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Augenheilkunde 1. Februar 2012

Keimspektrum und Risikofaktoren der schweren mikrobiellen Keratitis

HINTERGRUND: Die mikrobiell bedingte Keratitis ist ein potentiell visusbedrohender Notfall, dessen Inzidenz in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch die zunehmend verbreitete Anwendung von Kontaktlinsen sowie deren unbehinderte kommerzielle Verfügbarkeit zugenommen hat. Das Ziel dieser Studie war es, mikrobielle Charakteristika, Outcome, Risikofaktoren und negative prognostische Parameter der schweren und stationär behandlungsbedürftigen mikrobiellen Keratitiden zu identifizieren.

MATERIAL UND METHODE: Nach retrospektiver Analyse aller an der Augenklinik Innsbruck stationär behandelten Fälle mikrobieller Keratitis von Jänner 2007 bis Juni 2010 wurden 43 Fälle inkludiert. Eingeschlossen wurden nur Indexfälle mit einer Symptomdauer vor Aufnahme von unter 4 Wochen und die Diagnose einer mikrobieller Keratitis aus einem positiven Keimnachweis und / oder klinischem Ansprechen auf entsprechende antimikrobielle Therapie. Als negatives Outcome wurden die Notwendigkeit einer perforierenden Keratoplastik, eine Enukleation und ein bestkorrigierter Visus von ≤0,05 drei Monate nach der stationären Aufname definiert.

RESULTATE: 79,1 % der Fälle waren bakterieller Genese, 11,6 % durch Pilze und 9.3 % durch Acanthamöben verursacht. Als Risikofaktoren wurden in 55,8 % das Tragen von Kontaktlinsen, in 27,9 % % eine Hornhautoberflächenpathologie, in 16,3 % eine Vorbehandlung mit Steroiden identifiziert. Die Kontaktlinsen assoziierte mikrobielle Keratitis (KLAMK) war zu 66.7 % durch Pseudomonas aeruginosa, die Nicht Kontaktlinsen assoziierte mikrobielle Keratitis (NKLAMK) zu 72,7 % durch Staphylokokkus spp. bedingt. Die durch Pseudomonas aeruginosa bedingte Keratitis war durch eine signifikant kürzere prähospitale Beschwerdedauer als andere bakterielle Keratitiden gekennzeichnet. Ein negatives Outcome war in 32.6 % der Fälle zu verzeichnen. Die Vorbehandlung mit Steroiden und eine Beschwerdedauer vor stationärer Aufnahme von mehr als 3 Tagen waren mit einem negativen Outcome assoziiert.

SCHLUSSFOLGERUNG: Kontaktlinsen stellen den bedeutendsten Risikofaktor für die Entwicklung einer schweren mikrobiellen Keratitis dar. Pseudomonas aeruginosa ist signifikant mit der Kontaktlinsen assoziierten Keratitis und einem fulminanten klinischen Verlauf assoziiert. Die topische Anbehandlung der mikrobiellen Keratitis mit Steroiden ist ein Risikofaktor für einen protrahierten klinischen Verlauf und negatives Outcome.

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