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Augenheilkunde 3. Juni 2009

Zur Sicherheit Glaukomscreening

Erste Ergebnisse der Salzburg-Moorfields-Collaborative-Glaucoma-Study nach zehn Jahren Laufzeit.

Das Gesundheitsressort des Bundeslands Salzburg initiierte im Dezember 1996 die auf 15 Jahre angelegte „Salzburg-Moorfields-Collaborative Glaucoma Study“ (SMCGS). Deren Ziel ist es, Glaukomerkrankungen in einer möglichst breiten Bevölkerungsschicht frühzeitig zu identifizieren. Darüberhinaus liefert die Studie Daten über den Nutzen eines derartigen Screenings und die zu erwartenden Kosten.

Das Glaukom zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für Blindheit. Die schleichend beginnende Augenerkrankung führt zu einer irreversiblen Schädigung des Sehnervs. Dieser Prozess dauert oft viele Jahre.

Die Salzburger Aktion „Keine Chance dem Grünen Star“ bietet Interessierten über 40 die Möglichkeit einer kostenlosen Vorsorgeuntersuchung. Der Schwerpunkt liegt auf Personen mit familiärer Belastung.

Ergebnisse nach zehn Jahren

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Lebensalter und Prävalenz des primären Offenwinkelglaukoms (POWG). Mit 65 beträgt die Häufigkeit etwa ein Prozent und steigt auf fünf Prozent bei 80-Jährigen. Auch die Frage, ob die Fünfjahresinzidenzen altersabhängig sind, ließ sich bejahen. Die Salzburger Forscher um Priv. Doz. Dr. MMag. Wolfgang Hitzl von der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, wählten die Methode des logistischen Regressionsmodells und fanden heraus, dass die 5-Jahresinzidenz bei 40-jährigen Personen weniger als 0,1 Prozent ist, bei 60-jährigen Personen ca. ein Prozent und dann auf bereits rund sieben Prozent bei 80-jährigen Personen ansteigt.

Patientenzahl und Kosten

In der Gruppe bis zu einem Lebensalter von 40 Jahren wird kaum eine Steigerung der Patientenzahl bis zum Jahr 2031 erwartet. Laut Berechnungen der Salzburger Forscher bleiben es etwa 20.000 (± 12.000) am Glaukom Erkrankte. Ganz anders bei den Älteren: In der Altersgruppe zwischen 55 und 70 Jahren muss von einer Zunahme der Betroffenen um 50 Prozent bis 2031 ausgegangen werden: 19.000 (± 7.000) in 2001 und 28.500 (± 10.500) in 2031. Und bei den über 70-jährigen Personen sogar von einer Steigerung der Prävalenz um 72 Prozent: 34.000 (± 16.000) in 2001 und 58.500 (± 30.500) in 2031.

Die Kostenanalyse des kompletten Salzburger Glaukomscreeningprogrammes ergibt für eine komplette augenärztliche Untersuchung mit modernsten Analysegeräten derzeit rund 123 Euro. Um einen Patienten mit eindeutigem Glaukom aus der Bevölkerung „identifizieren“ zu können, sind also 7.250 Euro nötig, für einen Patienten mit initialem Glaukom 4.250 Euro und für einen Patienten mit Glaukomverdacht 1.450 Euro.

Eine weitere Konsequenz der steigenden Lebenserwartung betrifft die Zahl der Autofahrer. Hitzl untersuchte auch die Fahrgewohnheiten von 80 Salzburger Glaukompatienten. 36 Prozent lenken demnach ein Kraftfahrzeug, ohne dazu vom Gesetz aufgrund ausgedehnter, sich deckender binokularer Skotome berechtigt zu sein. Hochgerechnet auf die Zahl aller aktiv fahrenden Glaukompatienten, ergibt dies für Österreich 15.400 Personen, die sehbeeinträchtigt Auto fahren.

Ein flächendeckendes österreichweites Glaukomvorsorgeprogramm, wie das der Universitätsklinik in Salzburg, wäre angesichts der Ergebnisse dieser Studie zwar sinnvoll, ist jedoch mit den vorhandenen Ressourcen derzeit wohl nicht durchführbar.

Literatur:

„Die wichtigsten Ergebnisse der Salzburg-Moorfields-Collaborative-Glaucoma-Study (SMCGS) nach über zehnjähriger Laufzeit“, Spektrum der Augenheilkunde (2009) 23: 25-29, ©SpringerWienNewYork

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 23 /2009

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