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Foto: Privat
Prof. Dr. Andreas Wedrich, Leiter der Augenklinik, MedUni Graz
 
Augenheilkunde 26. Mai 2009

Wenn der Film aus Tränen über dem Augapfel reißt

Das Sicca-Syndrom ist für Ärzte wie Patienten eine Herausforderung.

Bereits jeder fünfte Patient, der einen Augenarzt aufsucht, leidet schätzungsweise an Trockenen Augen. Ein neues Buch zum Thema Sicca-Syndrom stellt Diagnose, medizinische und komplementäre Behandlungsmethoden umfassend dar.

Tränen sind für das Auge ein wichtiger Schutz: Die Lipidschicht verhindert die schnelle Verdunstung der wässrigen Bestandteile der Tränenflüssigkeit. Außerdem setzt sie die Oberflächenspannung herab und sorgt so im Normalfall für eine lückenlose Benetzung des Augapfels und bewahrt ihn so vor dem Austrocknen. Darunter ist die wässrige Schicht, die direkt aus den Tränendrüsen stammt. Und ganz im Inneren ist die Schleimschicht, die von der Bindehaut produziert wird und für die Haftung des wässrigen Anteils der Tränen dient.

Mit jedem Lidschlag werden die Tränen über der Oberfläche des Augapfels verteilt. Jede Störung in diesem überraschend komplizierten System verursacht bei betroffenen Patienten Jucken, Brennen, rote Augen und das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben. Die Diagnose: Trockene Augen, oder Keratokonjunktivitis sicca.

Der von Prof. Dr. Andreas Wedrich, Vorstand der Universitäts-Augenklinik der Medizinischen Universität Graz, mit dem Biochemiker Prof. Mag. Dr. phil. Otto Schmut und Dieter F. Rabensteiner, beide Mitarbeiter der Grazer Augenklinik, verfasste Band mit dem Titel "Trockenes Auge" ist ein empfehlenswerter Ratgeber für Laien: Anschauliche Darstellungen und Erklärungen, große Schrift sowie viele Bilder prägen den Inhalt. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Patientenbuch als leicht verdauliche Lektüre für Ärzte. Allgemeinmediziner, die von ihren Patienten mit dem Krankheitsbild konfrontiert werden, werden hier ebenso gut bedient wie Augenfachärzte. Das Buch bietet nicht weniger als den Stand der Wissenschaft in der Diagnostik und Behandlung der Keratokonjunctivitis sicca: Nicht nur die gängigen diagnostischen Vorgehensweisen zur Feststellung des Ausmaßes der Tränenproduktion und der Qualität der Tränenflüssigkeit werden umfassend dargestellt. Auch spezielle Fragebögen für Patienten wie etwa der „Ocular Surface Disease Index ©“(OSDI ©) in deutscher Fassung oder das „Symptom Assessment iN Dry Eye“ (SANDE) ©, wie sie an der Universitäts-Augenklinik in Graz verwendet werden, werden vorgestellt.

Die Flüssigkeit ersetzen

Ein Hauptkapitel ist den erhältlichen Tränenersatzmitteln gewidmet, die auch beim (Produkt-)Namen genannt werden. Im hinteren Teil des Bandes werden komplementäre Heilmethoden wie etwa Ayurveda und die in Studien überprüfte Verwendung von Ghee beim Sicca-Syndrom beschrieben. Auch zur psychischen Komponente der Erkrankung und den Möglichkeiten von Psychotherapie und Akupunktur in der Behandlung des Trockenen Auges finden sich interessante Informationen.

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 20 /2009

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