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Augenheilkunde 24. April 2009

Keime im Auge

Trotz hervorragender Schutzmechanismen kann es auch im Inneren des Sehorgans zu Infektionen kommen.

Kontaktlinsenträger haben ein erhöhtes Risiko für Amöbenkeratitis. Das ist eine der Botschaften, die niedergelassene Ärzte von der infektiologischen Fortbildungsreihe „Giftiger Dienstag“ mitnahmen. Prof. Dr. Talin Barisani-Asenbauer von der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der MedUni Wien gab am 10. März einen Überblick über Infektionskrankheiten des Auges.

 

Das Hordeolum gehört zu den Entzündungen des äußeren Auges. Es handelt sich dabei um eine Schwellung einer Lidwanddrüse durch Bakterieneinwanderung, meist Staphylo- und Streptokokken. Das führt zu Spannungs- und Druckgefühlen, am Lid ist eine lokale Schwellung mit einem Eiterpunkt zu sehen. Wichtig ist, Patienten vor dem Ausdrücken und der Augenreinigung mit Tee zu warnen. „Tees sind Gift fürs Auge“, betonte Barisani-Asenbauer, sie rät zu Rotlicht, warmen Umschlägen, lokalen Antibiotikasalben und abschwellenden Tropfen.

Beim Chalazion, dem „Hagelkorn“, empfiehlt sie hingegen eine Inzisur und Curettage. Die schmerzlosen derben Knoten entstehen durch granulomatöse Entzündungen mit Sekretstau in den Tubuli der Liddrüsen.

Die Blepharitis entsteht durch Verstopfung der Talgdrüsenausführungsgänge am Lidrand, der nach dem Schlafen geschwollen, rot und gereizt aussieht. Die Blepharitis ist meist selbstlimitierend, allerdings sollte auf eine gute Augenhygiene geachtet werden.

Schutzhürden überwinden

Durch die Barrieren Lid, Sklera, Konjunktiva und die Blut-Augen-Schranke geschützt, finden nur selten Erreger über das Auge den Weg in den Körper. Falls dies aber doch passiert, kommt es zur ungehinderten Ausbreitung von Bakterien, Viren oder Parasiten und in vielen Fällen zu einem komplizierten Krankheitsverlauf. Grund dafür ist, dass das Auge eine immunprivilegierte Stelle ist, das heißt, es kommt zu einer physiologisch reduzierten Immunantwort.

Bakterielle Entzündungen

Bakterien verursachen eine meist banale Konjunktivitis, die sich durch Rötung und eitriges Sekret äußert und mit topischen Antibiotika behandelt wird. Als gefährlich einzuschätzen ist die Konjunktivitis der Form der Ophthalmica neonatorum. Verursacht durch Neisserien und Chlamydien, kann es vorwiegend bei Hausgeburten zu dieser Infektion kommen. Auch in Thermalbädern und beim Geschlechtsverkehr werden Chlamydien übertragen. Diese führen durch Bildung von Follikeln unter der Bindehaut zum trockenen Auge und Fremdkörpergefühl. Barisani-Asenbauer erinnerte daran, dass „für die Diagnostik massive Abstriche nötig sind, da sich die Erreger intrazellulär befinden“.

Patienten ist auch bei banalen Augenoberflächenkrankheiten in jedem Fall zu einer fachärztlichen Konsultation beim Augenarzt zu raten, betonte die auf Infektionen spezialisierte Ophthalmologin. Aber auch „alte Infektionen“ sollten nie unbedacht bleiben. Treponema pallidum ist der Erreger von Lues, dessen Inzidenzrate in den letzten Jahren um das Fünfzehnfache angestiegen ist und zu einer Uveitis anterior und posterior führen kann. „Vorsicht bei Patienten mit rheumatischen Grunderkrankungen – hier können banale Infektionen zu Ulzerationen führen. Es bleiben nur wenige Stunden Zeit, um eine Erblindung zu verhindern“, warnte die Ophthalmologin.

Virale Infektion

Die Keratokonjunktivitis epidemica tritt im Rahmen von grippalen Infekten auf und wird durch Adenoviren verursacht. Auftretende Infiltrate sind am besten mit der Spaltlampe zu erkennen und hinterlassen oft Narben, die zu einem Blendungsgefühl und Sehverschlechterungen führen. Diese hochinfektiöse Virusinfektion wird mit Cyclosporin-Augentropfen behandelt.

Herpesviren können zu herpetischer Blepharitis, Konjunktivitis, Keratitis und Keratouveitis führen. Hier ist laut Barisani-Asenbauer besonders darauf zu achten, bei der Therapie ausschließlich Aciclovir anzuwenden und keineswegs Kortikosteroide, die in den gängigen Augentropfen enthalten sind. Bei rezidivierenden Herpesreaktivierungen muss eine systemische virostatische Therapie mit Aciclovir über drei bis sechs Monate durchgeführt werden.

Ein absoluter Notfall ist die akute retinale Nekrose. Es handelt sich um ein entzündliches intraokulares Syndrom, mit einer schweren, diffusen Uveitis, retinalen Vaskulitis und retinalen Nekrosen. Beginnend mit Weißfärbung der peripheren Retina kommt es binnen Stunden zur Ausbreitung der Nekrose-Areale über die gesamte Netzhaut. Ein bis zwei Tage später kann es zur Erblindung kommen, wenn nicht sofort intravenös Aciclovir und Steroide verabreicht werden. Außerdem ist dieses wahrscheinlich durch Viren verursachte Krankheitsbild eine Indikation für die Vitrektomie.

„Immun-recovery-uveitis“ wird die Retinopathie genannt, die bei 25 Prozent der HIV-Patienten nach einer erfolgreichen HIV-Therapie auftritt. Es handelt sich um eine unspezifische anteriore oder posteriore Uveitis, die sich mit Symptomen wie Sehverlust und Gesichtsfeldausfälle äußert.

Parasitäre Augenerkrankungen

Toxoplasmodium gondii ist ein intrazellulärer Parasit aller Warmblüter, der bei transplazentarer Übertragung die toxoplasmotische Retinochoroiditis verursacht. Kommt es zur Reaktivierung einer kongenitalen Toxoplasmose, führt die Excystation der Parasiten zur Retinaschädigung, wodurch es zum Verlust der Sehschärfe und zu verzerrter Bildwahrnehmung kommt.

Die Aufnahme der Zysten erfolgt über Fleischkonsum, die Sporozoiten gelangen durch kontaminierte Nahrung und Wasser in den Körper. Besonders Schwangeren und auch immunsupprimierten Personen ist zu Vorsicht bei unzureichend erhitztem Fleisch und auch wasserhaltigem Speiseeis im Ausland zu raten. Bei immunkompetenten Personen zeigen sich bei einer Erstinfektion selbstlimitierende, grippale Symptome.

Kontaktlinsenträger gefährdet für Akanthamöben-Keratitis

Eine weitere parasitäre Augeninfektion wird durch Amöben verursacht. Akanthamöben sind freilebende Einzeller in Boden, Süß- und Salzwasser. Durch Kontaktlinsen häufig verursachte Mikrotraumen an der Augenoberfläche sind ideale Eintrittspforten für Akanthamöben, die durch die Cornea wandern und eine Entzündung verursachen. Besonders der Kontakt der Kontaktlinsen mit Leitungswasser sollte vermieden werden. Auch das sofortige Herausnehmen oder Manipulieren der Linsen nach dem Schwimmen kann die Erreger ins Auge einschwemmen. Die Akanthamöben- Keratitis ist sehr schmerzhaft und wird jährlich häufiger. Risikofaktoren sind Traumen, Fremdkörper, Operationen, Immunsuppression sowie rezidivierende Entzündungen, wie sie bei Diabetes-mellitus-Erkrankten vorkommen, und das Tragen von Kontaktlinsen. Als wichtigste Prophylaxe sollten Kontaktlinsenträger über die Gefahren aufgeklärt und an die korrekte Reinigung mit geprüften Reinigungsmitteln erinnert werden.

Von Barbara Buchner, Ärzte Woche 17/2009

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