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Augenheilkunde 1. Februar 2012

Die intravitreale Injektion: Unterschiedliche Vorgaben, Kosten und Kostenerstattung in Europa

HINTERGRUND: Grosse prospektive, randomisierte, kontrollierte klinische Studien haben für den intravitrealen Einsatz von Inhibitoren des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF) klare Behandlungsvorgaben mit höchstem Evidenzniveau gegeben. Dies gilt für die häufigsten exsudativen Makulaerkrankungen (neovaskuläre, altersbezogene Makuladegeneration, Makulaödem im Rahmen eines Diabetes oder eines venösen, retinalen Gefässverschlusses). Aufgrund zahlreicher Faktoren ist jedoch die Umsetzung einer optimalen, Evidenz basierten intravitrealen Therapie in kaum einem europäischen Land möglich.

MATERIAL UND METHODE: Die folgende Übersicht zeigt die wesentlichsten Einflussfaktoren und deren grosse Variabilität innerhalb von Europa, die eine adäquate Patientenbehandlung in ganz Europa erschweren. Um die Unterschiede zwischen einzelnen europäischen Ländern aufzuzeigen, wurden u. a. Fragebogen an Retinologen in Europa verschickt. Zu den wesentlichsten limitierenden Faktoren gehören das in der Europäischen Union (EU) geltende Behandlungslabel für Ranibizumab und die national und teilweise regional geltenden Vorgaben für die Durchführung und Kostenerstattung der intravitrealen Therapie. Hinzu kommen teilweise regionale oder institutionelle Einschränkungen, die die Anzahl der intravitrealen Injektionen reglementieren. Die Ergebnisse zeigen, dass es innerhalb von Europa Unterschiede gibt.

RESULTATE: Zu den wichtigen Unterschieden gehört die Dauer des nationalen Entscheidungsprozesses zur gesetzlichen Regelung der Kostenerstattung. Dieser Prozess kann in einzelnen Ländern mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Eine weitere Einschränkung besteht in vielen Ländern in Hinblick darauf, welche Personen/Institutionen intravitreale Injektionen durchführen darf und erstattet bekommt. Dies ist in den meisten Ländern an die Kostenerstattung durch das Gesundheitssystem gebunden. Besonders in osteuropäischen Ländern sind die Institutionen, denen intravitreale Injektionen erstattet werden, Budgets unterworfen, die adäquate evidenzbasierte Versorgung der Patienten weiter deutlich erschweren.

Erhebliche Unterschiede sind zudem bei den jeweils vorhandenen räumlichen Anforderungen und Auflagen an den Raum in dem die Injektion durchgeführt wird - von lediglich designiertem Injektionsraum bis zu vollwertigem Operationssaal - feststellbar. Hier zeigt sich innerhalb Europas eine deutliche Ost-West-Verteilung. Dieser Aspekt hat u. a. einen möglichen Einfluss auf die Sicherheit, aber auch auf die anfallenden Kosten und die Effizienz der Abläufe. Zum Teil sind die erheblichen Unterschiede in der Kostenerstattung für eine intravitreale Injektion innerhalb Europas durch die Vorgaben für den Injektionsraum erklärbar.

Der Preis für die Durchführung einer intravitrealen Injektion an Institutionen mit Kostenerstattung durch das Gesundheitssystem variiert innerhalb Europa von etwa 80 bis etwa 600 €. Jedoch variiert die Kostenerstattung für die intravitreale Injektion mitunter sogar regional oder in Abhängigkeit vom Versicherungssystem. Fast ubiquitär zeigt sich jedoch ein Mangel an finanziellen und personellen Ressourcen, um die Untersuchungs- und Behandlungsabläufe der Ära der intravitrealen Injektionen anzupassen. Dies ist von erheblichen Nachteil für die betroffenen Patienten aber auch für viele behandelnde Ärzte.

SCHLUSSFOLGERUNG: Mit einer zunehmenden Anzahl betroffener und mit intravitrealen Injektionen behandelbarer Patienten wird der Druck für einen verbesserten Behandlungszugang steigen. Einheitlichere Vorgaben für die Durchführung und Kostenerstattung intravitrealer Injektionen innerhalb Europas oder zumindest auf nationaler Ebene wären wünschenswert. Leider ist ein Trend zur weiteren Regionalisierung feststellbar.

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