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Augenheilkunde 28. März 2012

Kooperation von Allgemeinmedizin und Augenarzt gefragt

„Mehr Augenmerk“ auf die Bedeutung klarer Strukturen in den Gesundheitsberufen in der Behandlung chronisch Kranker richteten Ophthalmologen und Experten der Gesundheitspolitik bei einer Podiumsdiskussion.

Die Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft (ÖOG) lud zur Debatte über die drohende Entprofessionalisierung des Systems, die sich vor allem im Bereich der Augenheilkunde zunehmend bemerkbar macht.

 

ÖOG-Präsidentin Dr. Helga Azem, auch Vorsitzende der Bundesfachgruppe Augenheilkunde und Optometrie der Österreichischen Ärztekammer, betonte in ihrem Eingangsstatement, dass die Ophthalmologie derzeit am Scheideweg stehe, der Chancen, Trends und Risiken in sich berge: „Chancen sind die steigende Bedeutung der Ophthalmologie durch die demografische Entwicklung und der enorme medizinische und technische Fortschritt. Diese Faktoren gehen damit einher, dass augenärztliche Versorgung langfristig gesichert werden muss. Gerade im Bereich der Ophthalmologie kann vieles an Krankheit und Kosten durch Prävention vermieden werden“. Azem verwies auf die Risiken durch Ökonomisierung und Wirtschaftsliberalisierung, die zum Eindringen von Gesundheitsberufen niedrigerer Qualifikation in den Kernbereich ärztlicher Versorgung führten.

Vernetzung nötig

Auf die Notwendigkeit der Vernetzung der Ophthalmologen mit anderen Fachdisziplinen wies Prof. Dr. Susanne Binder hin: „Um Patienten gesamtheitlich betreuen zu können, ist die Zusammenarbeit von Augenärzten mit anderen Gesundheitsberufen notwendig, um Ressourcen zu bündeln und Synergien zu nutzen. Augengesundheit ist das höchste Gut des Menschen und gehört daher in die Hand des Facharztes. Die Ausbildung der Augenärzte dauert zwölf Jahre und umfasst dabei nicht nur die Lehre um das Auge, sondern bezieht den gesamten Körper mit allen Zusammenhängen ein. Diagnose und Therapie obliegen daher ausschließlich dem Arzt.“

Integrierte Versorgung

Die Notwendigkeit der Kooperation zwischen Allgemeinmediziner und Augenarzt stellte ÖGAM-Präsident Dr. Reinhold Glehr in seinem Statement in den Mittelpunkt: „Die Zusammenarbeit mit dem Augenarzt ist enorm wichtig – einerseits ergibt sich die Zuweisung zur Abklärung von Symptomen wie Sehleistungsverschlechterung, Kopfschmerzen, Schwindel etc., andererseits vor allem zur Beurteilung der Gefäßsituation. Viele Allgemeinerkrankungen können eine Mitbeteiligung des Auges haben. Für Früherkennung, Prävention, Erkennung von Medikamentennebenwirkungen etc. ist der augenärztliche Befund unverzichtbar. Gerade die Zusammenarbeit in Hinblick auf chronische Erkrankungen wie Diabetes und Hypertonie ist für eine adäquate Betreuung und Behandlung unserer Patienten von hoher Bedeutung.“

Prävention

Jedes Jahr würde mehr Geld in den Gesundheitssektor investiert, bemerkte der Verbandsvorsitzende im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger Mag. Dr. Hans Jörg Schelling, dem könne durch Prävention entgegengewirkt werden. „Weg von der Krankheit, hin zur Gesundheit: Präventive Maßnahmen sind essenziell, und dieses Bewusstsein muss auch die Bevölkerung erlangen.“ Der praktische Arzt müsse als Gesundheitskoordinator durch das System helfen. Die verschiedenen Gesundheitsberufe seien dazu aufgerufen, zusammenzuarbeiten. Schelling: „Ich spreche mich auch für eine stärkere Wechselwirkung zwischen diversen augenärztlichen Berufsgruppen aus – auch gut ausgebildete Optiker sollten den Patienten bei Verdachtsfällen zum Augenarzt überweisen. Schließlich geht es um das Wohl des Patienten und nicht um persönliche Befindlichkeiten diverser medizinischer Fachgruppen.“ 

 

Quelle: Podiumsdiskussion „Mehr Augenmerk“, Jänner 2012, Welldone

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