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Augenheilkunde 1. März 2012

Sehen heißt oft nur glauben

Unsere Wahrnehmung wird durch unsere spezifische Gruppenzugehörigkeit mit beeinflusst.

Dass die Psychologie bei der visuellen Wahrnehmung einen Anteil hat, ist nicht neu. Der Australisch-Neuseeländische Hochschulverbund/Institut Ranke-Heinemann ist der Frage nachgegangen, warum Sportfans sich so aufregen, wenn sie denken, dass der Schiedsrichter zugunsten des Gegners entschieden hat. Etwa, wenn der Vorwärtwspass des eigenen Teams abgepfiffen wurde, der eigene Spieler angeblich im Abseits stand oder ein Aufschlag im Aus landete.

 

Forscher der Psychologischen Fakultät der University of Queensland in Australien und des Queensland Brain Institute haben nun herausgefunden, dass Fans die Aktionen ihrer Mannschaft anders wahrnehmen als die Spielzüge gegnerischer Teams. Die Studie wurde von Dr. Pascal Molenberghs geleitet und in der Zeitschrift Human Brain Mapping veröffentlicht. Auch im Wissenschaftsjournal New Scientist berichtete man darüber.

Im Rahmen eines Experiments wurden die Probanden willkürlich in rote und blaue Teams aufgeteilt. In einer Wettbewerbssituation sollten sie nun die Schnelligkeit ihres und die des gegnerischen Teams beurteilen. Wenn die Testpersonen ihr Team sahen, reagierte ihr Gehirn anders als wenn sie die gegnerische Mannschaft im Blick hatten – das ist allerdings nicht nur mit einfacher Voreingenommenheit zu erklären.

Identifikation

„Wir haben herausgefunden, dass sich die Testpersonen sehr schnell mit ihrer Gruppe identifizierten und durchweg der Meinung waren, dass die Bewegungen ihres Teams um Bruchteile einer Sekunde schneller waren als die des anderen Teams, auch wenn es sich tatsächlich um identische Bewegungen handelte“, sagt Molenberghs. Das Forscherteam, das sich unter anderem aus der Doktorandin Veronika Halász, Prof. Dr. Jason Mattingley, Dr. Eric Vanman und Prof. Dr. Ross Cunnington zusammensetzte, wandte schließlich die funktionelle Magnetresonanztomografie an, um die Hirnaktivität eines jeden Teilnehmers während des Experiments zu messen. Es gebe zwei mögliche Erklärungen, so Molenberghs: „Entweder nehmen wir die Aktionen unserer Mannschaft tatsächlich anders wahr oder wir sehen die Aktionen als gleichwertig an, treffen jedoch eine bewusste Entscheidung darüber, dass unser Team schneller war.

Unbewusst voreingenommen?

Das Gehirn der Versuchspersonen, die sich stark mit ihrem Team identifizierten, reagierte auf die Aktionen von Teamkollegen anders als auf die Aktionen anderer Testteilnehmer. Entscheidend sei jedoch, dass während des Experiments keine unterschiedlichen Hirnreaktionen nachgewiesen werden konnten, wenn es um bewusste Entscheidungen ging. Molenberghs: „Das bedeutet, dass wir die Handlungen unseres Teams unbewusst anders wahrnehmen als die anderer Mannschaften.“ Die Voreingenommenheit zugunsten des eigenen Teams scheint entgegen der landläufigen Meinung also tatsächlich unbewusst zu entstehen. „Wir entscheiden nicht, die Aktionen unserer Mannschaft besser zu beurteilen, weil sie die beste sei. Es ist vielmehr so, dass unser Gehirn aufgrund des Zugehörigkeitsgefühls die Handlungen unserer Teammitglieder wohlwollender beurteilt, erklärt der Forscher. „Sollten wir demnächst also mal wieder der Meinung sein, die Schiedsrichter hätten sich gegen unsere Mannschaft verschworen, sollten wir im Kopf behalten, dass sich unser Zugehörigkeitsgefühl durchaus auf die Verarbeitung des Gesehenen auswirken könnte.“ Molenberghs möchte an diese Ergebnisse anknüpfen und ähnliche Experimente mit Mitgliedern realer Teams durchführen. .

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