftung Wien
© Carlos Caetano - Fotolia .com
 
Augenheilkunde 11. September 2012

Augen interdisziplinär betrachtet

Ziel der wissenschaftlichen Veranstaltung ist die Aufmerksamkeit auf eines der wichtigsten Sinnesorgane zu fokussieren.

Die Fortbildungsveranstaltung „Augenheilkunde Interdisziplinär“ findet dieses Jahr am 26. September wieder im Rathaus in Wien statt. Die Ärzte Woche sprach mit Prof. Dr. Susanne Binder, Primaria der Augenabteilung der KA Rudolfstiftung Wien und wissenschaftliche Leiterin dieser Fachtagung sowie Initiatorin des „3. Wiener Augentages“.

Das Auge und seine Sehfunktion sind in vielfältige Prozesse des Gesamtorganismus des Menschen eingebunden. Deshalb zeigen sich Allgemeinerkrankungen sehr häufig schon frühzeitig beim fachkundigen Blick ins Auge.

Die tägliche Praxis bringt für den niedergelassenen Arzt eine Vielfalt an interdisziplinären Herausforderungen mit sich. So kann ein unzureichend eingestellter Diabetes mellitus schwerwiegende Augenkomplikationen bis hin zur Blindheit hervorrufen. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang wird Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung der KA Rudolfstiftung im Wiener Rathaus überbringen. Der Titel seines Vortrags, der die Verbesserung der Diabetesbehandlung in den vergangenen Jahren aufzeigen wird: „Dramatischer Rückgang der Augenkomplikationen bei Diabetes mellitus“.

Auch ein erhöhter Blutdruck zeigt sich bereits frühzeitig durch deutliche Veränderungen der Netzhautgefäße. Nirgend sonst kann ein Arzt diese Veränderungen alleine durch eine Blickdiagnose, in diesem Fall durch Betrachtung des Augenhintergrunds, feststellen. Eine Chance für die Früherkennung, die sich niedergelassene Ärzte zunutze machen können, indem sie ihre Patienten auch regelmäßig zum Augencheck beim Ophthalmologen überweisen.

Fortbildung: Augenheilkunde Interdisziplinär“

Das Generalthema der Fachtagung, die im Nordbuffet des Wiener Rathaus stattfindet, lautet denn auch „Augenheilkunde Interdisziplinär“. Dabei gibt es durchaus Überraschendes: Normalerweise würde man wohl kaum an einen Zusammenhang zwischen den Fachdisziplinen Ophthalmologie und Urologie denken – Dr. Thomas Wimpissinger von der Urologischen Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung wird den niedergelassenen Ärzten in seinem Vortrag näher erklären, wo genau die Schnittstelle zwischen der Augengesundheit und den Ausscheidungsorganen liegt.

Prof. Dr. Susanne Binder präzisiert: „Wir wollen allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Fachbereichen erläutern und das diesbezügliche Wissen auf einen modernen Status bringen. Highlight ist wahrscheinlich „Auge und Diabetes“, weil das ein Dauerbrenner ist“, so Binder. „Wir würden die Diabetespatienten wirklich gerne noch früher zur Augenuntersuchung bekommen. Zudem hat sich die Behandlung der Diabetiker sehr stark verbessert. Extreme Fälle sehen wir glücklicherweise nicht mehr oft. Aber auch die leichteren Fälle müssen behandelt werden. Der Titel des Vortrags von Gutram Schernthaner bedeutet nicht, dass die Folgeerkrankung des Diabetes, die diabetische Makulopathie, nicht mehr existiert und wir Ärzte nichts mehr tun müssten.“

Der Schlaganfall im Auge

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Zusammenhang von Schlaganfall und Auge. „Gesichtsfelddefekte oder -ausfälle werden oft nicht in Betracht gezogen. Sie stören den Patienten chronisch, aber vom Augenarzt können sie lediglich diagnostiziert, nicht aber behandelt werden“, erklärt die Netzhautexpertin.

Ähnlich ist die Situation bei ophthalmologischen Nebenwirkungen onkologischer Behandlungen. Binder: „Man weiß gar nicht, wie sehr die Patienten unter der Trockenheit oder den chronischen Reizzuständen leiden.“

Binder selbst wird die Teilnehmer an der Veranstaltung über die allgemeinen Risikofaktoren für eine Makuladegeneration aufklären – ein wichtiges Thema angesichts der steigenden Zahl an betagten Patienten mit dieser das Augenlicht bedrohenden Erkrankung. Zwar gibt es für die feuchte Makuladegeneration heute eine geeignete Behandlung, eine gesunde Lebensweise mit Verzicht auf das Rauchen kann jedoch dieser außerhalb von Fachkreisen noch immer wenig bekannten Krankheit vorbeugen. Freilich gibt es auch genetische Prädispositionen für Augenkrankheiten, die Prof. Dr. Martin Weger von der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der MedUni Graz in einem Vortrag erklären wird.

Publikumstag „3. Wiener Augentag“

Parallel zur Ärztefortbildung „Augenheilkunde Interdisziplinär“ findet auch heuer wieder der Publikumstag im Festsaal des Wiener Rathauses statt.

Etwa 40 Prozent der Bevölkerung wissen nicht, dass eine Augenerkrankung auch dann bestehen kann, wenn die Sehfähigkeit ohne Tadel ist. Deshalb sollten nicht nur Kurz- Weit- oder Alterssichtige zur jährlichen Kontrolle zum Augenarzt. Ein Glaukom oder eine Makuladegeneration kann der Ophthalmologe schon lange vor dem Auftreten von Beschwerden oder Fehlsichtigkeit erkennen.

Beim Augentag können Patienten nicht nur eine große Menge an Information aus Vorträgen, Beratungen und Broschüren rund um die Ophthalmologie mitnehmen, sondern auch kostenlos Augendruckmessungen, einen Sehtest, Sehhilfenanpassungen oder Augenlipidbesprühungen in Anspruch nehmen.

„Wir vermitteln am 3. Wiener Augentag auf einer sehr breiten Ebene Informationen für Besucherinnen und Besucher über eventuelle Gefahren für die Augen und wohin sie sich bei Augenproblemen wenden können“, erklärt Binder.

Ophthalmologische Patienten kommen aus allen Altersgruppen. Binder: „Es gibt das Kind, das in der Schule nicht gut ist, weil es nicht genug sieht und vielleicht eine Brille braucht. Es gibt die Patienten, die durch Bildschirmarbeit oder häufige Reisen an trockenen Augen leiden. Und es gibt natürlich die große Gruppe der über 50-Jährigen, die ein höheres Risiko für chronische Augenerkrankungen haben.“

Alles in allem sind die Augen also – obwohl unser wichtigstes Sinnesorgan – ein oft eher vernachlässigtes Gebiet. „Die Aufmerksamkeit der Ärzte, aber auch der allgemeinen Bevölkerung dorthin zu lenken, ist unser Ziel“, so Binder. „Wir haben jedes Mal mehr als 100 Teilnehmer auf der Fortbildung und etwa 6.500 Besucher am Augentag und sind froh, dass wir diese Veranstaltungen ins Leben rufen konnten, denn wir sind der Meinung, dass wir Augenärzte uns – gemeinsam mit Fachärzten aller Disziplinen – um die Bevölkerung kümmern müssen.“

Fortbildung

Fortbildungsveranstaltung „Augenheilkunde Interdisziplinär“

Mittwoch, 26. September 2012

8.30 bis 13 Uhr

Wiener Rathaus, Nordbuffet

Die Fortbildungsveranstaltung ist für das DFP der ÖÄK approbiert. Keine Teilnahmegebühr. Anmeldung bis spätestens 17. September 2012. Begrenzte Teilnehmerzahl!

Info: MedEvent, Tel.: +43 1 545 38 10, www.medevent.cc, E-Mail:

L. Rohrmoser, Ärzte Woche 37/2012

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