zur Navigation zum Inhalt
Foto: © Krankenanstalt Rudolfstiftung/ Image Industry
Prof. Dr. Gregory S. Hageman Universität von Iowa, USA
 
Augenheilkunde 15. Juni 2009

Krankmachender Zellmüll im Auge

Die Altersbedingte Makuladegeneration wird durch eine Störung des Komplementsystems hervorgerufen. Diese aktuelle Erkenntnis könnte Wege zu innovativen Therapien ebnen.

Molekularbiologie und Genetik treiben die ophthalmologische Forschung voran, betonte Prim. Prof. Dr. Susanne Binder, Vorstand der Augenklinik und Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Retinologie und biomikroskopische Laserchirurgie, zu Beginn des ersten Retina Science Day. Vor allem bei der Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) werden die Ursachen, nämlich Störungen des Komplementsystems, klarer.

 

Veränderungen bei der Entwicklung und Regulierung der Komplementsysteme treten im Leben früh ein, werden weiter getriggert, und erst später lösen sie die Erschöpfung der Netzhautzellen aus. Prof. Dr. Susanne Binder, Wien: „Die Entsorgung von Zellmüll funktioniert beim gesunden Alten noch gut, und bei den AMD-Patienten bleibt die ,Müllhalde‘ sprichwörtlich liegen.“ Augenärzte kennen sie als Drusen an der Netzhaut.

Pionier Prof. Dr. Gregory S. Hageman, Professor für Ophthalmologie & visuelle Wissenschaften an der US-amerikanischen Universität von Iowa, ist der Nachweis gelungen, dass Patienten, die eine Störung im Komplementsystem haben, aus der Faktor-H-Gruppe, ein mehr als 50-prozentiges Risiko haben, eine AMD zu bekommen. Hageman: „Biologische und genetische Daten weisen darauf hin, dass eine veränderte Aktivierung und/oder Regulierung des Komplementsystems eine zentrale Rolle in der Entwicklung von AMD spielt.“ Der Komplement Faktor H (CFH) ist ein Bestandteil des Komplementsystems, welches als Teil des menschlichen Immunsystems die Immunantwort gegen verschiedene Krankheitserreger steuert.

CFH-Gen-Variationen finden sich in beinahe jedem zweiten AMD-Fall. Ein weit verbreiteter Risiko-Haplotyp und zwei schützende Haplotypen konnten identifiziert werden, die in verschiedenen Kombinationen bei AMD-Betroffenen vorkommen.

Personen, die das Risiko-CFH homozygot in ihrem Erbgut haben, tragen ein sechs- bis zwölffaches Risiko für eine AMD. Sie erkranken jünger und haben eine raschere Progression, die auch noch verstärkt werden kann. Wer adipös ist, hat ein achtfaches Risiko, und bei Personen, die außerdem noch rauchen, steigert sich das Risiko auf das Zwölffache.

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 24 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben